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Er war ein besonderer Feuerwehrmann, stand jeden Tag gerne seinen Mann, er trug und trägt ein schweres privates Schicksal, was ihn inzwischen intensiv prägt und so sehr bewegt.
Dieser Papa darf sein Kind einfach nicht sehen, im Job kann er nicht bewusst seiner wichtigen Arbeit nachgehen, dieser Realität nicht entfliehen, er hat das Gefühl dass ihn keiner versteht, seine heimlichen Tränen ungesehen untergehen, manchmal bleibt er einfach stehen, wenn er zu sich meint: Mensch, so kann es nicht weiter gehen. Seine von Kummer gekrümmte Seele hat einen schweren Knacks, er ist im Grunde schon jetzt ein seelisches Wrack, er lässt diesen Zustand niemanden sehen, denn er will doch arbeiten gehen. Was soll er auch sagen auf ausbleibende Fragen? Dieses unglaubliche Geschehen um sein Kind, sowieso keiner ernst nimmt.
Der Feuerwehrmann, der nicht mehr Feuerwehrmann sein kann.
Er hatte den Ruf als Vorbildfigur, ein Draufgängertyp, immer in Uniform, auch in Freizeit, wegen der Bereitschaft, mit Mut zum Brandeinsatz, immer unter Lebenseinsatz. Er fühlte sich berufen, Gutes zu verbuchen, sein Leben war ihm nicht zu teuer, er ging für jedermann durchs Feuer, mit anderen Worten, er brachte sich stets selbst um Kopf und Kragen. Das liegt an seinen außergewöhnlichen Charaktereigenschaften, die ihn hoch sympathisch machen.
Notruf auf der Feuerwehrwache, Brandeinsatz.
Mit heulenden, blinkende Sirenen rast der Löschzug mit quietschenden Reifen durch die vielen Straßenzüge rasant entlang, Papa-Feuerwehrmann führt das Kommando an, weil er den gefährlichen Job am besten kann. In einer prachtvollen Gegend eine Villa, umzingelt von meterhohen, grellen, lodernden Feuerflammen, wo kaum noch Menschenleben entrinnen kann, ein brisanter Job erwartet Papa-Feuerwehrmann, sein ganzes Können er nun furchtlos zeigen muss. Mutig bahnt er sich mit einer handlichen Feuerwehrleiter einen kaum durchdringlichen langen Weg, um zu schauen, ob da irgendwo noch jemand lebt. Rufen kann er nicht wegen der Atemmaske im Gesicht. Salziger Schweiß brennt in seinen Augen, die Bullaugen der Maske sind von innen beschlagen, von außen verdreckt, er taumelt, kommt ins Straucheln, er fällt, weil von oben, mit ohrenbetäubender Wucht, krachend die Decke vom zweiten Stock zusammensackt. Der riesige Dachstuhl rutscht hinterher; es knackt und bricht, bis im dicken fettschwarzen Rauch das schwache graue Licht erlischt.
Der Feuermann ist im Schutt an einem Pfeiler bis zur Hälfte begraben, als er eine wimmernde Männerstimme plötzlich als Hilferuf vernahm, die leise rauchig aus einer brennenden Ecke kam, ein älterer Herr bettelt um sein Leben. Der Feuerwehrmann tut, was er kann, kämpft sich aus dem Geröll, er kann nicht stehen, sein Bein behindert ihm beim Gehen, es ist gebrochen, er wird zwischen heißem Schutt zu dem Mann hin robben. Endlich angekommen, ein älteres rußverschmiertes Gesicht tastet sich an seine Atemmaske, der alte Mann ringt mit dem Tod, er ist in höchster Not. Der Feuerwehrmann hält den Atem an, beißt die Zähne zusammen, richtet sich auf, packt den Mann, hievt ihn über seine Schulter, so dass sie stehen, er schreitet schmerzverzerrt schwachem Lichtschein entgegen. Nun ringt der Feuerwehrmann selbst nach Luft, er zieht die beißend heiße Luft tief in sich ein, schreitet dabei zu auf den Schein, das kaputte Bein hinkt, aber es gelingt, mit Schwindel und dem Mann auf der Schulter, erst langsam, dann schneller zu schreiten, so immer weiter aus der Gefahr zu entgleiten.
