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ElternkummerVom armen Vater - Ein Märchen? |
Geschrieben von der Mutter, die noch an Märchen glaubte |
28. Mai 2003 |
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Es war einmal ein Vater, der hatte sechs Kinder. Als die ersten Beiden, 2 u. 4 Jahre alt waren, zog er zu Hause aus, denn er hatte eine neue Frau gefunden, die war reicher, viel reicher, jünger ausserdem. Er gab seinen gut bezahlten Job auf, bekam mit ihr zwei weitere Kinder und lebte munter und fröhlich als Student im Reihenhaus der neuen Ehefrau. Unterhalt für die beiden Grossen vermochte der Vater als armer Student natürlich nicht zu bezahlen; das übernahm seine reiche Ehefrau für ihn. Doch am Ende des Studiums, als der arme Vater das meiste Geld seiner Frau für sich verbraten hatte, war auch die zweite Ehe am Ende. Welch ein Glück für den armen Vater, dass die verlassene Ehefrau trotzdem noch mehr Geld hatte als er selbst und für ihn Unterhalt bezahlen musste. So war sein Einkommen bis zur Abgabe der Diplomarbeit gesichert. Und da er deshalb keinen Job annehmen musste, blieb ihm Zeit genug für den Kampf ums gemeinsame Ferienhaus in Schweden. Unterhaltsforderungen, dazu die Arbeitslosigkeit - wer versteht da nicht das Bedürfnis des armen Vaters nach diesem Feriendomizil in Schweden?! Nach der Beendigung des Studiums und dem Erhalt des Diplom-Zeugnisses begann für den armen Vater die lange Zeit der Arbeitslosigkeit und Schwarzarbeit. Verständnis und Trost fand der arme Vater in den Armen der nächsten Frau. Doch diesmal hoffte er vergebens auf eine sorgenfreie Zukunft. Die Frau war schlau und hob ihn vorschnell vom Thron. Da war es aus mit dem Traum von der neuen Versorgungsehe. Nur gut, dass sich für den armen Vater schon bald Ersatz mit der über Jahrzehnte erprobten Masche fand: "Du bist die Frau meines Lebens, die grosse Liebe." "Tja, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute", dachte die dritte Ehefrau, die noch an Märchen glaubte. Doch leider war die Wirklichkeit anders, und so endete auch diese Eheliebe. Allerdings erst nach zwei weiteren Kindern. Nunmehr verblieb der arme Vater von sechs Kindern, einsam und allein, in
einem Sechs-Zimmer-Haus zurück. Frauen kamen und gingen, ebenso wie männliche Bewohner und Mieter. Das grosse Haus musste finanziert, der bequeme Lebenstil des armen Vaters abgesichert werden. Da blieb kein Geld für den Lebensunterhalt der Kinder. "Warum auch für etwas bezahlen, wovon man keinen Nutzen hat?", dachte sich der arme Vater und stellte alle Zahlungen für seine Kinder ein. Schließlich lebten sie bei den Müttern. Also sollten diese auch für sie aufkommen. Dummerweise sah das Gericht dies etwas anders. Und so war der arme Vater bald von Zahlungsaufforderungen und Gerichtsvollziehern umgeben, sah seine Existenz bedroht und suchte Rettung aus seiner Not. Die Mitgliedschaft in diversen Vätervereinen war die Lösung. Als Ehrenamt auf Aufwandsentschädigungsbasis deklariert, diente sie dem armen Vater einerseits perfekt dazu, steuerfreie Einkünfte zu erzielen, ohne seine Arbeitslosenhilfe zu gefährden. So galt er offiziell weiterhin als mittellos und konnte staatliche Unterstützung beanspruchen. Parallel dazu gab ihm diese Mitgliedschaft die Möglichkeit, bei Gericht die hohen Ausgaben aus dem Ehrenamt als angebliche Kosten zur Schaffung beruflicher Perspektiven geltend machen. Seiner Ansicht nach über 9 Jahre lang vergebens. Und natürlich konnte niemand von einem armen Vater mit Studium und Diplom, der jeden Cent in die Arbeitsplatzsuche investierte und dennoch nie eine Arbeitstelle fand, sondern in seinem großen eigenen Haus am Existenzminimum lebte, Kindesunterhalt verlangen. Sein anschwellender Bauch, der eigene PkW, das stattliche