Elternkummer

Eine Mutter klagt an

Joumana Gebara

22. Dezember  2004

Karin Jäckel:
An Bundesministerin Renate Schmidt:
Weg frei für Kinderbetreuung

Sehr geehrte Frau Bundesfamilienministerin Renate Schmidt,

Ihre Pressemitteilung zur Förderung des Ausbaus der Kinderbetreuung habe ich erhalten und begrüße Ihre Initiative, welche Eltern in ihrem Bemühen unterstützt, sowohl den Lebensunterhalt ihrer Familie zu finanzieren, als auch ihren Kindern gerecht zu werden.

Umso bestürzter bin ich über die Entscheidung des Kreisjugendamtes Wesel, einer dreifachen allein erziehenden Mutter ihre Kinder wegzunehmen, während sie mit Wissen und finanzieller Hilfe des Arbeits- und eben dieses Jugendamtes nach Italien (Bozen in Südtirol) reiste, um einen Arbeitsvertrag als Geschäftsführerin zu unterzeichnen und eine passende Wohnung für ihre Familie zu finden.

Die Wohnungssuche der Mutter wurde von dem betreffenden Jugendamt für drei Wochen durch die Bezahlung einer Tagesmutter mitgetragen.

Dennoch griff dieses Jugendamt zu, als die Tagesmutter nach drei Tagen fälschlich behauptete, die Mutter habe ihre Kinder im Stich gelassen und komme nicht wieder - und obwohl die Mutter dem Jugendamt auch telefonisch nochmals versichert hatte, die Kinder nie verlassen zu haben, sondern, wie mit dem Jugendamt schriftlich vereinbart, diese in wenigen Tagen zu sich nach Italien abholen zu wollen.

Als die Mutter über eine Woche vor Ablauf der vom Jugendamt finanzierten Wochen nach Hause kam, waren ihre Kinder verschwunden.

Zur Begründung des Kindesentzugs gab das Jugendamt an, die Mutter habe ihre Kinder vernachlässigt und im Stich gelassen.

Bis heute weiß die Mutter nicht, wo sich der ältere ( sieben Jahre) ihrer beiden kleinen Söhne aufhält, den das Jugendamt mit Billigung des ebenfalls sorgeberechtigten Vaters, der das Kind nicht bei sich haben will, in eine Pflegefamilie verschoben hat.

Die gesamte Geschichte inklusive Presseerklärung des die Mutter vertretenden Rechtsanwalts ist nachzulesen auf meiner Webseite http://www.karin-jaeckel.de, unter "Elternkummer" und dort unter "Jugendamt"

Für mich wirft dieser "Fall" weit mehr auf als ein tragisches Einzelschicksal, über welches Familienrichter zu entscheiden haben werden.

Hier geht es nämlich um etwas Grundsätzliches. Und zwar um die Gefahr, in die Mütter geraten, die ihre Kinder betreuen lassen, um erwerbstätig zu sein und den Lebensunterhalt ihrer Familie zu sichern.

Wenn es einer Behörde oder Institution wie dem Jugendamt erlaubt ist, Kinder aus ihrer Familie zu zerren, weil Jugendamtsmitarbeiter der Mutter unterstellen, sie arbeite zu viel und lege mehr Wert auf materielle Sicherheit als darauf, für ihre Kinder persönlich "präsent" zu sein, muss jede Frau und Mutter davor gewarnt werden, erwerbstätig zu sein!

Ich appellieren an Sie als Bundesfamilienministerin, sich in diesen Fall einzuklinken und sicher zu stellen, dass wir als Frauen und Mütter nicht wieder vor der Wahl stehen: Arbeit oder Kinder.

In Erwartung Ihrer wirksamen Einmischung als Politikerin
grüßt Sie

Karin Jäckel

Dr. phil. Karin Jäckel
Autorin und Journalistin
http://www.karin-jaeckel.de
http://www.karin-jaeckel-autorin.de

BMFSFJ Internetredaktion:
Pressemitteilung Nr. 309/2004, Veröffentlicht am 18.12.2004
Thema: Kinder und Jugend
Bundesministerin Renate Schmidt:
Weg frei für den Ausbau der Kinderbetreuung