Elternkummer

Ich habe dem Vater vertraut

Sabine: Une bouteille au lac

Sabine aus Belgien

(http://www.objectifreussir.ch/fr/cadre_logo/
temoignages/Sabine_Vander_Elst/sabine_vander_elst.html)

Wie eine Flaschenpost

Treffpunkt Boulevard Nr. 107  conssulter la version française

Die Flasche war zur Hälfte leer. Heute ist sie zur Hälfte voll : voll von Liebe. Mein Leben wurde offenbart, dargestellt, enthüllt - so sehr habe ich geschrieen und vor Wut geweint. Es ist furchtbar, sich so einsam zu fühlen. Diese Linien widme ich der Liebe.

Der Liebe für zwei Länder, die USA und die Schweiz. Zwei wunderbare Territorien voll von hilfsbereiten Menschen mit Herz. Zwei Länder, die sich im sozialen Bereich ähnlich sind, weit entfernt von der kalten, egoisischen europäischen Politik. Bevor ich von der Schweiz aufgenommen wurde, hatte ich das Glück, ein sehr kritisiertes Volk kennen zu lernen : die Amerikaner.
Versuchen Sie zu vergessen, was man ihnen erzählt. Meine Erfahrung bezeugt etwas anderes. Diese Menschen haben ein Herz aus Gold, sind weit entfernt von der Gewalt, die man uns beschreibt. Als mich mein Ex-Freund, ein Schweizer, verliess und alles, was ich besass, mitnahm und mich so auf nichts reduzierte, haben mich die Amerikaner liebevoll unter-stützt.

Die Schweiz, Eure Schweiz !

Sie können stolz auf sie sein. Behaltet sie so, echt und unabhängig, mit Männern und Frauen, wie ich sie kennen lernen durfte.

Als ich in Zürich ankam, entdeckte ich zuerst gestresste und traurige Gesichter, aber dann, nach und nach, sah ich die Warmherzigkeit : z.B. Patrick Perret, Journalist bei «Objectif Réussir», mit dem ich zufällig im Zug ins Gespräch kam und der mich zu anderen wunderbaren Personen führte.

Ohne lange zu überlegen, öffnete er mir die Tür der Redaktion.

Dort entdeckte ich César, Pierre, Daniel, Patrice, Bruno, Lyse, Herrn Dufaux, Christian, Laurence, Joel, Monique, Denis, Charly ... Sie waren die Ersten, die mir anboten, mit mir zu kämpfen und mir einen Platz an ihrer Seite machten. Ich fühlte mich bald in natürlicher Symbiose mit den unterschiedlichen Charakteren. Eine Familie der Liebe, der Freude und Komplizität. Eine Familie, in der Respekt und Kreativität gross geschrieben werden, rund um eine Zeitung, die von den zwei wunderbarsten Personen organisiert wird, die ihr Leben und ihre ganze Energie dafür einsetzen, Hilfe und Liebe zu geben : Rita und Jean Pierre, ein soziales Paar, ein starkes Erfolgsbild, ein Gedächtnis für Erinnerung und Hoffnung.

Ein Verbot: «danke» sagen. Wie soll man nicht das Recht haben, dieser Familie «danke» zu sagen ? Dieser Familie, die mir alles gab, was ich brauchte ? Ein Herz, eine Schulter, eine Unterkunft... Patrick schreibt den Artikel «Wer kann Sabine helfen ?», gestützt auf meinen eigenen Bericht von 200 Seiten über meine Vergangenheit, den er wiederholt lesen wird. Mein Kampf wird ihrer: meine Tochter und meine Rechte wieder finden.

Ein Schweizer hat mir alles gestohlen : meine persönlichen Gegenstände, mein Geld (100 000 Schweizerfranken), meine Rechte. Und der Vater meiner Tochter, der meine geschwächte Lage ausnutzt, um mein Mädchen zu entführen. Ein wahrer Alptraum. Ich dachte, nie wieder aus meinem Elend herauszukommen. Rasch wird der Artikel aufgesetzt und gedruckt; die Zeitung wird um die Welt reisen: Marokko, Kanada, USA, Frankreich, Deutschland und Belgien. Der Artikel vermittelt meinen Schrei.

