Amoklauf in Erfurt
Freitag 26.April 2002
Antwort aus dem Bundespräsidialamt
auf den offenen Brief von Karin Jäckel
an Bundespräsident Johannes Rau

Bundespräsidialamt

Briefanschrift:
Bundespräsidialamt
11010 Berlin,
Spreeweg 1
Internet: http://www.bundespraesident.de
E-Mail: poststelle@bpra.bund.de,
Telefon: (030) 2000 - 0
Telefax: (030) 2000 - 1999

Frau
Dr. Karin Jäckel
per E-mail

BERLIN, 27. Juni 2002

Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,

nach den schrecklichen Ereignissen von Erfurt haben dem Bundespräsidenten sehr viele Bürgerinnen und Bürger geschrieben und Entsetzen, Trauer und oft auch Kritik an Entwicklungen und Zuständen bekundet, die solche Gewalttaten wie in Erfurt vielleicht begünstigen. Der Bundespräsident hat einen großen Teil der Briefe gelesen, und es werden alle für ihn sorgfältig ausgewertet. Leider kann der Bundespräsident angesichts der Fülle der ihn täglich erreichenden Post nicht in allen Fällen persönlich beantworten. Haben Sie dafür bitte Verständnis.

Aus fast allen Briefen zu dem furchtbaren Geschehen von Erfurt spricht zugleich Dankbarkeit dafür, dass Menschen in ganz Deutschland der Toten gedacht und die Hinterbliebenen in ihrem Schmerz und ihrer Trauer nicht allein gelassen haben. Auch für den Bundespräsidenten liegt Trost in dieser - von Ihnen bekräftigten - Gemeinsamkeit. Haben Sie darum nochmals Dank für Ihre Zeilen.

Sie heben hervor, dass eine genaue Analyse sehr wohl ermitteln könne, welche Motive der Täter für seine Tat hatte und was ihn dazu trieb. Ich sehe darin nicht unbedingt einen Widerspruch zu den Ausführungen des Bundespräsidenten, denn er sprach eher vor dem Horizont der psychologischen Laien, für die die Tat vielleicht wissenschaftlich erklärlich, am Ende aber doch unverstehbar abgründig bleibt – wobei ich für diese Vermutung über das Laienverständnis von mir selbst auf die Allgemeinheit schließe, was gewiss nur sehr begrenzt zulässig ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Hans-Jürgen Wolff