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Gedanken vom "allerbesten Papa" an seine Tochter Celine


 

An mein geraubtes Kind
Dezember 2008

Ich liebte dich so innig, so zart. Ich konnte dein Herz sehen, wenn du mir in die Augen sahst. Du wusstest das. Obwohl du doch noch so jung an Jahren warst, erkanntest du, wie gern, ich, dein Papa, dich doch ansah. Selbst wenn du schliefst, fasste ich kaum, dass ich so was Schönes hab, dass das kleine Mädchen, das ich so lieb, meine eigene Tochter hieß. Mein Gott, dass es so was gibt!
Oft spielten wir "Verstecken" oder "Du bist", wobei ich völlig außer Puste kam. Ich vergaß, dass ich erwachsen, ja, kein kleiner Junge mehr war. Mein kleines Mädchen gewann jedes Mal. Donnerwetter, jetzt wusste ich, dass ich der alte Papa war.
Das lachende, quietschvergnügte, ja, manchmal vor Lachen auf dem Boden liegende Kind zu sehen, - uns beiden standen Tränen in den Augen. Das Kind, das hatte so einen Spaß, dass ich als Papa alle Sorgen glatt vergaß.
Das Gefühl, dich zu vermissen, geht mir ganz, ganz nah, weil ich doch dein "allerbester Papa" war.

Dein Papa hängt oft verschwommenen Erinnerungen in Gedanken nach. Plötzlich werden die Bilder klarer, ja, gestochen scharf. Sie reihen sich aneinander und tatsächlich, was ist das denn? Er ist an einem anderen Ort.
Sport am Strand, der heiße Sand, Mann, hat der mich mal verbrannt! Ich, der Papa, rannte wie mit heißen Kohlen unter den Sohlen, viel weiter als nur bis zum Wasserrand. Mensch, war ich am Schwitzen.
Meine Tochter sah das und sagte: "Vor wem bist du denn abgehauen, du spielst wohl wieder den lustigen Clown?"
"Nein, nein das war völlig echt."
Als ich ihr erzählte, was geschehen war, was hat sie mich da angesehen. Jetzt fing sie auch noch zu lachen an, feuerrotes Dauerlachen, ja, was denn? Sie hörte nicht mehr auf.
Ich sagte: "Kannst du mir erzählen, warum kommen dir die Tränen?"
"Ja, das kann ich machen, siehst du diese Palme da im Schatten? Da sind deine Badeschlappen, die hab ich da versteckt."
Der Papa wollte sie eben holen. "Mann, sind die verdreckt."
Da wurde er auf einmal von ganz alleine aus dem schönen Traum aufgeweckt.

Wieder versinkt er in Gedanken. Träumend ist das Leben endlich ohne Schranken, alles bunt und farbenfroh wie sonst nirgendwo. Nur damals war es genauso und das war so:
Schule aus. "Papa, gehen wir in den Zoo?"
"Nein, mein Mädchen, heute gehen wir woanders hin. Wir gehen in den Garten und schauen nach den Tomaten."
"Papa, ich will nicht in den Garten nur wegen den doofen Tomaten."
"O.k. dann bleiben wir eben hier. Soll ich dir mal sagen, warum wollte ich in den Garten ? Heute ist große Kinderparty mit Barbie, Cinderella, Arielle und Mulan ist auch noch da; und das ist nur einmal im Jahr."
"Mein allerbester Papa, ich will in den Garten, auch zu den schönen Tomaten. Zieh dich endlich an, dass es los gehen kann. Was machst du denn so lange, Mensch, Papa, ich hol gleich ne Zange".
"Ach, da fällt mir gerade ein, ich will nicht die Tomaten. Ich komme gerade aus deinem Garten, wo schon alle Kinder sind. Diese Party ist nur für dich, mein Kind."

Der Papa, der ich mal war, nun sitzt er da und weiß kaum noch, dass er es war, der deine Kinderaugen ließ blitzen. Wie lange kommt er schon nicht mehr beim Spielen mit dir ins Schwitzen.
Er lebt in einer völlig anderen Welt, wo ihn kaum noch jemand kennt. Die so fröhlichen Tage sind vergangen, die Zimmer so eisig leer. Selbst der sonst so prächtige Garten zeigt nun ein graues Gesicht und der Papa erkennt ihn nicht mehr. Kein vertrautes Lachen seines Kindes ist mehr darin zu hören. Da verstummt auch der allerbeste Papa, der so witzige Clown, jetzt allein unter dem Apfelbaum.
Nein, er möchte ihn nicht mehr haben, diesen leeren, stillen Garten. Selbst mit Blumen und Sonnenschein erfüllt, kann er ihm nichts mehr geben. Der Papa wollte ihn pflegen zum Kindesglück. Ohne das Kind kommt das Glück nicht zurück.
Die anderen Kinder kommen, aber sie fragen nicht: "Spielst du mit?"
Sie wissen, dieser Papa lebt nun für sich.
Alt und traurig schaut er aus, meist unrasiert. Er hat es kapiert, will es trotzdem nicht glauben, denkt an sein Kind, will es sehen, und weiß doch, egal, wie er bittet, man wird ihm das Wort umdrehen.
Der allerbeste Papa wird fast verrückt, das SCHLIMMSTE ist passiert, dein verpfuschtes Kinderglück. Die schönen Tage werden verbleichen und grauenvoll einsamen Jahren weichen.

