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ElternkummerIch habe dem Vater vertraut |
Neues von Sabine aus Belgien |
15. März 2004 |
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Wochen zwischen Bangen und Hoffen sind vergangen. Wochen, in denen Sabine mit wachsender Verzweiflung und Angst auf das erlösende Wort ihrer Tochter wartete: "Mutti, ich will zu dir kommen. Bitte, hol mich ab." Doch dieses Wort fiel nicht. Statt dessen erlebte Sabine, dass ihre Tochter am Telefon weinte, als sie ihr sagte: "Ich will nicht zu dir zurück.", und immer wieder den im Hintergrund mithörenden Vater fragte: "Was muss ich denn antworten, Papa?", wenn Sabine ihr eine Frage stellte. Zu einem unkontrollierten Telefonat kam es nicht mehr, weil der Vater oder die Stiefmutter das Gespräch nach wenigen Worten Sabines unterbrachen und das Kind künftig nicht mehr an den Apparat ließen, wenn Sabine anrief. Verzweiflung machte sich in Sabine breit; wechselte sich mit Hoffnungslosigkeit und Kampfgeist ab. Vor ihren inneren Augen tauchten Bilder aus der eigenen Kindheit auf. Schreckensbilder. Es half nichts, die Augen zu verschließen und die wachsende Angst um Maëliss unter Arbeit zu verstecken. Sabine liebt ihr Kind. Und sie weiß aus eigener leidvoller Erfahrung, wie es ist, ohne Mutter bei einem Vater zu leben, der "Probleme" macht. Angstvoll malte sie sich nach diesen deprimierenden und immer wieder vergeblichen Anrufen aus, dass und wie sehr Maëliss leide, weil auf der einen Seite die Mutter an ihr zieht und auf der anderen Seite der Vater mit der Stiefmutter. Zu ahnen, wie Maëliss allein in ihrem Zimmer säße und bitterlich weine, weil sie zwischen ihren Eltern zerrissen wurde, oder wie der Vater dem Kind voller Zorn eintrichtere, was es im Jugendamt und bei Gericht und einem Gutachter gegen die Mutter zu sagen habe, brach Sabine das Herz. Für eine Weile konnte sie diese Ängste unterdrücken, weil sie sich in den Gruppen ausgegrenzter Eltern engagierte, die sie nach ihrer "Aktion 1000 Luftballons für Maëliss" kennen lernte. Das große Medieninteresse an dieser Aktion zog Kreise, so dass Sabine Hoffnung schöpfte, mit ihrem Beispiel des Widerstands gegen das Unrecht des Kindesentzugs viele Kräfte bündeln und anderen Betroffenen helfen zu können. Doch das enthusiastische Engagement der jungen Mutter stieß in den von Vätern dominierten Selbsthilfegruppen auf ein eher müdes Echo, ja, sogar auf unverhohlenen Widerstand. Als sie bat, nicht mit E-Mails und Viren aus diesen Gruppen überschüttet zu werden, sondern nur wichtige Nachrichten zu erhalten, mit denen sie effektivere Medienarbeit leisten könne, wies man sie zurecht, dass ihre eigenen E-Mails unwichtig wären. Mit einer solchen Reaktion hatte Sabine nicht gerechnet. Sie war so begeistert, so dynamisch und entschlossen gewesen, etwas bewegen und verändern, einen echten Umschwung in der öffentlichen Meinung bewirken zu können. Der Hieb aus den eigenen Reihen traf sie völlig unvorbereitet und ungeschützt. Ebenso geschockt wie verletzt und enttäuscht zog sie sich zurück. Die Gedanken schlugen über ihr zusammen. Wenn sie in diesen Gruppen unwichtig war, obwohl dort mit ihrer "1000 Luftballons für Maëliss-Aktion" gepunktet wurde, "benutzte" man sie wohl nur, um als "Fall Sabine" der "Sache" der Väter zu dienen. Der Mensch Sabine, der Menschen sucht, um ein unmenschliches Ausgrenzungssystem zu stürzen, schien auf der Strecke zu bleiben. Wieder nur "benutzt", von Kindheit an bis jetzt, "benutzt" und ausgenutzt, Spielball von Vätern, von Männern, die sie nicht ernst nahmen, - Sabine kennt dieses Gefühl der Missachtung so genau. Sie hatte sich geschworen, es nie mehr geschehen zu lassen. Sie war so stark und mutig aus den USA nach Europa gekommen, um für Maëliss und ihr Recht auf Rückkehr zu kämpfen. Sie war so sicher gewesen, mit ihren Luftballons nicht nur Maëliss ein Zeichen zu schicken, sondern auch der Welt ein Zeichen zu geben, dass Kindesentzug und Kindesentführung aufhören müssen. Doch inzwischen hatte die immer größer und mächtiger gewordene Angst um Maëliss sie zermürbt. Die Bemerkung: "Was du willst, ist egal.", genügte, um ihr den Boden unter den Füßen weg zu ziehen. Voller Verzweiflung wurde Sabine bewusst, dass sie allein war und als Einzelne nichts gegen das Ausgrenzungssystem des Familienrechts unternehmen konnte. Und als ebenso allein erkannte sie ihre kleine Tochter, die ihren Papa liebt und ihre Mutti liebt und zwischen ihnen zerrissen zu werden droht, weil sie sich für einen von ihnen beiden entscheiden soll, obwohl sie es nicht kann. Ob andere dies ebenso erkannten oder nicht, spielte für Sabine in dieser Verzweiflung keine Rolle. Sie wusste nur eines: "Ich bin die Mutter. Und ich lasse mein Kind nicht leiden, weil der "Fall Sabine" so gut in den Medien zu "benutzen" ist. Ich hasse Aggressivität. Und ich werde keine Gewalt anwenden, um Maëliss zu mir zu holen. Auch keine richterliche Gewalt." Sabines Stimme war schwer von Tränen, als wir telefonierten und sie mir sagte: "Ich gebe auf. Ich habe einem Rechtsanwalt geschrieben, dass ich Maëliss frei gebe. Er soll es dem Vater mitteilen. Ich kann es nicht ertragen, dass sie weint und Krach mit ihrem Papa hat wegen ihrer Mutti. Ich liebe Maëliss. Mehr als mich selbst, mehr als alles auf der Welt. Und darum lasse ich sie los." |