Aktionen Eltern für Kinder

Hungersreik 2002

Wenn die Seele vor Hunger streikt

Studien zeigen, dass Mütter sich an die Väter zuletzt wenden, wenn sie Schwierigkeiten mit den gemeinsamen Kindern haben. Lieber fragen sie die beste Freundin um Rat oder einen Profi wie den Kinderarzt oder den Lehrer. Väterlichen Kompetenz erwarten sie höchstens beim Babysitten, und selbst dabei haben sie ein mulmiges Gefühl, denn in der heutigen Zeit wurde doch jede Frau Dank einschlägiger politischer Aufklärungskampagnen darüber belehrt, dass Gewalt männlich ist und die scheinbar liebsten Väter am häufigsten Täter sind. Kein Wunder also, dass Väter, die sich nicht damit zufrieden geben wollen, für ihre Kinder Unterhalt zahlen zu müssen, ohne sie je zu sehen, unglaubwürdig erscheinen und von Journalistinnen als "die neuen Leidensmänner" bespöttelt werden.

Passend zu dieser Skepsis, fiebert und leidet alle Welt mit, wenn Mütter um ihre Kinder kämpfen, die ihnen vom Vater entrissen wurden, doch wenn Väter um ihre Kinder kämpfen, die ihnen von der Mutter entrissen wurden, gilt in Deutschland anscheinend immer noch das alte Sprichwort: "Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe." Anders ausgedrückt: Frauen und Männer sind im Sinne der deutschen Verfassung ohne Ansehen der Person und des Geschlechts gleichberechtigt und gleichwertig, doch sobald sie Mütter und Väter sind, ist es damit vorbei.

Diese verfassungswidrige Ungleichheit beginnt mit Paragraph Sechs des Grundgesetzes, welcher Mütter unter den ausdrücklichen Schutz der Solidargemeinschaft stellt, Väter hingegen nicht, die dadurch wegen ihres Geschlechts benachteiligt und zu Elternteilen zweiter Klasse abgewertet werden. Und es endet vor dem Familiengericht, wenn Eltern sich nicht mehr lieben und das Gericht darüber entscheiden muss, bei welchem Elternteil die Kinder des zerstritten Paares künftig leben sollen und fast immer beschließt, dass die Mutter der besser geeignete Elternteil ist.

Irrt sich das Gericht in dieser Meinung und beurteilt die Mutter allein deshalb als bessere Alternative, "weil Kinder zur Mutter gehören", erleben die zugehörigen Väter und Kinder die Folgen der zunehmenden Anarchie im deutschen Familienrecht meist jahrelang und nicht selten für immer.

Sie erleben nämlich, dass diese per Gerichtsbeschluss quasi sakrosankten Mütter eigenmächtig gegen geltendes Recht und Gesetz sowie gegen richterliche Beschlüsse verstoßen, obwohl der Gesetzgeber dafür Strafen vom Zwangsgeld über den Verlust des Sorgerechts bis hin zur Haft vorgesehen hat, - und straffrei bleiben.

Und sie erleben, dass die mit legalen Mitteln gegen das Faustrecht der Mütter Widerstand leistenden Väter in allen Gerichtsinstanzen scheitern, weil Recht haben und Recht kriegen im deutschen Familienrecht zweierlei sind. Die brutalsten Beispiele, die aus Vätern Kopien des gegen Windmühlenflügel kämpfenden Don Quichote machen, geschehen, wenn Mütter sich selbst das Scheitern der Liebe nur verzeihen können, indem sie den einst Geliebten als Alleinschuldigen abstrafen und dabei auch nicht vor eigenen Straftaten zurückschrecken. Und wenn diese Mütter nicht daran gehindert werden, solche Straftaten zu begehen.

Verlässt eine Mutter den Vater und nimmt ohne sein Wissen und/oder Einverständnis die gemeinsamen Kinder mit, ist dies Kindesentzug und stellt eine strafbare Handlung dar.

Verhindert bzw. boykottiert die Mutter das Vater und Kindern zustehende Umgangsrecht, ist dies ebenfalls Kindesentzug und somit eine strafbare Handlung. Jedesmal sind sowohl das Recht des Vaters als auch das Recht des Kindes verletzt.

Dennoch: statt der verdienten Strafe, finden solche Mütter meistens Helferinnen und Helfer, welche die strafbare Handlung nachträglich legalisieren, indem sie der Mutter das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht übertragen.

