Elternkummer

800 Kilometer für zwei Stunden
Vater-Glück

Georg

10. Januar  2005

Hallo, Georg,

die Zeit eilt; und ich komme erst jetzt dazu, Ihnen auf Ihre drei E-Mails zu antworten, von denen eine nur eine Anrede und eine weitere einen Hinweis auf eine nicht genannte Webseite, aber keine einen Tagebuch-Anhang enthielt.

Ihre Webseite habe ich mir inzwischen angeschaut und diesen Kommentar ins Gästebuch eiungetragen: "Viele ausdrucksvolle Photos, nachdenkliche Statements zum Vatersein und Elternbleiben - ich hab hier gern geschaut und gelesen."

Nun aber zu Ihrer Nachricht "800 Kilometer für zwei Stunden".

Es beweist schon eine sehr spezielle Qualität der Charakterstärke, einem Menschen, den man immerhin mal so sehr geliebt hat, dass aus diesem Gefühl heraus ein gemeinsames Kind gezeugt wurde, das Existenzrecht im Leben dieses Kindes nehmen zu wollen.

Und es spricht für die Verachtung, welche man sich selbst entgegenbringt, wenn man die eigene Lebenszeit mit dem einst geliebten Menschen so spurenlos auslöschen will, dass man selbst seinen Lebensanteil an gemeinsamen Kindern verleugnen und verweigern muss.

Ein Kind zu lieben, heißt, in diesem Kind auch den Vater und die Mutter zu lieben, denn ein Kind ist die Inkarnation der Liebe seiner beiden Elternteile.

Wer ein Kind als "nur mein Kind" begreift und behandelt und dessen zweiten Elternteil  ausgrenzt, als gebe es ihn nicht, liebt das Kind als Klon des eigenen Egos und folglich einzig sich selbst.

Die einzige berechtigte Ausnahme, einem Kind einen oder beide Elternteile zu nehmen, ist in nachweislich schwerer elterlicher Gewalt begründet. Denn auch die Menschenwürde von Kindern ist unantastbar. Von Anfang an.

In Ihrem Trennungskummer haben Sie und Ihre Tochter insofern Glück, als der über den Rechten Ihres Kindes wachende Richter seine Aufgabe und Verantwortung zum Schutz des Kindes mit Blick auf beide Elternteile wahrnimmt und keinen von beiden aus der elterlichen Verantwortung entlässt. Tausende Elternteile und Kinder wünschen sich dieses Glück leider vergeblich.

Karin