Endlich geschafft, sind sie im Freien, der Feuerwehrmann den älteren Mann einem Rettungswagen übergeben kann. Erst jetzt bemerkt er den stechenden Schmerz seiner verbrannten Haut, nicht nur im Gesicht, sein ganzer Körper ist zittrig, völlig außer sich, ausgepumpt, sein Kreislauf nun zusammenbricht. Er ist ohnmächtig. Mit akuten Wiederbelebungsversuchen holen Kollegen ihn ins Leben, er hatte zuvor sein Bestes gegeben und beinahe dadurch sein kurzes Leben hergegeben.
Sein Körper ist nun stark gezeichnet, seine Seele schon lange müde und schwer krank, einen Mann hat er gerettet, der sein Leben ihm verdankt. Dieser Feuerwehrmann ist nicht nur psychisch, nun auch physisch mehr als ausgebrannt.
Doch unaussprechlich viel schlimmer empfand er den Brand, der seine Seele in Feuerketten band, als seine Ehe zerbrach und die Mutter mit seinem Kind aufbrach . Erst durch den grausamen Kindesverlust wurde dem Feuerwehrmann bewusst, das er von außen und innen in Flammen stand und niemand da war, der ihm zur Seite stand. Was halfen ihm Mut und Tapferkeit gegen der Mutter Hartherzigkeit, die sein Kind wie Ware besaß und ihn als Vater vergaß?
Sein Kindschaftsverfahren verschleppt sich durch die Jahre, da die Mutter und deren Helfershelfern mit allen juristischen Ganovenstücken ihn in seinem Kampf um sein Kind durch alle Instanzen drücken, ja, jagen. Manchmal ihm sogar Richter hier und da Recht gaben, Beschlüsse zum Umgang vergaben, die klare Regelungen vorsahen, aber stets durch Boykotthaltungen versagten, denn sein entfremdetes, nun schon großes Kind sah ihn bisher dadurch leider nicht. Als sei dieser Schmerz noch nicht groß genug, die Mutter sein Fell auch zu Markte trug, vor hoher Instanz, vor hohem Gericht, log auch dort dem Richter unverblümt ins Gesicht, dass der Vater gefährlich sei für sein Kind und gemeinsame Stunden auch nach vielen Jahren keines Falles zu gewähren sind. Das Schlafwagengericht glaubte sofort jedes Lügenmutterwort, womöglich klaut der böse Papa das liebe Kind an einem geheimen Ort.
Der Helden- Feuerwehrmann muss bitter erfahren, dass man ihm nun endgültig alle seine Rechte wegnahm.
Gestützt hat das fahrlässige Gericht sich auf einen erneut unzutreffenden, falschen Bericht durch eine unqualifizierte Mitarbeiterin vom Jugendamt, die schrieb darin gezielt, sehr uncharmant:
"Das Kind will und kann den Papa nicht ertragen, er will nur Böses über die Mutter sagen, das Kind will den Papa nie wieder sehen, er soll abhauen und weiter gehen, auch vermissen tut es diesen Papa nicht, wer ist dieser Kerl eigentlich?"
Angeblich sprach so das manipulierte Kind zur ungeschulten Mitarbeiterin vom Tante- Emmaladen-Jugendamt in dem Märchenbericht an das stümperhaft arbeitende zuständige Schlafwagengericht. Angeblich hat dies das Kind gesagt, das niemals mehr nach dem Papa fragt, glaubt man der Emma-Laden-Tante vom Jugendamt.
Die Worte sind wie mit Eisen gebrannt in die Köpfe der Richterschar, denen Kinderliebe und Vaterliebe niemals heilig war.
Weil es die Mutter stört, wurde auch gleich das Kindesrecht nicht erhört. Das Kind lebt nachweislich nun seit Jahren sehr gut und wohl zum Kindeswohl, wie die Maus im Haferstroh und das belassen wir auch so, - so sinngemäß der neue Beschluss vom blind richtenden Gericht.
Die Kosten des Verfahrens hat Papa-Feuerwehrmann zu tragen, er soll sie von der Heldentatprämie abtragen. Dieser Feuerwehrmann wusste nicht wie ihm geschah, völlig sprachlos stand er nur da.
