Buchbesprechungen

"Deutschland frißt seine Kinder-
Familien heute: Ausgebeutet - ausgebrannt"

Überall wird gespart,
am meisten an den Kindern

6. Mai 2003

Leserzuschrift von Anne K., Ulm

Sehr geehrte Frau Jäckel,

dieser Tage ist mir Ihr Buch in die Finger gekommen. Ich finde es
s e h r interessant - leider hatte ich noch nicht die Zeit, es ganz durchzulesen. Auf Seite 319 - "Was sich ändern muß" - erwähnen Sie einen notwendigen Familienlastenausgleich zu Lasten von Kinderlosen ...

1) In einem sog. "Lastenausgleich" kann ich keine gerechte Lösung sehen. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, daß "bewußt Kinderlose" sogar sehr verantwortungsvoll handeln! Zunehmend viele junge Menschen/Paare stammen zum Teil aus gestörten Familien, oder fühlen sich einfach nicht fähig/verantwortlich für eine Partnerschaft/Elternschaft, oder haben mit Problemen aus ihrer Kindheit zu kämpfen.

2) Teilweise ist durch die zunehmend erzwungene Flexibilität in der Arbeits-/Berufswelt ein Leben mit Kindern zu kompliziert bzw. unmöglich! Es gibt immer mehr Paare, die aus beruflichen Gründen in weit voneinander entfernten Städten arbeiten (müssen) und sich deshalb höchstens nur am Wochenende sehen können. Dies läßt sich häufig einfach nicht ändern. In solchen Fällen ein Kind oder mehrere Kinder zu haben - das ist schlicht und einfach verantwortungslos.

3) Manche Menschen sind einfach nicht als Eltern geeignet, und/oder fühlen sich einem Kind/Kindern nicht gewachsen. Eine Elternschaft (um jeden Preis) zu erzwingen - das ist schlicht verantwortungslos. Jedes Kind hat zumindest ein Recht darauf, erwünscht zu sein. Wem ist damit gedient, daß Kinder einfach nur so in die Welt gesetzt werden? Es gibt schon viel zu viele unglückliche Kinder, die dieses Schicksal ertragen müssen. Ich finde dies erbarmungslos - und mit der Würde des Menschen bzw. eines Kindes - nicht vereinbar.

4) Eine traurige Tatsache ist auch, daß viele sehr junge Mädchen in der heutigen Zeit beruflich orientierungslos sind und sich ihrer Zukunft nicht gewachsen fühlen. Sie bekommen ganz einfach ein Kind, sind damit für die nächsten drei Jahre "versorgt", und leben von Sozialhilfe. Nach drei Jahren bekommt "man" dann das nächste Kind ...

5) Die Politik im allgemeinen - und die Familien-Politik im besonderen - hat restlos versagt. Überall wird gespart. Es ist naiv, anzunehmen, durch ein erhöhtes Kindergeld Eltern animieren zu können, mehrere Kinder zu haben.

6) Sehr oft fehlt ausreichender Wohnraum. Ehemals öffentlich geförderte größere/große kommunale und Genossenschafts-Wohnungen werden verkauft, meist an die älteren Mieter, und sind somit überwiegend Senioren-Wohnungen. Aus Sparsamkeitsgründen werden keine neuen Mietwohnungen gebaut - die Eigenheimzulage soll gestrichen werden. Private Hausbesitzer vermieten so gut wie gar nicht mehr an Paare mit Kindern - oder höchstens mit nur 1 Kind! Längst nicht alle jungen/jüngeren Paare zählen zu der sog. Erben-Generation.

7) Die Lösung dieses Problems steckt in einem ganz anderen Bereich ... Unsere Politiker - gleich welcher Partei - können oder wollen   n i c h t sehen, wo das Problem liegt:

8) Der Sozialstaat soll umgebaut werden! Überall wird gespart ..., nur nicht am richtigen Platz ...

9) Schuld daran ist die Altersversorgung der Politiker und Beamten! Bei der Gründung der Bundesrepublik wurde dieser verhängnisvolle Weg eingeschlagen. Inzwischen wird beinahe die Hälfte des gesamten Steueraufkommens - in Bund - Ländern - und Gemeinden - mit rasant steigender Tendenz, für die Pensionslasten aufgebraucht. Der jungen und den nachwachsenden Generationen wird zusätzlich zu den hohen/steigenden Krankenkassen-, Renten- und Pflegeversicherungs-Beiträgen auch noch die (völlig unnötige Finanzierung der >Politiker- und Beamten-Altersversorgung = Pensionslasten> zugemutet und aufgebürdet!!!

10) Dringender als alle anderen Maßnahmen ist die sofortige Umstellung der Altersversorgung von Politikern und Beamten auf das gleiche System wie das der gesetzlichen Rentenversicherung!
Der Arbeitgeber: Bund - Länder - und Gemeinden, zahlt die Hälfte des "Rentenbeitrages", die andere Hälfte die "Arbeitnehmer".

11) Da auch Pensionäre älter werden, müssen auch die Pensionen gekürzt und das "Pensions-Einstiegs-Alter" heraufgesetzt werden!

12) Mit den dadurch gewonnenen Einsparungen werden jede Menge finanzielle Mittel frei für   B i l d u n g   ,   F o r s c h u n g  und Familienförderung!

13)   D a s   i s t   s o z i a l e   G e r e c h t i g k e i t


14) Übrigens, ich habe 5 Kinder, und kenne daher die "beruflichen und familiären" Sorgen und Probleme junger Menschen/Paare (besonders auch aus deren Umfeld) bestens!

Mit freundlichen Grüßen
Anne K., Ulm

 

Erste Zuschrift von Anne K.:
Überall wird gespart, am meisten an den Kindern


Karin Jäckels erste Antwort vom 6. 5. 2003

Zweite Zuschrift von Anne K.:
Kinderarmut wegen gesetzlicher Bevorzugung der Erstehe und Benachteiligung der Zweit-Ehefrau


Karin Jäckels zweite Antwort vom 8. 5. 2003