copyright by http://www.karin-jaeckel-autorin.de |
Schmökerbären Weihnachtsgeschichten |
Die drei Königinnen |
|
Als die drei weisen Könige aus dem Morgenland nach Bethlehem reisen wollten, baten ihre Frauen: „Nimm mich doch mit!" Doch die Könige schüttelten den Kopf. „Das geht nicht", sagten sie. „Frauen können nun einmal nicht, was Männer können." Und damit brachen sie auf. Die Königinnen saßen allein an der herrschaftlichen Tafel und hatten keine Lust zu essen. Sie hatten auch keine Lust allein durch den königlichen Park zu spazieren oder Feste zu feiern. Sie dachten nur nach. Und eines Tages riefen sie den Haushofmeister und sprachen: „Ich will meinem König folgen und den neugeborenen Herrn des Himmels und der Erde ehren. Es ist nicht einzusehen, warum dies nur Sache der Männer sein soll, da ihn doch eine Frau geboren hat. Lass also meine Kutsche anspannen, die Koffer packen und das Kostbarste in Geschenkpapier einwickeln, das in unserer Schatzkammer ist." Sofort ließ der Haushofmeister in Asien die weiße Kutsche mit acht Schimmeln anspannen, der in Afrika die schwarze mit acht Rappen und der in Europa die goldene mit acht Braunen. "Es sind hoffentlich die schnellsten Pferde im Reich", sagten die Königinnen und reisten fort. Sie waren noch nicht weit gekommen, da hatte sich das Gerücht von den großen Reichtümern in der Kutsche schon bei allen Räubern und Strauchdieben herumgesprochen. Als die Königin von Asien durch eine Schlucht schwarzer Tannen fuhr, trat ihr plötzlich ein Räuberhauptmann mit sieben Spießgesellen in den Weg. Er stahl ihren Schmuck, spannte ihre Pferde aus und wollte die Königin zuletzt in ihrer eigenen Kutsche gefangen nehmen. Schon hatte er seine schmutzige Pranke nach ihr ausgestreckt, da rief die Königin: „Rette mich, mächtiger König in
Bethlehem!" Die Kutsche der Königin von Europa wurde an einem See überfallen, als der Kutscher die Pferde zur Tränke geführt hatte.
"Du sollst uns ein schönes Lösegeld einbringen, edle Frau!", schrie der Räuberhauptmann und griff nach dem Kästchen mit dem Geschenk für das Kind Gottes. In ihrer Angst faltete die Königin die Hände und rief: „Hilf mir, neugeborener König des Himmels!" Nur die Königin aus Afrika hatte zu Hause schon so eine Ahnung gehabt, als könne ihr unterwegs unwillkommener Besuch begegnen. Darum hatte sie ihre Puderdose, die sie immer bei sich führte, mit feinstem Pfeffer gefüllt. Die drei Königinnen fuhren und fuhren. Kein Radbruch, kein Unwetter hielt sie auf. Und wenn sie einmal Angst bekamen, machte der Stern des neugeborenen Königs ihnen wieder Mut. Sogar die sechzehn gefangenen Räuber bereiteten ihnen keine Schwierigkeiten mehr, sondern hatten genug zu tun, die Blasen an ihren Fersen und die Löcher in den Schuhsohlen zu zählen. So erreichten sie endlich alle Bethlehem. "Was sucht ihr?", lachten die Leute, "einen Stall, in dem ein König geboren wurde? Gibt es hier nicht." Traurig wollten die Königinnen Weiterreisen, da lief ein Mann vorüber, der jammerte: "Wenn mir doch einer helfen wollte, mein Haus zu bauen!
Ich wollte ihm dafür den Weg zum neugeborenen König zeigen." In einer Woche war das Haus fertig, nur das Dach fehlte noch. "Nun", sagte der Mann, "die halbe Antwort für die halbe Arbeit", und wollte der Königin von Asien den Weg zu den Hirten auf dem Feld zeigen. "Halt", mischte sich rasch die Königin von Europa ein, die inzwischen auch eingetroffen war. "Ich habe noch ein paar Helfer anzubieten." "So weit, so gut", sagte der Mann, "aber es fehlen ja noch Fenster und Türen und ein Garten wäre auch nicht schlecht. Vorher kann ich keine Auskunft geben." "Oho!", rief die Königin von Afrika. "Aber nicht mit mir, guter Mann!" Und dann blies sie ihm die letzte Prise Pfeffer aus ihrer Puderdose ins Gesicht.
Davon musste er so entsetzlich schnaufen und weinen, dass er sein letztes Sekündlein für gekommen hielt. Rasch, denn die Königinnen waren ihm unheimlich, stieg er über Berg und Tal voran und die Räuber kletterten freiwillig mit. „Da ist es!" Der Mann blieb stehen und zeigte auf ein verfallenes Gemäuer, das sich in eine Felsnische duckte. Die Räuber schüttelten die Köpfe, die Königinnen aber glaubten dem Mann sofort, denn der Stern warf einen Schein wie flüssiges Gold über die Hütte. Ehrfürchtig öffneten die Königinnen die Tür und knieten vordem göttlichen Kind nieder. So schmutzig und staubig waren sie von der weiten Reise, dass nicht einmal ihre Könige sie erkannten. "Frauen vollbringen ja doch, was so mancher Mann nicht geschafft hätte", murmelten sie untereinander und nickten den Königinnen anerkennend zu. Das Kind in der Krippe aber lächelte, als die drei Königinnen sich herabbeugten um seine Füße zu küssen. Und die sechzehn Räuber schworen, es habe höchst verschmitzt dabei ausgesehen. |
|
|