Saarbrücker Zeitung (Saarbrücken)
6650 Saarbrücken
6. 07. 1989
Sport oder das Todesurteil einer Beziehung
Das Buch "Betrug in der Partnerschaft" beschäftigt sich mit dem Seitensprung
Es gibt Leute, die betreiben den Seitensprung - aus welchen Gründen auch immer - wie einen Sport. Und andere, bei denen die Tatsache, daß einer "newenausgeht", wie man im Saarland sagt, wie ein Makel auf der ganzen Familie lastet Ist der Seitensprung wirklich das ganz große Drama, das Ende, das Aus, das Todesurteil scheinbar harmonischer Beziehungen? Karin Jäckel, vor Jahren SZ-Autorin, die sich mehr und mehr soziologischen Themen und den Problemen zwischenmenschlicher Beziehungen widmet, versucht in ihrem neuesten Buch "Betrug in der Partnerschaft" (Heyne Report, Band 10/55, 9.80 DM) Antwort auf diese Frage zu finden.
Sie hat Frauen .und Männer befragt, Betroffene, und wieder einmal hat sich ergeben, daß Kindheitserlebnisse von elterlicher Untreue zu einem lebenslangen Trauma werden und zu eigenem Versagen in der Partnerbeziehung führen können. Der Moraltheologe Franz Böckle, der ein Kapitel in dem Band geschrieben hat, macht darauf aufmerksam, daß eheliche Treue mehr ist als nur geschlechtliche Treue, diese aber für jene unabdingbar ist Die evangelische Theologin Elisabeth Motschmann räumt ein, daß das Ja vorm Traualtar auf die ".. bis der Tod euch scheidet" endende Frage "im Augenblick, in dem es gesprochen wird, ernst und ehrlich gemeint" ist.
Was die Erfahrungsberichte wollen, die mehr als die Hälfte des Buches füllen und den Leser manchmal in die Rolle des Voyeurs drängen, ist aus Vergleichen mit ähnlichem Erlebten das Selbstwertgefühl zu retten. Es ist bei einem Seitensprung am meisten gefährdet. Und wenn es nicht kaputtgeht und das will Karin Jäckel deutlich machen, kann nach "sowas" auch ein Neufang möglich sein.
(hw)
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