Schöne Advents- und Weihnachtsgeschichten

Wo der Nikolaus wohnt

Natürlich meinst du, der Nikolaus wohne auf einem besonders großen, hellen Stern im Weihnachtshimmel. Und damit hast du ja auch recht.

Seit der Nikolaus die Aufgabe bekommen hat, an seinem Namenstag alle Kinder zu besuchen und denen, die das ganze Jahr über meistens brav gewesen sind, ein Geschenk zu bringen, wohnt er direkt neben dem Weihnachtsmann und benutzt gemeinsam mit ihm die große Himmelswerkstatt.

Die beiden Alten mögen sich gern leiden und sind die besten Freunde. Ja, im Sommer machen sie sogar zusammen Urlaub auf der Wolke sieben, die zu dieser Jahreszeit fast immer irgendwo über den Südseeinseln steht, wo es herrlich warm ist. Da könntest du sie dann in ihren Badehosen in der Sonne faulenzen oder über den Wolkenhimmel surfen sehen, daß die langen Nikolaus- und Weihnachtsmannbärte nur so im Wind flattern.

Dies alles ist sicher nichts Neues für dich. Aber hast du auch gewußt, daß der Nikolaus neuerdings zusätzlich einen festen Wohnsitz auf der Erde hat ?

Ja, ja, es stimmt. Ganz nahe dem nördlichen Polarkreis, im Herzen Lapplands, nur acht Kilometer von der Hauptstadt Rovaniemi entfernt, steht das Nikolaushaus an einem Wasserfall, der fast das ganze Jahr über vereist ist.
So versteckt steht das Häuschen dort, daß sich bisher erst drei Menschen im tiefen Schnee zu ihm hinverirrt haben.
Wie staunten diese, als sie mit letzter Kraft an eine Tür pochten und plötzlich einem alten Herrn in einem roten Pelzmantel, einer prächtigen roten Pelzkappe und dicken Pelzstiefeln gegenüberstanden.
Es war der Nikolaus höchstpersönlich.
"Kommt nur herein !"
brummte er freundlich unter seinem dicken weißen Bart hervor und ließ die drei Lappen in die warme Stube.

Gleich legten ein paar freundliche Wichtel Feuerholz im offenen Kamin nach und schöpften Punsch aus einem dampfenden Kessel über dem Herd.
Da konnten die durchgefrorenen Lappen ihre erstarrten Füße und Hände an einem gemütlichen Kaminfeuer wärmen, heißen Glühwein trinken und sich nach Herzenslust an den köstlichsten Weihnachtsbäckereien, Nüssen und Äpfeln sattessen.

Als die drei Lappen sich ein wenig erholt hatten, zeigte der Nikolaus ihnen voller Stolz seine Werkstätten.
In der einen wurde Glas geblasen, so daß neben den wunderbarsten Geschenkartikeln auch Tannenbaumkugeln und Tannenbaumspitzen und funkelnde Kristallsterne und gläserne Weihnachtsengelchen entstanden. In einer anderen Werkstatt waren die Töpfer fleißig.
In wieder einer anderen werkelten die Holzschnitzer zusammen mit den Strohsternflechtern und Krippenbauern.
In der am köstlichsten duftenden Werkstatt aber waren die Weihnachtsbäcker und die Süßigkeitenhersteller beschäftigt.
Die drei Lappen brachten vor Staunen und Bewunderung nur immer wieder ein "Oh !" und " Ah !" heraus.

Als der Nikolaus seine Führung beendet hatte, ließ er seinen eigenen Rentierschlitten kommen.
Dann lud er die drei Lappen auf die Rückbank ein, auf der er sonst seine Geschenksäcke stapelt, deckte ihnen seine eigene warme Felldecke über die Knie und fuhr los.
Eine krächzende Rabenschar flog ihnen voraus und zeigte ihnen den richtigen Weg durch den Schnee, bis die drei Lappen die Dächer und die qualmenden Schornsteine ihres Heimatortes zwischen den tief verschneiten Hügeln auftauchen sahen.
Nun hielt der Nikolaus seinen Schlitten an und ließ die drei Lappen aussteigen.
Dankbar schüttelten sie ihm die Hände und winkten ihm so lange nach, bis sie nicht das kleinste Zipfelchen Rot mehr sehen und auch den hellen Klang der Rentierglocken nicht mehr hören konnten.
Die Raben waren zuerst verschwunden und schon verwehte der Wind die Schlittenspuren.
Hätte nicht jeder der drei Lappen eine dicke Tüte voll der köstlichsten Weihnachtsleckerei im Arm getragen, hätten sie geglaubt, alles nur geträumt zu haben.

Aber sie hatten nicht geträumt.
Alles hatte sich wirklich so zugetragen.
Ja, als sie die Tüten ausschütteten und ihren Kindern etwas von den Nikolausplätzchen schenkten, entdeckten diese zuunterst einen Streifen Papier mit einer Adresse.
Laut lasen sie diese vor :
Nikolaus in Santa Claus-Village, SF - 96 200 Rovaniemi.
Die Eltern wollten es kaum glauben, aber die Kinder wußten ganz sicher, daß dies tatsächlich die Anschrift des Nikolaus war.
Auf der Stelle setzten sie sich an ihren Schreibtisch und schrieben dem Nikolaus einen Brief.
Und alle ihre Freunde und Freundinnen, denen sie die Adresse weitersagten ,schrieben ihm auch.

Wenn du möchtest, kannst du es ja auch einmal versuchen.
Du darfst nur nicht zu ungeduldig auf eine Antwort warten.
Im letzten Jahr erhielt der Nikolaus nämlich genau 173 033 Briefe.
Und weil er diese immer nur im Sommer beantworten kann, wenn er Urlaub hat, kann es mit einer Antwort schon etwas dauern.
Vor allem, weil der Nikolaus im Urlaub ja manchmal auch noch mit dem Weihnachtsmann surfen möchte.