Büro, das eigene Haus und die unzähligen Fahrten quer durch die Bundesrepublik, selbst sein Erholungsurlaub und der Erwerb eines riesigen Ferienhauskomplexes mit voll eingerichteten Wirtschaftsräumen - alles war ausschliesslich den mildtätigen Gaben der Väter des Vereins zu verdanken. Ihnen sei an dieser Stelle gedankt. Ohne ihre Hilfe wäre es dem armen Vater unmöglich, Monat für Monat, Jahr für Jahr und bis heute, ständig mehr Geld auszugeben, als er einnimmt. An diesen gelungenen Beispielen zeigte sich, dass der arme Vater einen guten Instinkt dafür hat, wie man unbeschwert ein sorgloses Leben führen kann, frei nach dem Motto: "Lass doch die Anderen bezahlen." Früher waren es seine Frauen, die ihn in ein bequemes Sozialnetz betteten, nun sind es Männer, Leidensgenossen, die auch keinen Unterhalt für ihre Kinder bezahlen, weil sie die Mütter hassen. In Anbetracht ihres Engagements für diesen armen Vater müssen seine Leidensgenossen wohl viel mehr Geld haben als er, so dass sie ihn plus ihre Kinder finanzieren können. Oder haben sie gar ihren Kindern erklärt, dass für sie kein Geld zum Unterhalt bleiben kann, weil es für den armen Vater ausgegeben werden muss? "Trennung, Scheidung, ja", dachte sich dieser arme Vater schon bald, "damit lässt sich viel Geld machen." Und sprang als Trennungsberater in die Marktlücke. "Wer sonst, wenn nicht ich, weiss besser, wie ein Mann und Vater sich vor Unterhaltszahlungen zu drücken vermag, wie man das Finanzamt umgehen kann und Vieles mehr." Als Nebenprodukt seiner neuen Beratertätigkeit konnte der arme Vater sogar
den Therapeuten für sich selbst einsparen, der ihm die Wut auf Frauen
wegtherapieren sollte. Seinem 5. Kind tat dieser arme Vater dennoch leid. Es war noch zu jung, um ihn wirklich zu verstehen. Es hatte auch noch keine Fragen. Es sehnte sich einfach nur nach seinem Papa. Und da die Mutter das Kind sehr lieb hat, ließ sie es gewähren und erlaubte ihm, in das Sechs-Zimmer-Haus beim Vater einzuziehen, das ihr selbst noch immer zur Hälfte gehört. Selbstverständlich forderte der arme Vater sofort Kindesunterhalt von der Mutter, die mit dem sechsten Kind in einer kleinen Mietwohnung lebt und hart arbeitet, um ihre Kinder und sich selbst zu versorgen. Zeit hatte der arme Vater für sein 5. Kind aber leider nicht. Beratungen, Untermieter, Gutachtenkritiken, Beistandsfunktion, - das Angebot des armen Vaters für andere Väter wurde immer umfangreicher, seine Kasse voller. Bald war guter Rat teuer, denn er musste befürchten, dass er wie alle anderen anständigen Erwerbstätigen Steuern, Sozialabgaben und Kindesunterhalt zahlen zu müssen. "Wie nur soll ich es bewerktsellligen, auch weiterhin keine Steuern und keinen Unterhalt zahlen zu müssen?", grübelte der arme Vater. Doch wie immer fand er den richtigen Dreh. Seine Einnahmen mussten doch lediglich noch perfekter unter dem Dach der Vätervereine eingeordnet werden. Alles, was er brauchte, waren entsprechende Vorstandspöstchen. Und natürlich wurde der arme Vater gern gewählt. Schließlich hatte er gut vorgesorgt und sich eine breite Lobby in den Vätervereinen geschaffen. Von nun an agierte der arme Vater landauf, landab für Vereinsmitglieder und andere Auftraggeber aus der dem Kreis der Vätervereine als hoch angesehenes Vorstandsmitglied. Vor dem Arbeitsamt galt seine Tätigkeit als Ehrenamt. Vor dem Finanzamt galt sie als steuerfrei. Eine angemessene Unkostenerstattung ist schließlich auch dann kein steuerpflichtiges Einkommen, wenn sie Tausende Euro im Monat ausmacht. Logisch, dass der arme Vater wiederum kein Geld für seine Kinder zur Verfügung hatte. Und da er in seinem Ehrenamt ja so viel Gutes und Ehrenhaftes für die Allgemeinheit tat, musste er nicht einmal einen Nebenjob annehmen, um den Kindesunterhalt