Entzieht hingegen ein Vater der Mutter gemeinsame Kinder, indem er diese nach einem Besuchswochenende nicht mehr zu ihr bringt, ist dies ebenfalls Kindesentzug, wird aber keineswegs nachträglich legalisiert, sondern bestraft. Dies kann von der Geld- bis zur Haftstrafe gehen, in jedem Fall aber ein meist langfristiges Kontaktverbot im Umgang mit den Kindern bedeuten. Sehr oft darf der Vater die Kinder dann nur noch unter Aufsicht oder gar nicht mehr sehen. Die damit verbundene Entfremdung wird Seitens des Gerichts meist billigend in Kauf genommen. Schließlich lag ja eine Straftat vor.

Übrigens wächst die Zahl der Mütter, denen Väter dieselben schändlichen Straftaten antun. Auch Ihnen und ihren Kindern gelten mein Mitgefühl, meine Solidarität und Hilfe.

Die schweren Verletzungen der Würde des Rechts durch Kindesentziehung und Umgangsboykott sind im Bundesjustizministerium bekannt. Im Jahr des Hungerstreiks 2001 sagte man mir: "Wir sind hilflos. Was sollen wir denn machen?" Im Jahr des Hungerstreiks 2002 sagte man mir: "Wir wissen das. Was glauben Sie, worüber wir ständig beraten?"

Beim Beraten ist es bisher geblieben.

Doch jetzt regt sich nicht mehr nur der bisher leicht zu ignorierende Eltern-Widerstand im Inland, sondern mehr und mehr auch im Ausland, denn neuerdings gibt es die Globalisierung, gibt es die stärkste Völkerwanderung der Neuzeit, gibt es immer mehr Menschen der verschiedensten Nationen, die in Deutschland leben, sich verlieben und Kinder haben. Kinder, die dann, wenn die Paarbeziehung scheitert, viel zu oft durch den deutschen Elternteil nach Deutschland gekidnappt werden und dann keine Chance mehr haben, ihren ausländischen Elternteil zu sehen. Ob US-Ex-Präsident Bill Clinton und seine Frau Hillary oder Verteidigungsministerin Albright, ob der aktuelle US-Präsident Bush, sie alle drängten die deutsche Regierung, endlich die internationalen Kinderrechte zu ratifizieren. Jacques Chirac, der den Skandal von Paris aus miterlebte, fand die Bezeichnung "Gesetz des Dschungels".

Vor allem regt sich das Ausland zunehmend über das deutsche Familienrecht auf, weil es seinen Familienrichterinnen und Familienrichtern gestattet, gegen internationale familienrechtliche Abkommen zu verstoßen. Der wohl bekannteste Fall ist der Verstoß gegen die strikten Anweisungen der Haager Kinderrechtekonvention, welche anordnet, entführte Kinder binnen weniger Wochen in ihr Ursprungsland zurück zu schicken, damit dort eine familiengerichtliche Untersuchung über das Kindeswohl erhoben werden kann. Wenngleich Deutschland dieses internationale Abkommen unterzeichnete, nimmt sich die Richterschaft im Schutz ihrer richterlichen Unabhängigkeit heraus, das entführte Kind nicht schnellst möglich nach Hause zu beordern, sondern die dem Ursprungsland zustehende Untersuchung über das Kindeswohl in Deutschland zu führen. Die in diesem Zusammenhang vergehende Zeit wird regelmäßig zugunsten des Elternteils ausgelegt, welcher das Kind nach Deutschland entführte, indem das Gericht befindet, das Kind habe sich zu sehr in Deutschland eingelebt und könne nicht ohne Schädigung des Kindeswohls wieder in sein Ursprungsland und zu seinem anderen Elternteil zurückgeschickt werden.

Verzweifelte Eltern trafen 2001 den Beschluss, zusammen gegen den gerichtlichen "Kinderklau" in Deutschland anzugehen. In Paris geboren, pflanzte sich die Idee rasch über Europa und die USA bis nach Südafrika, Kanada und in alle Welt hinaus fort. Die Eltern, die in Berlin anreisten, um öffentlich mit einem anhaltenden Hungerstreik gegen das deutsche Familienrecht und gegen die Praxis deutscher Jugendämter zu protestieren, standen stellvertretend für alle Eltern auf dem Alexanderplatz, denen deutsche Richterinnen und Richter die Kinder genommen haben. Ihr Hungerstreik unter der Weltzeituhr als Symbol für die überall auf der Welt unerbittlich enteilende Zeit von Eltern und Kindern, Symbol für jede Stunde, jeden unwiederbringlichen Tag der Kindheit ihrer Kinder, an der sie als betrogene Eltern keinen Anteil mehr haben dürfen. Die Weltzeituhr, weil keine Zeit mehr zu verlieren ist und sie alle ihre Kinder endlich wiedersehen wollen. Jetzt; in dieser Sekunde!