Die Mutter, der Anwalt, der Richter, vom Jugendamt hämische Gesichter, sie konnten dem Papa sein Kind abnehmen und nun sich zurücklehnen, fangen noch an zu lachen. Was machen solche Menschen nur für Sachen?

Das Herz gebrochen, der Kopf brummt schwer, ja, wirklich, dein "allerbester Papa", erträgt es fast nicht mehr.
Krank ist er geworden, denn die Seele weint und sein Herz verbrennt. Er kann es noch immer nicht fassen. Sein Kind, musste ihn verlassen.
Es fällt ihm schwer zu glauben, dass es gelang, ihm sein Kind zu rauben. Es ist ihm äußerst schwer. Mensch, dieser Papa kann oft schon gar nicht mehr! Trotzdem kämpft er weiter um sein Kind, auch wenn das ihn nun kaum mehr kennt.

Ohne dich lebt dein "allerbester Papa" jetzt in einer völlig anderen Welt, in der Kindesglück nicht viel zählt. Es prägt die Sehnsucht seine Gedanken an gemeinsame Jahre der Einvernehmlichkeit in der mit dir verbrachten Kinderzeit.
Was soll oder kann er denn bloß noch machen? Ihm ist schon lange nicht mehr zum Lachen. "Verflixt nochmal, ist denn nirgendwo Hilfe da?"
Er schaut sich um, aber nur er sitzt da. Einsam überlegt er hin und her, er weiß, er will kämpfen, aber er kann nicht mehr.

Und ist er mal im Reich seines verschwundenen Kindes, - wie immer, absolute Totenstille im Kinderzimmer, kein Gelächter und auch keine Spiele, nein, es ist ganz ruhig dort, wo sonst Kinder waren, sein Kind und so viele. Der Platz, an dem doch der Papa früher so gerne war, an dem die Sterne an der Decke sagten: "Papa, hier ist alles klar.", den sieht er schon lange nicht mehr an, weil er ihn nicht mehr ertragen kann. Ungern ist er jetzt in diesem Raum, der einst ein Kindertraum, fröhlich von Geburtstagsfesten, und nun so still, ganz ohne Gäste.
Eine Kerze bringt etwas Licht. Sie schmerzt den Papa im Gesicht. Trotzdem getraut er sich nicht, sie auszublasen. Ihr Licht ist wie ein kleiner Lebensfaden.

Auf Biegen und auch Brechen, mein Kind, dein "allerbester Papa" will nicht aufstecken, zurück will er dich und das Kinderglück.
Viele sagen: "Lass es sein, die anderen sind doch so gemein."
Aber nein, er kann es nicht lassen und hat Grund, die Kindesräuber zu hassen. Trotzdem sucht er die Harmonie, doch er findet sie nie.

Er fragt sich, ob seine Tochter wohl manchmal noch an ihn denkt und ob er sein Kind überhaupt noch kennt? Groß ist sie geworden. Ob sie ihn immer noch "mein allerbester Papa" nennt?
Auf deine vielen Fragen kann der "allerbeste Papa" nun nichts mehr sagen. Er kann Dich nicht mehr hören, dich nicht mehr verstehen, denn du musstest gehen.
Nie zurück kommt die schönste Zeit. Dem Papa tut es bitterstes Leid.

Sie haben Böses über ihn erlogen und erfunden, es sind nun seine seelischen Wunden. Sie haben ihn ausgenutzt sowie verleumdet, bedrängt als bedroht, ja, meine Güte, dein Papa kommt in Not, wollen sie seinen geistigen Tod ?
Sie haben ihn seines Kindes betrogen. Was ist hier zulande mit dem Kindesrecht? Soll auch das endlich weg? Dass dumme Leute, die den Namen vom Jugendamt tragen, die Kinder weg fangen, Eltern verbannen und meinen, es wäre gerecht, die es trifft, na, die hätten eben Pech - der Papa nennt das "verschlepptes Kinderglück". Doch kein Kindesräuber macht sich deshalb verrückt.