aufzubringen. Bei so vielen scheinbar ehrenamtlichen Aufträgen und Reisen gegen reichlich bemessene Unkostenerstattung wurde Zeit zur Mangelware für den armen Vater und sein Kind zog wieder aus, weil es nicht verstehen konnte, warum der Kampf um mehr Rechte der Väter wichtiger als seine Anwesenheit war. Der arme Vater merkte es kaum. Er war zu beschäftigt mit den Problemen anderer Väter und seinem steuerfreien Gelderwerb. Bald schon war er weit im ganzen Land bekannt. Oft saß er mit den Mächtigen an einem Tisch und befahl ihnen, Gesetze zu machen, damit Kinder nach einer Scheidung bei den Vätern bleiben und Mütter keinen Unterhalt bekommen sondern zahlen müssen. Damit der arme Vater von all den angemessenen Kostenerstattungen für seine kostenlose Arbeit nicht nur steuer- und abgabenfrei sondern auch angemessen reichlich leben konnte, ließ er sich einen weiteren Trick einfallen. Er ließ sich den Kostenersatz einfach doppelt auszahlen. Das war ganz einfach, denn er machte einfach seine Ausgaben für die Einnahmen bei seinen Vätervereinen geltend und verlangte auch von ihnen Kostenersatz. "Warum auch nicht?", dachte der arme Vater. "Schließlich wissen alle, wie viel ehrenamtliche Beratungen ich völlig umsonst und nur gegen Kostenersatz leiste." Und tatsächlich waren sich die Mitglieder in den Vätervereinen auch sofort völlig einig, dass der arme Vater für sein Ehrenamt nicht auch noch Schulden machen sollte. Ohne groß nach Belegen zu fragen, wurden dem armen Vater die von ihm verlangten Mittel aus der Vereinskasse zugewandt, damit seine Ausgaben für das gesamte Büromaterial, seinen PKW nebst Kosten, Getränke, Büronutzung und seine Übernachtungen in schönen Hotels abgedeckt waren. Und das machte den Vätervereinen nicht einmal etwas aus, denn erstens werden für solche Zwecke Mitgliederbeiträge erhoben und Sponsoren angebettelt. Und zweitens ist es so üblich. An Rat Suchenden, die der arme Vater rund um die Uhr umsonst gegen Kostenerstattung beriet, mangelte es ihm nicht. Sie wurden ihm, dem nun berühmten Väterberater und Vorstandsmitglied, durch seine Vereine frei Haus geliefert. Natürlich dienten die Vätervereine dem armen Vater nicht völlig selbstos. Vielmehr gab es eine geheime Absprache zwischen dem armen Vater und den ersten Vorsitzenden der Vereine, deren Mitglied er war. Die lautete, dass der erste Vorsitzende dafür sorgte, dass der arme Vater immer genügend Aufwandsentschädigungen und Kostenersatz aus dem Ehrenamt bekäme. Und dass der arme Vater im Gegenzug für dieses ihm erwiesene gute Werk der Nächstenliebe dafür sorgte, dass die ersten Vorsitzende immer wieder von den Vereinsmitgliedern neu gewählt und schon gleich oder bald ein festes Gehalt aus der Vereinskasse erhalten würden. Dafür brauchte man viele Wählerstimmen. Und die konnte niemand besser beschaffen als der arme Vater, der sich bestens als Mann fürs Grobe eignete. Für so einen nützlichen armen Vater muss man als erster Vorsitzender auch mal wegschauen und weghören können, wenn Klagen kommen. Kostenlose Werbung für das Unkostenerstattungsunternehmen eines solchen armen Vaters inbegriffen. Da der arme Vater im Rahmen seines Unkostenerstattungsunternehmens immer öfter mit Gerichtsverhandlungen der Rat Suchenden zu tun bekam, entdeckte er eine weitere Einnahmequelle, nämlich seine Gutachtenkritiken und seine Aufgabe als persönlicher Beistand. "Klasse", dachte sich der arme Vater, "Kunden vom Väterverein, inklusive Büro- und Telefonkosten, die Einnahmen für mich, die Ausgaben dem Verein." Und füllte seine Kasse freudig weiter, ohne einen Cent Steuern oder Kindesunterhalt zu zahlen. Ja, und weil der arme Mann zwischendurch auf eine weitere grosse Liebe seines Lebens stieß, starteten sie gemeinsam einen gelungenen Spendenaufruf mit Angabe