Mit dem Umzug der Redaktion von Neuenburg nach Bevaix, habe ich das Gefühl, noch intensiver mit dieser Familie zu leben: ein Haus ausräumen, heisst auch, in Geheimnisse eingeweiht zu werden. Ich habe den gehei-men Garten eines jeden berührt; sie werden meine Liebe, meine Brüder, meine Schwestern. Die Familie vergrössert sich noch; Mohamed kommt dazu und ich werde auch Ciana begegnen.
Mohamed er-weitert die Kultur der Traditionen der Zeitung und bringt eine neue Sensibilität. Die monatlichen Ausgaben der Zeitschrift stellen Lebensabschnitte dar, die an den Wänden des neuen Wohnsitzes in Bevaix aufgehängt werden. Anderes Symbol : ein neuer Beginn in einem Bahnhof, ein Ort des Empfangs und des Schutzes.

Ein anderer Bahnhof wird mir als Sprungbrett dienen.

Im Einvernehmen mit meiner neuen Familie, bieten wir zu Ehren meiner Tochter Maëliss ein Fest mit tausend Luftballons im Bahnhof von Neuenburg. Patrick und Cäsar werden all diese Ballons in 12 Stunden aufblasen; Joel und Laurence werden sie verteilen. Jeder wird an diesem Fest teilnehmen, keiner wird mich hängen lassen. Es ist ein Erfolg, der zur friedlichen Demonstration zum Gedächtnis an alle zurückgehaltenen Kinder in Deutsch-land wird.

Dank Rita und Jean-Pierre werden sich auch andere Medien einfinden. Ich möchte mich an dieser Stelle bei der Journalistin von Radio RTN (Neuenburg) für ihren Humanismus bedanken; sie zeigte viel Verständnis für mein Vorgehen und führte ein äusserst respektvolles Interview. Dies war auch der Fall bei den anderen Journalisten: Radio Suisse romande, Khaled, l'Express, Canal Alpha. Ich habe entdeckt, dass die Schweizer in ihren Traditionen den Willen zur Wahrheit behalten haben. Jeder von ihnen wusste die Gefühle, die uns Eltern zerreissen, sehr gut auszudrücken.

Dank Dir, liebe neue Familie, fand ich die Kraft, meinen Kampf weiterzuführen und durfte gleichzeitig eine wunderbare Zeit erleben. Nach einer Trennung von zehn Monaten, habe ich es geschafft, endlich meine Tochter in die Arme nehmen zu dürfen.

Also, wenn ich schon nicht «danke» sagen darf, lasst mich sagen : Ich liebe Euch.

Bedanken möchte ich mich auch bei Paola, Yamna, Frau Catherine Urban, Karin, Francette, Marie-France, Olivier Karrer, Christian, Pascal, dem RAV in Biel, Solidarité Femmes, der Stiftung Fredi und Ihnen allen, die mich mit Ihren E-mails und Telefonaten unterstützt haben.
Möglicherweise werde ich Maeliss nie wieder sehen. Ich habe beschlossen, sie ihrem Vater und seiner zweiten Frau zur Adoption freizugeben. Sie verweigern mir weiterhin jeden Kontakt mit ihr und seit fast einem Jahr ist Maeliss das Opfer. Ich will sie vor diesem Konflikt bewahren, denn auch wenn ich diesen Kampf «gewinnen» sollte, was genau würde ich gewinnen ? Meiner Tochter beweisen zu müssen, dass ihr Vater ein hasserfüllter Lügner ist ? Dafür habe ich auch kein Recht. Ich liebe Maeliss über alles und darf nicht zulassen, dass sie leiden muss. Wenn ich aus ihrem Leben verschwinde, wird ihr Vater sie in Ruhe lassen und sie wird ihre Kindheit voll ausleben können.

Ich habe viel verloren, aber ich vergesse nicht, dass es Menschen gibt, die mehr zu ertragen haben als ich. Das Attentat in Spanien ist ein schreckliches Beispiel, das wir nie vergessen dürfen.

Man kann nichts tun gegen die Bosheit und den Egoismus der Menschen. Daraus entstehen Geschichten wie die von Maeliss oder auch noch viel Schlimmere.

Liebe Leser und Leserinnen, sie haben Recht, «Objectif Réussir / Treffpunkt Boulevard» zu unterstützen, indem sie diese Zeitschrift kaufen, denn damit helfen sie einem grossartigen Verein. Ich danke Ihnen. Sie können sicher sein, dass hier Ihre 5 Franken in die Liebe und das Leben investiert werden.

Sabine, Mami von Maëliss