Dein "allerbester Papa" war wirklich ruhig und gut. Er hat aber endgültig nun genug. Er klagt sie an, die vom Jugendamt, diese voreingenommenen Leute, die Kinder wegnehmen als fette Beute:
"Ja, habt ihr denn keinen Verstand? Was soll jetzt geschehen, wie soll es weitergehen, was habt ihr getan? Für euch ist das nur Kinderkram, Kinder zu verletzen, Eltern weiter aufzuhetzen, bis voller Entsetzen, nicht zu übersehen, das Kind will keinen von allen mehr sehen.
Familien zu scheiteln mit einer Axt, was seid ihr bloß für Leute, ihr vom Jugendamt? Hat man da noch Worte für so viel Unvermögen und gar keinen Sachverstand? Schämt ihr euch denn nicht? Ihr spuckt Kindern und Eltern so einfach ins Gesicht und merkt es nicht, auch nicht vor Gericht. Kindeswohl sagt ihr, was versteht ihr davon, den Kindern haut ihr eine runter, die Eltern schickt ihr in die Wüste. O, o, o, wenn der liebe Gott das wüsste!
Viele Kinder sind Opfer eurer Tortur. Meine Güte, was macht ihr nur? Ist es nicht ein Verbrechen, wenn Kinder mit Eltern nicht mehr sprechen? Wo habt ihr Herz und Verstand, ihr Ahnungslosen vom Jugendamt?"

Was ein Umstand ohne Anstand, welch' ein Gezerre an meinen hilflosen Kind! Was sie erfahren seit Trennungsjahren können Papa und Kind nicht ertragen. Soll das Kind etwa "Onkel" zu dem ihm entfremdeten Vater sagen, anstatt nach dem geliebten, dem "allerbesten Papa" zu fragen? Will das das Gericht? Die vom Jugendamt wollen es sicherlich. Schämen, nein, schämen tun sie sich dafür nicht.

Ich kann es nicht ertragen, das Leid in deinen Kinderaugen zu sehen, die nicht verstehen, was um sie geschieht. Ich weiß, sie können nicht begreifen, wie können Mama, Papa streiten um deine kleine Kinderhand. Du erwartest, dein Papa muss dein Leid verstehen, denn Mama will nur wegsehen.
Ich höre deine Moral von der Geschicht': "Bitte, bitte streitet nicht. Dann könnt ihr ja beide in meine lustigen Kinderaugen schauen. Guckt mal, ich hab doch zwei kleine Hände, gebe euch jeweils eine. Gerne gebe ich euch meine kleinen Kinderhände, so brauch ich doch kein Geländer, finde bei Mutter UND Vater für immer Halt, werd ich auch noch so alt."

Um dich zu schützen, dir als dein Papa zu nützen, muss ich das Gezerre an dir beenden. Muss mich von dir abwenden? Ist das so? Sag mir, bist du dann froh?
Ich weiß, du darfst nicht mehr mit mir reden, mir auf keine Fragen mehr Antwort geben. Ich grüble und denke, weiß nicht ein und aus, versuche das Beste, reiß mir die Seele für dich raus. Mein Herz muss fest klopfen, mein Kopf, der wird rot, die lebendige Vaterliebe leidet sich fast tot. Von dir zu lassen, bricht mir das Herz. Unendlich mein Schmerz.
Doch seh' ich sie reißen an dir, mein Kind, dann spür' ich, wie zart deine Kräfte sind.
Zittrig lass ich sie los, deine kleine Hand, an der ich dich früher führte durchs ganze Land. Ich weiß, das Zerren tat dir weh, bist doch so verletzlich, für mich unersetzlich.
Sie reißen und zerren, sie schleppen dich fort, sie nehmen dich weg zum geheimen Ort. Ich spüre deine kleine Hand aus meinen Fingern gleiten. Nun kann ich dich nicht mehr begleiten.
Ich habe das Loslassen nicht gewollt. Mein Kind, du warst doch für mich immer wie pures Gold. Wie schade ist unser: "Ade!"

Mit Schmerzen der Liebe hab ich dich gehen lassen, denn du sollst mich niemals hassen.
Doch was ich für dich fühle, was ich für uns wünsche, was ich mir ersehne bei Tag und bei Nacht, das haben kein Richter und kein Jugendamt jemals kaputt gemacht. Das schaffen sie nie, denn meine Vaterliebe für dich, endet für mich, deinen "allerbesten Papa", nie.

Ich darf dir nur schreiben, um dir zu zeigen, dass ich da bin und bleibe für dich. Doch Musik in den Ohren, Zufriedenheit als unendliche Melodie, so wäre die ersehnte Vater-Tochter Harmonie:
Ich möchte mit dir nur ganz einfach zusammen sein, mein Kind, deine Nähe spüren, auch ohne Worte neben dir sitzen und dir trotzdem Halt geben können, egal, wie lange wir zusammen sein wollen und niemand stört, einfach die Beine baumeln lassen. Ich möchte wieder dein fröhliches, intensives Lachen hören. Ich möchte nochmals Faxen für dich machen. Ich möchte, dass ein Teller unabsichtlich kaputt geht, mir beim Autofahren das Benzin ausgeht, weil ich nachlässig bin, mich nur auf dich, mein Kind, konzentriert habe. Ich möchte, dass mein Kind im Schlaf über den erlebten Tag schmunzelt. Und dass ich weiß, Mensch, das war wieder ein toller Tag, den wir da verbracht haben.
Ja, das möchte ich: dir erneut Lebensfreude schenken.

Dein allerbester Papa




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