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Traumhafte Leselöwen Geschichten |
Platz zum Schlafen gesucht |
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Es war am ersten Urlaubstag. Dieses Jahr waren Florian, seine Mutter und eine Freundin zu dritt in den Urlaub gefahren. Florian stand allein in dem Hotelzimmer, das er mit seiner Mutter teilte. Es war ein großes, helles Zimmer mit Bad. An einer Wand stand ein Doppelbett, an einer anderen eine gemütliche Eckbank mit Tisch. Auch ein Schrank mit vielen Fächern gehörte dazu. Den wollte Florians Mutter noch einräumen. Aber erst am nächsten Tag. Gleich nach der Ankunft hatte sie nämlich mit Florian und Babsi, ihrer Freundin, eine Wanderung über die Weinberge zu einer Burgruine unternommen, die über ihrem Urlaubs ort Oberkirch aus den Schwarzwaldtannen schaute. Für ein Stadtkind aus Hannover, wo die Welt so eben ist, dass man heute schon sieht, wer morgen zu Besuch kommt, ist eine solche Wanderung ganz schön anstrengend. Und dann hatte Florians Mutter auch noch die Strecke unterschätzt. Deshalb waren sie auch erst spät ins Hotel zurückgekommen, gerade noch rechtzeitig zum Abendessen. Sie hatten sich nicht einmal mehr duschen können. Florian war es am Tisch schnell langweilig geworden, und er war bald nach oben gegangen, während seine Mutter und Babsi noch´ ein Stündchen in der Gaststube bleiben wollten. "Ich bin doch schon groß", hatte Florian gesagt. "Ich kann allein ins Bett gehen. Das macht mir gar nichts aus." "Prima!", hatte seine Mutter gesagt. "Und morgen unternehmen wir wieder was Schönes." Im Zimmer war es jetzt auf einmal sehr still. Die blanken Griffknöpfe der Schranktür schienen Florian wie Stielaugen anzustarren. „Blödsinn!", sagte er laut zu sich selbst und sprang mit Juchhu ins Bett. Die Matratze wippte wie ein Trampolin. „Sprung-Sprung-Bombe!", schrie Florian. Dabei hüpfte er auf und ab und ließ sich zum Schluss mit Schwung auf den Po plumpsen. Das machte Spaß. Aber er war wirklich zu müde. Noch ein letzter Sprung, dann löschte Florian das Licht und drehte sich auf seine Einschlafseite. Behaglich knuddelte er das Kopfkissen zurecht und schloss die Augen. Seine Beine wurden schwer, und seine Arme mochten sich nicht mehr bewegen. Alles war weich und warm. Aber irgendwie war das Kopfkissen komisch. Es knisterte und pikte, und es kratzte. Es ließ sich auch nicht richtig in die kleine Kuhle unter dem Kinn drücken. Und es roch. Aber nicht nach frischer Wäsche oder Lavendelbeutelchen wie zu Hause. Es roch anders. Aber wie? Florian bohrte die Nase hinein und schnupperte: Zigaretten! Mit einem Ruck setzte er sich auf. In diesem Bett hatte jemand geschlafen, der rauchte. Ein Mann mit einer dicken Zigarre vielleicht. Oder eine Frau mit einer langen, superdünnen Zigarettenspitze wie im Film. Und wer weiß, wer noch alles darin geschlafen hatte? Nein, in so einem Bett wollte Florian nicht liegen. Mit beiden Füßen zugleich sprang er heraus. Es war kühl, nur im Schlafanzug, mit nackten Beinen. Aber zurück ins Bett? Unter die Decke, unter der vielleicht schon jemand mit Käsefüßen gelegen hatte? Nie und nimmer! Lieber wollte er auf der Eckbank schlafen. Wenn er die Beine anzog, war sie lang genug. Schnell wickelte Florian sich in seinen Bademantel und zog Mamas warme Gymnastiksocken über. Dann griff er nach seinem großen Plüschlöwen, der immer noch in der Reisetasche steckte, und legte sich auf die Bank. Der Löwe brummte, als Florians Kopf ihm auf den Bauch drückte, und legte Florian die Pfote um den Hals, als ob er ein lebendiges Tier wäre. „Bloß gut, dass ich dich mitgenommen habe!", sagte Florian und schloss die Augen. Der Löwe fühlte sich weich an. Er duftete nach Waschpulver, denn Mama hatte ihn extra noch in die Waschmaschine gesteckt, ehe sie losgefahren waren. Er pikte nicht und kratzte nicht. Er war auch kein bisschen komisch. Und Florian war müde, sogar sehr müde. Aber immer, wenn er gerade einnicken wollte, riss ihn irgendetwas wieder hoch. Die Bank war einfach zu schmal. Und außerdem war ihm die Rücken lehne ständig im Weg. Immer wenn sich Florian auf die rechte Seite drehte, stieß er sich den Kopf an. Wie sollte er einschlafen, wenn er ständig Angst haben musste, aus dem Bett - nein - von der Bank zu fallen? Vor Müdigkeit waren Florians Augen fastzugeklebt. Seine Beine wackelten. Seine Arme hatten keine Kraft mehr. Aber trotzdem schaffte er es irgendwie,einen von Mamas Koffern ins Bad zu zerren, die Kleider in die Badewanne auszuleeren und in die Wanne hineinzusteigen. Ein bisschen mit dem Po geruckt, ein bisschen mit den Füßen gezuckt. Jetzt noch den Löwen unter den Kopf, etwas Weiches, Warmes, Kuschliges über sich gelegt und Augen zu und schlafen. War das gut! Irgendwann spät drehte sich leise ein Schlüssel im Schloss. Barfuß, die Schuhe in der Hand, huschte Florians Mutter ins Zimmer. Ohne das Licht anzuknipsen zog sie sich aus und schlich ins Bad. Nach dem anstrengenden Tag wollte sie noch schnell ein Fußbad nehmen. Sie drehte den Wasserhahn auf, den sie im Dunkeln mit den Händen ertastet hatte. In diesem Moment kreischte es „Aaah!", und ein katzpatschnasser Florian fuhr der Mutter ins Gesicht und riss sie holterdipolter in die Badewanne. Er krallte sich fest, fühlte sich an wie ein wilder Wassermann und schrie: „Mama!" "Florian!", rief die Mutter. Und dann knipste sie erst einmal das Licht an. War das eine Bescherung! Sommerkleider, Blusen, Pullis, Strümpfe, Jeans und Unterhosen: Die ganze Urlaubsgarderobe lag zerknittert und zerdrückt unter dem sprudelnden Badewannenhahn. Und dazwischen Florian mit einer Ringelsocke um den Hals und einer Unter hose auf dem Kopf. Das sah so komisch aus, dass die Mutter sich kein bisschen ärgern konnte, sondern herzhaft lachen musste. Und Florian lachte ganz laut mit. |
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