Elternkummer

Antwort von Karin Jäckel

3. Februar  2003

Mütter, die ihre Kinder entführt haben, leben in der Angst vor Rückentführung

Lieber Marco,

herzlichen Dank für Ihre Wertschätzung meiner Arbeit und Bemühungen, daran mitzuwirken, dass Kindern endlich ihr ganz natürliches Geburtstrecht gewährt wird, zu jeder Zeit mit ihren beiden Elternteilen zusammen zu sein. Auch nach einer Trennung der Eltern. Die seit Jahren anhaltende massenhafte Beraubung von Kindern um ihren Vater und/oder ihre Mutter verletzt die Würde und das Menschenrecht sowohl der Kinder als auch der ihnen entrissenen Elternteile. Niemand, der Kinder liebt und versteht, niemand, der die Würde des Menschen als unantastbar erachtet, kann und darf dieses Unrecht hinnehmen.

Wenngleich es zutrifft, dass ich sehr viele und immer neue Lebens- und Leidensgeschichten wie die Ihre zu hören und zu lesen bekomme, kann und will ich mich dem nicht verschließen. Es wird sicher dauerhaft mein Anliegen bleiben, Kinderrechte und das Glück von Kindern zu schützen, wo ich nur immer kann.

Der sarkastische Ton Ihrer Zeilen hat mich sehr berührt. Ich verstehe, dass dieser gallige Humor Ihre Seele schützt und Ihnen den Schmerz erträglicher macht.

Sie fragen: Warum immer in Deutschland? Warum hier Mütter so sehr bervorzugt werden? Ich glaube, das kann ich nicht "einfach so" beantworten. Die Antwort liegt in einem Mix aus veralteter Gesetzgebung, einem beschämenden Provinzialismus vieler Richter/innen, falsch verstandener römisch-katholischer Mutter-Heiligkeit und einer sozialistisch geprägten Frauen angeblich von Männervorherrschaft und Männerunterdrückung befreienden feministischen Macht-Eroberungspolitik.

Ganz sicher gibt es noch immer Bereiche, in denen Frauen benachteiligt werden. So wie es auch Bereiche gibt, in denen Männer benachteiligt werden. Und selbstverständlich sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Gleichwertigkeit der Geschlechter zu garantieren. Durch die Umerziehung der Frau zum besseren Mann und des Mannes zur besseren Frau gelingt dies sicher nicht. Leider wird es dennoch versucht.

Diese Entwicklung ist allerdings kein typisch deutsches Phänomen, sondern in allen westlichen Ländern anzutreffen.

Es tut mir sehr Leid, dass Ihnen die Mutter Ihres gemeinsamen Kindes jeden väterlichen Umgang verweigert und Ihnen nicht einmal regelmäßig ein aktuelles Photo überlassen will.

Eine solche Verweigerung zeigt im Grunde immer nur, dass eine den Umgang zwischen Vater und Kind boykottierende Mutter sehr genau weiß, dass sie selbst mit der Entführung des gemeinsamen Kindes eine unverzeihliche Handlung begangen hat.

Mütter, die ihr Kind entführt haben, leben in der ständigen Angst, der Vater werde ebenfalls Selbstjustiz üben und das ihm geraubte Kind zurückentführen. Diese Mütter wissen, dass sie den Vater und das eigene Kind belogen und betrogen haben. Sie wissen, dass sie das in sie gesetzte Vertrauen gebrochen haben. Und aus dieser Erfahrung heraus können solche Mütter keinem Menschen mehr trauen. Sie haben etwas Böses getan und Strafe verdient; und sie erwarten, dass diese Strafe erfolgt. Davor haben sie Angst.

Indem solche Mütter den Umgang zwischen Vater und Kind boykottieren und den Vater aus dem Leben des Kindes auslöschen wollen, versuchen sie zu verhindern, dass das Böse, was sie als Mütter ihrem eigenen Kind und dessen Vater angetan haben, an den Tag kommt. Am liebsten wäre es ihnen, das Kind wüsste nicht, wer der eigene Vater ist und würde diesen niemals sehen wollen. Erst dann, wenn der Vater für das Kind nicht mehr existiert, wäre die Mutter vor dem Zorn des beraubten Vaters und des eines Tages die Tat der Mutter begreifenden Kindes geschützt.

In Ihrem Fall kann ich nur hoffen, dass Sie einen fähigen Rechtsbeistand haben, dem es gelingt, die Willkür der Mutter zu entlarven. Notfalls vor dem Europäischen Menschenrechtegerichtshof.

Mit herzlichen Grüßen,

Karin Jäckel