Elternkummer

Demütigung meines Enkelsohnes

Antwort von Karin Jäckel

17. November 2004

Selbstbewusstsein stärken

Hallo, Harry,
Hauptzustände gegen eine solche Behandlung ihres Sohnes ist die Mutter, die seine Rechte zu schützen hat. Offenbar tut sie das nicht. Was für mich Fragen aufwirft.
Hat sie Angst vor dem Stiefvater? Mag sie den Sohn nicht sonderlich? Wo ist der leibliche Vater des Jungen? Warum mischt er sich nicht ein?

Sie selbst haben leider keine erzieherischen Rechte gegenüber dem Enkelkind, so dass Ihnen weitestgehend die Hände gebunden sind. Sie haben aber selbstverständlich eine zumindest moralische Fürsorgepflicht.

Insofern sollten Sie der Mutter ins Gewissen reden, damit sie dem Stiefvater des Jungen Grenzen setzt. Das ist ihre Pflicht. Und zwar auch dann, wenn sie sich selbst damit Ärger aussetzt.
Insbesondere auch, weil der Gesetzgeber seelische und körperliche Gewalt und Grausamkeit als Erziehungsmittel gegen Kinder/Jugendliche verbietet.

Außerdem haben Sie und auch der Junge selbst - am besten gemeinsam mit der Mutter - die Möglichkeit, zu einer Erziehungsberatungsstelle (Jugenamt, Caritas u.a. soziale Dienste) zu gehen und sich dort Rat und Hilfe zu holen.

Neben diesen eher offiziellen Möglichkeiten bleibt Ihnen die subtilere Methode, dem Jungen zum Beispiel den Besuch eines Selbstverteidigungskurses (Judo, Taekwondoo) zu ermöglichen und dadurch sein Selbstvertrauen zu stärken, so dass er sich vor zu erwartenden Handgreiflichkeiten des Stiefvaters weniger fürchten muss.

Damit meine ich nicht, dass er Praktiken erlernen sollte, dem Stiefvater "eins auf die Nuss zu geben". Ich rate jedoch dazu, damit er körperlich schnelle Reaktionen erlernt, so dass er sich rascher, vorbeugend ducken und geschickter aus dem Gefahrenfeld bewegen kann. Es wirkt außerdem im Ernstfall Wunder, wenn man als Jugendlicher einen handgreiflich gewordenen oder werdenden Erwachsenen mit einem schnellen Griff aufs Kreuz legen kann.

Nicht vergessen möchte ich jedoch, Sie anzuregen, mit dem Jungen über dessen eigenen Anteil am Ausrasten des Stiefvaters zu sprechen. Mit knapp 14 sind Jugendliche beiderlei Geschlechts selten Engel...

Pubertäres Verhalten kann durchaus provozierend wirken, und dass dies speziell erwachsene Männer zur Weißglut bringt, liegt am ururalten "Platzhirschgebaren", welches Tiere in der Wildbahn umgehen, indem sie den Alten möglichst nicht reizen ;->

Möglicherweise mögen sich Stiefvater und Stiefsohn nicht sonderlich, weil sie einer den anderen als Eindringling betrachten. Der Sohn deshalb, weil dieser "Typ" seinen Vater verdrängt hat. Der Stiefvater deshalb, weil ihn dieses "angeheiratete Kuckucksei" an den Ex-Mann und Konkurrenten erinnert. Bei beiden ginge es in diesem Fall um die Frau - nämlich die Mutter - und die Rangfolge in ihrer Gunst.

Sollten Sie zu dem Schluss kommen, dass hier der Hase im Pfeffer liegen könnte, wäre es sinnvoll, Sie würden Ihrem Enkel ins Gewissen reden, den Stiefvater weniger zu provozieren, sondern sich den "neuen" Spielregeln des Familienlebens besser anzupassen, indem er sein Zimmer in Ordnung hält, bei der in der Familie anfallenden Arbeit mithilft, seine schulischen Angelegenheit im grünen Bereich hält usw.

Ich hoffe, Sie können eine für den Jungen hilfreiche Lösung finden und müssen sich bald schon weniger Sorgen um ihn machen.

Falls Sie zum Kreis der ausgegrenzten Großeltern gehören, finden Sie in der von Rita Bögershausen, einer betroffenen  Großmutter, gegründeten Selbsthilfegruppe der "Großelterninitiative" Gleichgesinnte und vielfältigen Rat. Sie finden eine Beschreibung der Gruppe auf meiner Webseite http://  www.karin-jaeckel.de, wenn Sie den Button "Hilfsangebote" anklicken und dort das Feld für Großeltern öffnen.

Herzliche Grüße,
Karin