der genauen Bankverbindung, zum Aufbau eines Vater-Mutter-Kind-Haus im Havelland. Dem Leser dieses Spendenaufrufs wird suggeriert, es handle sich dabei um ein Projekt des ehrenwerten gemeinnützigen Vereins Väteraufbruch e.V. In Wahrheit aber handelt es sich um eine Privatiniative des armen Vaters zur Sicherung "seines" Privathauses, welches nicht nur zur Hälfte seiner ehemaligen Ehefrau gehört, sondern vielmehr bis heute mit Geldern seiner Kinder und deren Mütter mitfinanziert wird. "Na, prima", dachte sich der arme Mann, als sein Spendenaufruf Wirkung zeigte, "wenn sich mit der Dummheit Anderer so viel Geld machen lässt, lässt sich spielend, unter dem Vereinsnamen versteckt, eine weitere Einnahmequelle schaffen." Gesagt, getan. Geschickt wie immer setzte er seine Armut für ein weiteres "Vater-Mutter-Kind-Haus-Pilotprojekt" ein und gründete einen neuen Verein, dessen Indentität im Dunkeln bleibt, weil sich dahinter sein steuerfrei auf Unkostenerstattungsbasis wirtschaftender Einmannbetrieb verbirgt. Bald schon wurde der neue Verein an der tschechischen Grenze mit einem stark renovierungsbedürftigen Riesen-Objekt fündig Obwohl der ehrenwerte gemeinnützige Verein Väteraufbruch e.V. offiziell auch an diesem Kind-Vater-Mutter-Haus keinerlei Anteil hat und es auch nicht unterstützt, suggerierte der neue Verein des armen Vaters auf seiner eigens dafür erstellten Internetseite genau das Gegenteil. Nicht nur das blaue Logo des ehrenwerten gemeinnützigen Vereins Väteraufbruch e.V. auf dieser Internetseite erweckt den Eindruck, es handele sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt. Auch die vielfachen Aufrufe des armen Vaters an alle Vätervereinsmitglieder, sich an der Renovierung und Finanzierung des Hauses zu beteiligen, dort Urlaub mit Kindern zu machen, die in einem hauseigenen Streichelzoo Ziegen und Ponys vorfinden, tragen zu diesem falschen Eindruck bei. Mit diesem werbeträchtigen Trick erstickte der arme Vater jeden Verdacht, dass sich hinter diesem Riesenanwesen sein steuerfrei auf Unkostenerstattungsbasis wirtschaftender Einmannbetrieb verbergen könnte. Ein Objekt des Väteraufbruchs suggeriert schließlich Gemeinnützigkeit, Ehrenamt, Anständigkeit, soziale Leistungen für die Allgemeinheit. Auf jeden Fall klingt es in den Ohren von Vätervereinsmitgliedern und möglichen Sponsoren besser als "notariell beglaubigter Privatbesitz eines mittellosen Vaters" oder "finanzieller Schlupfwinkel vor Finanzamt und Unterhaltsforderungen eines Kindesunterhalt verweigernden Vaters." Wie immer setzte der arme Vater mit seinem Unkostenerstattungunternehmen auch diesmal auf die Solidarität aller der vielen Väter, die er in den verschiedenen Vätervereinen bereits beriet. Profitorientiert wie immer, teilte sich der arme Vater die lukrative Rolle des Cheforganisators zu. Und zwar sowohl für das Kind-Vater-Mutter-Haus in B. und die Kind-Vater-Mutter-Begegnungsstätte in N., als auch für das Kind-Vater-Mutter-Haus in S. Bitte nicht verwechseln. Im Angebot der als Begegnungs- und Tagungsstätte ausgelegten Kind-Vater-Mutter-Objekte einschlägige Vorträge von ihm, in der Hoffnung auf weitere Gutachtenkritik-Aufträge, Beratungsaufträge, Beistandsaufträge uvm. Natürlich alles ehrenamtlich, nur gegen Aufwandsentschädigung. Alles wie gehabt. Immer zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Klasse. So bleibt dem armen Vater zu wünschen, dass er auch künftig zahlreich entsorgte Väter findet, die seinen Größenwahn mit eigener Enthaltsamkeit und Arbeitseinsatz in Dankbarkeit und Abhängigkeit grosszügig finanzieren. Oder dass er, diverse Betrugsdelikte auf Staatskosten im Einzelzimmer mit WC absitzend, von seinen dankbaren Leidensbrüdern wenigstens Telefon, Laptop und Sekretär zur Seite gestellt bekommt. |