Elternkummer

Diese Lehrerin macht mein Kind kaputt

Antwort von Karin Jäckel

19. Juni  2004

Kein Pardon für mobbende Lehrkörper

Liebe Frau S.,

leider sind die Erfahrungen Ihrer Tochter kein Einzelschicksal.

Ich kann Ihnen, auch aus eigener Schulerfahrung mit meinen drei Kindern, nur den einen großen Rat geben: Kein Pardon für mobbende Lehrkörper! Kinder sind keine Blitzableiter für Möchtegern-Pädagog/innen. Und wenn nicht wir als Eltern dagegen aufstehen, dass pädagogisch unfähige, ihre Beamten-Unkündbarkeit machtmissbrächlich zum Schaden der ihnen anvertrauten Kinder ausnutzende Lehrkräfte unseren Kindern die Lebensfreude, die Lernwilligkeit und das Selbstvertrauen aberziehen, - wer dann?

Gehen Sie mit Ihrem Problem bis zum Kultusministerium, wenn Sie auf den unteren Etagen kein Gehör finden. Sie können dort mit entsprechender Hartnäckigkeit jederzeit einen persönlichen Gesprächstermin erwirken und Ihr Anliegen vorbringen.

Schreiben Sie spätestens ab jetzt Dienstaufsichtsbeschwerden mit Kopie an das Schulamt und an das Kultusministerium. Schildern Sie den jweiligen Vorfall darin möglichst genau und erheben Sie eine konkrete Forderung nach Veränderung zum Wohle Ihrer Tochter.

Auch wenn diese Dienstaufsichtsbeschwerden aus juristischer Sicht unter die "drei großen F" für "fristlos, formlos, fruchtlos" fallen, müssen sie sowohl von der Schulleitung als auch im Schulamt bearbeitet und ihnen schriftlich beantwortet werden. Immer muss auch die betreffende Lehrkraft um eine Stellungnahme befragt werden.

Sollten die erhaltenen Antworten Sie nicht zufrieden stellen bzw. der beklagte Missstand anhalten, erneuern Sie Ihre Dienstaufsichtsbeschwerde unsd schicken Sie Ihre Beschwerde mit einem entsprechenden Anschreiben an das Kultusministerium. Schreiben Sie hinein, dass Ihnen die Schulleitung über ihre freundlichschaftlichen Beziehungen zum Kultusministerium berichtete, sie aber davon ausgehen, dass man Ihr Anliegen dennoch ernsthaft bearbeiten werde.

Wenden Sie sich auch an den Landeselternbeirat und fragen Sie, welche Hilfsmöglichkeiten dieser anzubieten hat.

Wenn Ihre Tochter wegen des Mobbings an der Schule so stark belastet ist, dass sie Schulängste bekommt, führt dies zu einer psychischen Erkrankung, die man sehr ernst nehmen muss.

Lassen Sie sich diese Belastung durch den Kinderarzt oder besser noch durch einen Kinderpsychologen attestieren  und nehmen Sie für Ihre Tochter eine psychologische Verhaltenstherapie oder Spieltherapie in Anspruch. Diese bewirkt, dass Ihre Tochter Mechanismen entwickelt, mit denen sie ihr angeschlagenes Selbstwertgefühl stabilisiert und sich vor erneutem Mobbing besser schützen lernt.

Bitten Sie die therapeutische Fachkraft, das Gespräch mit der Schulleuitung und der betreffenden Lehrkraft zu suchen, um gemeinsam das Beste für Ihre Tochter zu erreichen. Sollte sowohl die Schulleitung als auch die Lehrkraft dies ablehnen, haben Sie einen erneuten Anlass zum Protest bei den zuständigen Behörden.

Fügen Sie das entsprechende Attest Ihrer Dienstaufsichtsbeschwerde bei und verlangen Sie, dass das Wohl Ihres Kindes an der Schule geschützt wird, indem die mobbende Lehrkraft und die mobbenden Mitschüler/innen eine entsprechende Abmahnung erhalten und/oder Ihre Tochter eine andere Lehrkraft.
Letztlich kann es Ihrem Kind widerfahren, dass die mobbende Lehrkraft die schulischen Leistungen drückt oder nicht ausreichend fördert, dadurch die Neigung zur Leistungsverweigerung bewirkt, welche schlechte Noten nach sich ziehen würde, schließlich eine ungünstige Schulempfehlung ergäbe und somit Ihre Tochter lebenslang schädigt.

Es hat wirklich keinen Sinn, vor derartigen Problem davon zu laufen, denn es wird immer wieder, an jeder Schule, mindestens eine Lehrkraft geben, welche ähnliche Verhaltensmuster an den Tag legt wie diejenige, die ihrer Tochter das Leben schwer macht. Ihre Tochter muss daher Strategien entwickeln, um weder an derartigen "Paukern", noch an deren Lieblingsschüler/innen zu scheitern, welche sich meist - und oft auch zutreffend - einbilden, im Schutz der Lehrkraft quasi unantastbar zu sein und sich bei dieser mit Hilfe des Mobbings einzuschmeicheln.

