Reportage "FÜR SIE"
Heft 3, 18. Januar 1989
Betrug in der Partnerschaft Warum Frauen fremdgehen
Jede zweite Frau ist schon einmal fremdgegangen.
Das ergab die große FÜR SIE-Untersuchung zum Thema Eifersucht.
Jetzt gibt es ein neues Buch zum Thema „Betrug in der Partnerschaft". Die Autorin Karin Jäckel sprach mit 347 betroffenen Frauen und Männern. In FÜR SIE erklärt sie jetzt, was hinter der ständig wachsenden Zahl von Seitensprüngen steckt
Warum viele Frauen Zärtlichkeit vermissen
Sie vermissen Aufmerksamkeit, und sie vermissen Zärtlichkeit. Konkret heißt das:
Immer noch ersetzt in vielen Partnerscharten allzu häufig zum Beispiel das gemeinsame Fernsehen am Abend die gemeinsamen Gespräche. Aber auch: Zu oft geht es zu schnell ins Bett. Und zu oft geht es zu schnell im Bett. Es ist die Sehnsucht der Frauen, vom Partner sowohl mit ihren Alltagssorgen als auch mit ihren Gefühlen ernstgenommen zu werden.
Rachegefühle ("wenn er mich betrügt, betrüge ich ihn eben auch") oder Langeweile ("irgendwie ist unsere Liebe die reinste Routine") führen dagegen sehr selten wirklich zum Seitensprung. Sie führen nur dazu, daß Frauen mit dem Gedanken an eine reizvolle Affäre spielen. Aber die meisten wagen deshalb noch lange nicht, ihre Phantasien auch in die Tat umzusetzen. Häufig reicht eben die Flucht in Phantasien schon aus.
Warum eine Affäre Frauen glücklich macht
Sie fühlen sich endlich wieder als Hauptperson. Sie werden umworben und haben das Gefühl, interessant zu sein. Er nimmt ihre Nähe nicht als Selbstverständlichkeit hin, er bemüht sich um sie, er hört ihnen zu. Auch sexuell sind Frauen dem Geliebten gegenüber meist sehr viel unbefangener als im Ehebett. Sie trauen sich offener zu sagen, was sie mögen und was nicht. Das mag überraschend klingen, aber die Erklärung für diese größere Offenheit ist einfach:
Frauen sind sich natürlich bewußt, daß sie mit dem Seiten-Sprung ein Risiko eingehen, und sie sind deshalb ebenso entschlossen, alles zu tun, damit sich dieses Risiko für sie lohnt. Und wenn das bedeutet, ihre Wünsche klar und mutig zu äußern, dann tun sie auch das.
Warum eine Affäre für Männer nicht dasselbe ist wie für Frauen
Für Männer spielt die rein sexuelle Befriedigung eine wesentlich wichtigere Rolle. Deshalb haben sie auch meistens viel kürzere und häufig wechselnde Affären. Sie suchen nach einer anderen Form von Bestätigung als Frauen. Sie wollen sich eher beweisen: "Ich bin attraktiv" beziehungsweise "Ich kann noch jede kriegen". Und da reicht eben auch das Abenteuer für eine Nacht. Sie suchen sich dafür meist junge Frauen, die keinen festen Partner haben und selbständig sind. Es geht ihnen nicht um Verständnis und Romantik, sondern in erster Linie um Erotik. So kommt es nicht selten vor, daß sie die Frauen, mit denen sie ins Bett gehen, gar nicht besonders mögen, daß sie sie lediglich sexuell anziehend finden.
Warum der Geliebte meistens ein alter Bekannter ist
Meistens sind es keine Spontan-Bekannschaften, sondern Männer aus dem engsten Freundeskreis, mit denen Frauen den Seitensprung wagen. Männer, die sie schon länger kennen, zu denen sie Vertrauen haben. Wann es dann richtig funkt, hängt nur von bestimmten Anlässen ab. Das kann ein handfester Krach mit dem Ehemann sein. Oder ganz simpel seine Abwesenheit, zum Beispiel eine Geschäftsreise. Nur selten wird der Seitensprung gezielt geplant. Die meisten sagen: "Es ist so passiert. Ich konnte gar nichts dagegen machen."
Affären mit Arbeitskollegen sind immer noch selten. Hier hemmt einfach die Angst, entdeckt zu werden. Zu präsent und ernüchternd ist die Frage: „Was passiert, wenn es rauskommt?"
Warum Affären häufig unglücklich enden
„Deprimierend und schmutzig", so beschreiben Frauen ihre Seitensprung-Erfahrung, wenn sie zu dem Schluß gekommen sind, daß der Geliebte es nur auf sexuelle Befriedigung abgesehen hatte. Aber auch Frauen, die beim Seitensprung gefunden haben, was sie suchten, leiden sehr häufig unter Gewissensbissen und Schuldgefühlen.
Der Grund: Sie haben ihr Versprechen, treu zu sein, gebrochen. Und sie wissen, wie sehr es den Mann verletzen würde, wenn er von ihrem Seitensprung erführe. Auch dann, wenn sie spüren, daß der Mann sich gar nicht mehr soviel aus ihnen macht. Sie stellen sich die Frage: "Wie steht er da, wenn die Sache auffliegt?" Aber auch: "Wie geht es dann mit mir weiter?"
Denn auch das zeigt sich häufig: Die meisten Frauen wollen ihre Ehe oder feste Partnerschaft nicht aufs Spiel setzen. Denn das hieße, das eigene Leben wirklich auf den Kopf zu stellen. Trennung von einem festen Partner bedeutet natürlich auch den Verlust von innerer und äußerer Sicherheit.
Warum ein Seitensprung immer ein Alarmzeichen ist
Weil er deutlich zeigt, daß die Partner ihre Ansprüche gegenseitig nicht mehr befriedigen können. Aber anstatt zu versuchen, gemeinsam einen Ausweg zu finden, flüchten sie vor ihrem Problem.
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