Auf dem Weg aus dem Gerichtsgebäude sprach der Verfahrensrichter Papa–Feuerwehrmann mit ersichtlicher Freude kurz an:
"Sie arbeiten doch bei der Feuerwehr, Mensch diese Leute haben es manchmal doch schwer, da sind ja Typen, die kommen hier nie her, mal abgesehen von Ihnen. Sie als Dauerquerulant kommen sicher noch öfters in meinen Familien-Gerichtsstand. Von Mann zu Mann, da rate ich zu, lassen sie Ihr Kind endlich in Ruh. Ich sag’s Ihnen vertraulich, weil Sie Feuerwehrmann sind, lassen Sie die Finger von dem Kind, ich versteh mein Handwerk wirklich gut, bei mir da kommen sie nie zum Zug.
Weshalb ich sie ansprach:
Stellen Sie sich mal vor, meine Villa am Stadtrand, schön am Strand, brannte neulich durch meinen Leichtsinn völlig aus, zum Glück war ich allein Zuhaus, es kam sogar die Feuerwehr, es rettete mich irgendwer, natürlich hätte ich es allein auch geschafft, mich fort aus dem Brandherd aufgerafft. Das ist ja schließlich nicht allzu schwer, ein Feuer ist heut, als ob’s gar nichts wär. Aber gut, man fügt sich den Geistern ja, die man rief, womöglich geht sonst der gute Ruf noch schief. Es waren nette Leute, etwas einfach im Sinn, doch das nimmt man ja hin. Diese Kameraden halfen mir zum Rettungswagen, wo sie mir Wasser und Sauerstoff gaben."
Papa-Feuerwehrmann hörte das Gequatsche dieses Lügenbarons, in seinem Kopf machte es Klick, sein Verstand ließ ihn ab nun im Stich, ja, er ist nun irrekrank geworden. Was ist nur aus diesem Mann geworden: Das Gesicht entstellt, der Geist verprellt, das Kind gestohlen, aus dem Job raus gehoben, sozial- wegradiert, wegen der Gesundheit, sie ist ruiniert, ja, und sein Geld haben viele Juristen kassiert. Der Würde und der Ehre beraubt, man hat dem Papa-Feuerwehrmann alles abgestaubt.
Der Feuerwehrmann ist seitdem Patient einer kleinen, ruhigen, abgelegenen Klinik für schwer irrkranke, hoffnungslose Leute, hier lebt jeder für sich, in eigener Welt, wo niemanden sein eigenes Schicksal quält.
Eines Tages bekam er dort an diesem Ort Besuch von einer attraktiven Dame, die er nicht kannte und sagte leise:
"Ich kenne sie nicht, sind sie vom Gericht ? Sicherlich, sicherlich, aber es brennt nicht, ich lebe in meiner Welt für mich, Ihr brachtet mich in diese Klinik, man liebt mich hier, was wollen sie von mir?"
Die hübsche Frau kämpfte beim Zugehen auf Papa–Feuerwehrmann mit großen kullernden Tränen, nahm wortlos seine vernarbte Hand, ganz sanft, und sagte:
"Papa, ich bin dein entfremdetes Kind, du hast deinen Kampf um mich vor Gericht damals verloren, gewinnen konntest du nicht, weil die Gerichtsbarkeit sich verschworen hat um dich. Ich habe dich lange gesucht, aber erst jetzt gefunden, bin endlich hier bei dir und hole dich jetzt für immer zu mir."
Als Papa–Feuerwehrmann diese heilenden Worte vernahm, machte es Klick, er war nicht mehr irre, der Verstand kam plötzlich zurück.Ein Lächeln zuckt durch sein entstelltes Gesicht, denkt er an die unverbrauchte Zukunft mit seinem Kind.
Papa-Feuerwehrmann sagte nur:
"Kind, lass uns aufbrechen, lass uns tun, was so lange nicht möglich war, wir sind wieder du und ich, ich liebe dich".
"Papa, komm erst zur Ruhe, ich will dich ansehen Zuhause nur.Papa, früher als Kind, sah ich viele Feuerwehrautos fliehend vorbeirasen, ich hörte oft Mama abwertend sagen, schon wieder so ein grässlicher lauter Feuerwehrautolärm, jetzt fährt dein Papa durch die Straßen, um andere Leute mit diesen Lärm zu quälen.
Aus der Schule wusste ich, Feuerwehrleute helfen Leuten aus der Not, wenn mich jemand fragte, was macht dein Papa denn so, sagte ich, er rettet Menschenleben und war im geheimen stolz auf dich. Mein Papa, der Feuerwehrmann."
Der allerbeste Papa
November 2009
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