Einer dieser Eltern ist Maurice Elfeke, Generalsekretär des französischen Vereins "S.O.S. Kindesentführung" und einer der führenden Köpfe im politischen Hick-Hack deutsch-französischer Trennungskonflikte. Mehrsprachig, ein amerikanischer Bürger mit Wohnsitz in Frankreich, cosmopolitisch mit aller Welt vernetzt und in der Sache der Kinder umfassend informiert, ist er ein für die Medien interessanter Ansprechpartner und folglich für die deutsche Familienrechtslage ein gefährlicher Multiplikator.

Als ausgerechnet er zu Beginn des Hungerstreiks 2001 verhaftet wurde, sahen nicht nur die Franzosen darin mehr als nur die böswillige Anzeige einer Ex-Frau, die einen Vater daran hindert, seine beiden Söhne zu sehen. Vielleicht sollte mit ihm auch der Hungerstreik von der Bildfläche verschwinden? Wenn ja, ging die Rechnung nicht auf, denn Olivier Karrer sprang für Maurice Elfeke ein und setzte die im Chaos zu scheitern drohende Aktion fort.

Welch ein Zufall, dass Maurice Elfeke zu Beginn des Hungerstreiks 2002 erneut verhaftet wird. Nur wenige Stunden, bevor er mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des deutschen Justizministeriums zusammentreffen sollte, um einmal mehr über die Arbeit der internationalen Vermittlungshilfemission der sogenannten deutsch-französischen Mediatorengruppe zu reden, deren Machtbefugnis am Veto des kidnappenden ELternteils scheitert. Und mitten in der heißen Phase einer seit Monaten immer härter werdenden Auseinandersetzung zwischen Frankreich und Deutschland um die Rechte französischer Eltern.

" Ein Narr, wer Schlechtes dabei denkt", doch irgendwie mutet es sogar "Le Figaro" am 15.Juni 2002 seltsam an, dass der Generalsekretär des wohl bekanntesten französischen Elternvereins ausgerechnet dann eingesperrt wird, als er wieder einmal höchst medienwirksam die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenkt, dass Frankreich Anklage gegen die deutsche Politik-Elite und Gerichtsbarkeit erhebt. Und zwar die Anklage, dass das deutsche Familienrecht nicht den auch von Deutschland unterschriebenen Standards internationaler Abkommen angepasst wurde, das Recht der Kinder immer noch einschränkt wird, und dass deutsche Richterinnen und Richter ihre eigenen (deutschen) Staatsangehörigen zum Nachteil der französischen Eltern bei der Zuteilung des Aufenthaltsbestimmungsrechts bevorzugen.

Hilflos müssen die Freundinnen und Freunde, die ihn ins Ministerium begleiten sollen, miterleben, wie Maurice Elfeke mit unbekanntem Ziel abgeführt wird. Es ist Samstag. Niemand weiß, wo der Gefangene das Wochenende verbringen wird, ob er einen Anwalt bekommen hat. Im Bundesjustizministerium lehnt man jede Hilfestellung mit der Begründung ab, Herr Elfeke habe seit Wochen gewusst, dass erneut ein Haftbefehl gegen ihn laufe. Das Risiko der Inhaftierung sei ihm bewusst gewesen. Insofern sei es seine eigene Schuld, unter diesen Umständen an einem öffentlichen Hungerstreik teilgenommen zu haben, anstatt sicher in Frankreich geblieben zu sein.

Erst nach und nach gelingt es den verschiedensten Freundinnen und Freunden zu erfahren, dass Maurice Elfeke zunächst auf dem Polizeirevier verhört und anschließend in den wohl meist gefürchteten Strafvollzug nach Moabit eingeliefert wurde. Niemand darf ihn besuchen. Selbst sein Pflichtanwalt, der sich intensiv für ihn einsetzt, kann ihn erst nach hartnäckiger und langer Odyssee zumindest telefonisch erreichen. Die Freundinnen und Freunde vor Ort dürfen ihm weder seine persönlichsten Dinge, noch Geld noch Zigaretten bringen. Selbst Briefe werden ihm verweigert und als unzustellbar an den Absender zurückgeschickt. Auf Nachfragen antwortet die nette Damenstimme Moabits, man solle es eben nochmals versuchen und den Brief erneut zusenden; so schnell komme ja niemand wieder raus, wenn man erst mal die Adresse "Alt-Moabit 12a" habe.

