Der Fall Gebara
Schwere Vorwürfe an die Jugendämter.
Dreifache Mutter im Fokus.
SCHERMBECK. Joumana Gebara ist verzweifelt. Am 20. Dezember soll das Weseler Amtsgericht darüber entscheiden, ob ihre Söhne John-Marc (6) und Jean-Pierre (7) weiterhin bei ihr leben dürfen. Joumana Gebara fühlt sich als Spielball der Justiz und erhält beim Kampf um ihre Kinder viel Unterstützung. Im Internet-Forum "Kinder haben ein Recht auf Vater und Mutter" ist gar die Rede von "geklaut im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland".
Gebaras Anwalt, Thomas Heiske aus Schermbeck, im September als FDP-Bürgermeisterkandidat gescheitert, gibt sich kämpferisch. Er ist zwar nicht der direkte Urheber, schließt sich folgendem Vorwurf aber an, der in die Kategorie "harter Stoff" gehört: In Deutschland sorgten Jugendämter immer öfter dafür, dass Eltern, die sich in Notsituationen befinden, das Sorgerecht entzogen würde. Deren Kinder würden dann Pflegefamilien zugeteilt, die sich in Wartestellung befänden. Das sagt Knut W. Schlanert, freier Journalist aus Berlin und aktiv im Bereich Eltern-Netzwerke, im Gespräch mit der NRZ.
Heiske drückt sich so aus: "Mir sind Fälle bekannt, da stehen den Pflegefamilien die paar hundert Euro pro Kind gut zu Gesicht." Vetternwirtschaft in den Ämtern? Staatliches Sponsoring gut bürgerlicher Schichten? Fragen und Behauptuingen, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftauchen.
Wie die Dinge im Fall Joumana Gebara liegen, muss letztendlich das Gericht klären. Fakt ist bislang: Die gebürtige Italienerin lebte mit ihren drei Kindern, den zwei Söhnen und der bereits jugendlichen Tochter Jade allein erziehend in Schermbeck. Die drei Kinder haben verschiedene Väter. Gebara ist gebildet, spricht mehrere Sprachen und bekam nach kurzer Arbeitslosigkeit ein Jobangebot in Bozen (Südtirol). Um vor Ort eine geräumige Wohnung für sich und ihre Kinder zu suchen, musste sie für drei Wochen nach Bozen, konnte aber die Kinder nicht mitnehmen.
Dann trennen sich die Ansichten. Laut Heiske habe Joumana Gebara die Kinder für diese Zeit in Absprache mit dem Kreisjugendamt bei einer vertrauten Tagespflegemutter untergebracht. Während ihrer Abwesenheit habe das Jugendamt die Jungen auf Drängen der beiden Väter anderweitig untergebracht. Zu Unrecht, wie Heiske empfindet. "Das Jugendamt wusste doch, dass Frau Gebara für kurze Zeit nach Bozen muss. Jetzt wird so argumentiert, sie habe die Kinder einfach allein gelassen."
Stichtag 20. Dezember
Für das Kreis-Jugendamt liegen die Dinge grundlegend anders. Pressesprecher Gerhard Patzelt sagt: "Frau Gebara hat ihre Abwesenheit nicht mit uns abgestimmt, was sie ja auch nicht muss, weil sie die Betreuung selbst organisiert hat. Die Tagespflegemutter selbst ist auf uns zugekommen. Sie brauchte Hilfe." Vor Ort habe man unhaltbare Wohnumstände festgestellt. Und die Väter der Jungen hätten jetzt das alleinige Sorgerecht beantragt.
Stichtag bleibt der 20. Dezember. Joumana Gebara hofft in der Ferne, ihre Tochter Jade ist bei ihr in Bozen. Gebara musste mittlerweile den Job antreten, um sich und ihren Kindern die Option auf ein Leben in Südtirol zu bewahren.
MICHAEL PASSON
|