Wichtig ist, dass Sie als Eltern Ihrer Tochter in diesem harten Lernprozess nachdrücklich und unverbrüchlich zur Seite stehen. Geben sie ihr auch weiterhin das sichere Gefühl, sich Ihnen jederzeit anvertrauen und auf Ihre solidarische Hilfe zählen zu können.

Zusätzlich rate ich Ihnen zu einem Selbstverteidigungskurs für Ihre Tochter. Dies kann auch Takewandoe oder Kickboxen oder Karate oder Judo sein. Diergleichen ist nicht nur ein körperliches Ertüchtigungsprogramm, sondern stärkt nachhaltig das Selbstvertrauen in die eigene Kraft. Überdies wird es Ihre Tochter mit anderen Mädchen und Jungen bekannt machen, unter denen sie vielleicht Freundinnen und Freunde findet, so dass es ihr weniger ausmachen wird, ob sie an der Schule beliebt ist oder nicht.

Auch ein mehrwöchiger Kuraufenthalt könnte Ihrer Tochter etwas Abstand zur derzeitigen Schulproblematik bringen und helfen.

Die "ultima ratio" ist ein Gang zum Verwaltungsgericht, um gegen die betreffende Lehrkraft wegen Verletzung des Kindeswohls zu klagen. Lassen Sie sich in diesem Fall von einem Verwaltungsrechtler beraten, welcher sich im Schulrecht auskennt. Leider sind die Chancen eher gering, wenn man der Lehrkraft keine fachlichen Fehler und keine Schädigung des Kindeswohls nachweisen kann. Eine anwaltliche Beratung ist aber meines Erachtens in jedem Fall zu empfehlen, weil man selbst meist nicht abschätzen kann, ob man eine Chance hätte.

Nicht zuletzt rate ich Ihnen, sich mit Ihren Bekannten aus dem Dorf zu beraten, was getan werden könnte, um Ihrer Tochter zu helfen. Wenn Sie selbst einen guten Draht zu den Mitbewohnerinnen haben, wird Ihnen gemeinsam vielleicht eine Lösung einfallen. Zumal dann, wenn auch andwere ELtern und Kinder an dieser Schule und mit dieser der Schulleitung eng verbundenen Lehrkraft Schwierigkeiten haben. Gemeinsam ist man immer stärker.

Der schulische Eid, den Sie auf meiner Webseite gefunden haben, sollte in der Tat zum Credo einer jeden Lehrkraft werden.

Wir hätten allerdings weitaus mehr für unsere Kinder gewonnen, wenn es vor jedem Lehramtstudium sowohl an der pädagogischen Hochschule als auch an der Universität einen psychologischen Eignungstest gäbe.

Und wenn praktizierende Lehrkräfte jedes Jahr ebenfalls einen solchen Test sowie einen Leistungstest absolvieren und nur dann weiter unterrichten dürften, wenn sie positive Ergebnisse erzielen.  Die Abschaffung des Beamtenstatus' mit seinem Unkündbarkeitsbonus würde ein Übriges tun, um die Spreu vom Weizen zu trennen und jüngere, weit besser ausgebildete und noch nicht gefrustete Lehrkräfte an die Schulen zu bringen.

Auf diese Weise würden von vorn herein und auch später diejenigen ausgesiebt, welche als Lehrkraft ungeeignet sind, weil sie den Beruf nicht wegen der Kinder, sondern wegen der langen Ferien, des sicheren Beamtenstatus' und der - zumal an der Grundschule - geringen Arbeitsbelastung auswählen und/oder Fortbildungen benötigen.

Kämen dann auch noch von Anfang an in jedem Semester pädagogische Praxiswochen hinzu, welche mit einer positiven Bewertung zum Abschlussexamen gewertet werden müssten, - und für Lehrkräfte aller Schulklassen das Muss zu alljährlichen Fortbildungen mit benoteten Leistungsnachweisen, würde Schule weit weniger Kindern das Leben schwer machen oder gar die Zukunft versauen als bisher.

Aber dafür müsste "der Staat" ja tatsächlich richtig viel Geld für Kinder und Schulbildung ausgeben, müsste das Beamtentum der Lehrkörper abgeschafft  werden, obwohl die Polit-Elite, die darüber entscheidet, mehrheitlich auch mal Lehrinnen und Lehrer war und immer noch selbst beamtet sind, - das allein sind schon zwei Hürden, die in Deutschland kaum genommen werden. Zum Nachteil unserer Kinder. Aber was zählen in diesem Land schon Familien und Kinder?

Übrigens: Ich selbst bin keine Lehrerin.

Alles Gute für Sie und Ihr Kind
wünscht Ihnen

Karin Jäckel