Per Zufall entdeckt eine Freundin einen Artikel über die Verhaftung in ihrer kleinen regionalen Zeitung. Darin heißt es, der Bruder der Ex-Frau habe den verhassten früheren Schwager in einem Filmbeitrag über den Hungerstreik bei "Frontal 21" erkannt und Anzeige gegen ihn in Berlin erstattet. Zur Sicherheit habe er sogar ein Foto mitgeschickt, damit die Polizei ihn unter den Hungerstreikern vor der Gedächtniskirche sicher ausmachen und erkennen könne. Grund der Inhaftierung sei derselbe Vorwurf wie 2001. Damals hatte die Ex-Frau behauptet, er habe einen Einbruchdiebstahl in ihrer Wohnung begangen und verschiedene persönliche Unterlagen entwendet, sowie den Rasen im Garten der Ex-Schwiegermutter mit Unkrautvernichtungsmittel beschädigt und einen Sachschaden von über rund 21 000 Euro verursacht.

Keiner dieser Vorwürfe war 2001 haltbar gewesen, da keine Beweise vorgelegt werden konnten. Nach vier Wochen Haft und anhaltendem Hungerstreik musste Maurice Elfeke auf freien Fuß gesetzt werden. Auch diesmal werde er auf Freispruch plädieren, ist sein Anwalt nach dem Aktenstudium entschlossen.

Schnell wird es allerdings wohl nicht gehen. Irgendwann dieser Tage wird der Gefangene in die ihm bereits bekannte Justizvollzugsanstalt Hannover verbracht. Irgendwann wird die zuständige Richterin den ersten Verhandlungstermin anberaumen und ihren Beschluss verkünden. Bei der allseits bekannten Überlastung der Gerichte kann dies Wochen dauern. Wochen, in denen Maurice Elfeke seinen in Berlin begonnenen Hungerstreik wie bisher fortsetzen und freiwillig wohl unter keinen Umständen beenden will.
2001 sagte er mir, bei der Qualität des Gefängnis-Essens sei ihm das Hungern leichter gefallen als das Essen. 2002 wird die Verpflegung in derselben Haftanstalt kaum verlockender und der Wille dieses zum äußersten Widerstand gegen den erzwungenen Verlust seiner Kinder und aller seiner Elternrechte entschlossenen Vaters kaum geringer sein.

Wie zerstörerisch für unsere Gesellschaft, dass die deutsche Familienpolitik und die Anwendung des deutschen Familienrechts im Inland dazu geführt haben, dass immer weniger junge Menschen den Mut aufbringen, Kinder in die Welt zu setzen.

Und wie unsäglich beschämend für Deutschland im Schulterschluss der Globalisierung, dass die ausländerfeindliche Anwendung des deutschen Familienrechts im Ausland längst schon als Willkürgesetz des Stärkeren und sogar als Neuauflage des unter Hitler praktizierten "Lebensbornprinzips" verrufen ist. Ja, dass ausländische Elterninitiativen ihre Jugend davor warnen, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in Deutschland anzunehmen, geschweige denn Kinder mit einer oder einem Deutschen zu zeugen. Egal, wo.

Väter und Mütter, die wie Maurice Elfeke als verantwortungsbewusste Eltern für und um ihre Kinder kämpfen, genießen die Solidarität aller Eltern weltweit, denn in allen Kulturen und allen Völkern dieser Welt würden Eltern unter Einsatz ihres Lebens für und um ihre Kinder kämpfen. Beispiele wie seines gehen um die Welt. Sie bilden Meinungen. Sie erzeugen Gefühle. Sie führen zu Konsequenzen.

Nur einer, der keine Kinder hat und nicht weiß, dass der Eltern-Schmerz um den Verlust eines Kindes mit keinem Schmerz zu vergleichen ist, kann da mit "ruhiger Hand" regieren wollen anstatt zum eisernen Besen zu greifen und die Gerichtshöfe auszukehren, an denen anständigen Müttern und Vätern ihre Kinder entrissen und aus mehr Kindern Halbwaisen gemacht werden als im letzten Weltkrieg.

Einigen französischen Aktivisten der Väterbewegung ist es klar, dass der "Fall Maurice Elfeke" dazu geeignet ist, die öffentliche Aufmerksamkeit von der Hungerstreikaktion und von den international erhobenen Vorwürfen gegen das deutsche Familienrecht abzulenken. Je intensiver und öfter über diesen Einzelfall berichtet wird, desto seltener wird weltweite Kritik an den Fehlern der regierenden Politikerinnen und Politiker sowie den Richterinnen und Richtern zu lesen sein. Nur konsequent also, die Hungerstreikenden vor dieser Leimrute zu warnen und das gemeinsame große Ziel in den Vordergrund zu rücken. Maurice Elfeke nicht im Stich zu lassen, ist damit Privatsache.

Gut, dass der Hungerstreik 2002 und die Forderung der Eltern nach gleichberechtigter und gleichwertiger Anteilnahme an der Betreuung, Versorgung und Erziehung gemeinsamer Kinder auch nach einer Trennung in Mathieu Carrière, der Freitag, am 21. Juni 2002, für seine kulturellen Verdienste zum "Ritter der Ehrenlegion" geschlagen wurde und mit diesem Titel eine der höchsten französischen Auszeichnungen erhielt, einen starken Fürsprecher und engagierten Partner gefunden hat. Seine bereits mehrmalige Teilnahme am Hungerstreik in Berlin lockt die Medien an, deren Berichterstattung über Kummer und Kampf ausgegrenzter Elternteile so üppig und zahlreich ist wie nie zuvor.

Als unverbesserliche Optimistin nehme ich dies als Zeichen dafür, dass das Umdenken in der Öffentlichkeit langsam aber sicher begonnen hat und Mütter, die ihren Kindern den Vater nehmen ebenso wie Väter, die ihren Kindern die Mutter nehmen, die ihnen bisher in der Gesellschaft erwiesene Solidarität verlieren. Es wäre doch wunderbar, wenn sich die Erkenntnis endlich durchsetzen würde, dass die Würde von Kindern ebenso unantastbar ist wie die von Erwachsenen und dass das Recht von Kindern auf Mutter UND Vater nicht zur Disposition steht.

Karin



Die Aktuelle, 10.06.2002

Mathieu Carrière kämpft um seine Tochter
Jetzt tritt er in den Hungerstreik

Darf man einem Kind den Vater wegnehmen?

Es ist ewig dasselbe Lied: Bleibt die Liebe auf der Strecke, sind die Kinder die Leidtragenden. Auf ihrem Rücken wird ein erbitterter Kampf ausgetragen, der die zarten Seelen für immer zeichnet. Jüngstes Beispiel in der Show-Branche: Elena, die fünfjährige Tochter des Schauspielers Mathieu Carrière, 51. Die Mutter des Mädchens, Bettina Proske, 41, boykottiert den Kontakt zwischen Vater und Kind. Nur jedes zweite Wochenende darf der TV-Star sein Töchterchen besuchen. Zu wenig, klagt der und fordert ein gleichberechtigtes Umgangsrecht für Elena. Um dieses Ziel durchzudrücken, geht er jetzt vor Gericht und tritt außerdem in den Hungerstreik. Gemeinsam mit den Männern des Vereins "Väteraufbruch für Kinder" will er vom 9. Juni bis zum 14. Juli in Berlin auf dem Breitscheidplatz demonstrieren - und hungern.

Da wird mit harten Bandagen gekämpft, um für ledige Väter mehr Rechte einzufordern. Darf man einem Kind den Vater wegnehmen? Die Mutter schweigt zu diesem Thema eisern - vielleicht mit gutem Grund ... Mathieu Carrière sagt: "Ich liebe meine Tochter und leide furchtbar darunter, sie so selten sehen zu dürfen. Auch meine Elena leidet. Sie fragt mich immer wieder: Papi, warum darf ich Dich nicht öfter sehen? Was soll ich nur antworten?"

Ein kleines Mädchen versteht die Welt nicht mehr. Längst hat es seine kindliche Unschuld verloren, weil es als Spielball seiner Eltern herhalten muss. Mutter und Vater scheinen mehr von Machtgedanken getrieben, als um das Wohl des gemeinsamen Kindes bemüht zu sein.

Vorbei: Bettina Proske verließ Mathieu Carrière vor zwei Jahren - und nahm die kleine Elena mit. Seitdem darf der Vater sein Kind nur noch ganz selten sehen