Buchbesprechungen

"Deutschland frißt seine Kinder-
Familien heute: Ausgebeutet - ausgebrannt"

Unsere jungen Leute gehen für immer - ins Ausland

Leserzuschrift vom Vorsitzenden interstudent e.V.

25. September 2000

Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,

hatte gestern auf der Veranstaltung in der Berliner UFA Fabrik Ihr Buch gekauft und sofort gelesen.
Es ist eine beindruckende und bestürzende Situationsschilderung, die so gar nicht in das rosarote Bild der Staats-PR passt.
Ich selbst bin Vater von 3 Kindern und habe diesen Verein interstudent gegründet, da ja in Deutschland die Ausbeutung der Familien nicht mit dem 1 S.Lebensjahr des Kindes endet. Einklagbare Rechtsansprüche auf Unterhalt von monatlich 1.1 20DM und Studium an staatlichen Hochschulen, die die längste Ausbildungszeit in Europa haben, bescheren den Eltern weitere 70.000DM an Kosten aus versteuertem Geld(pro studierendes Kind.
Sollten Studiengebühren eingeführt werden, sind sie auch von den Eltern zu zahlen...
Mit Gleichgesinnten habe ich 1997 den Verein interstudent gegründet. Seit einigen Tagen sind wir auch im Web unter www.interstudent.de zu finden.Nur die englische Fassung und die Informationen zum Bildungssparen müssen noch freigeschaltet werden.

Frau Konegen-Grenier, Referatsleiterin Hochschule/Wirtschaft, am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln teilte mir neulich mit, dass nach einer Untersuchung ihres Instituts 1999 festgestellt wurde, dass 50% der großen deutschen Firmen ihre Trainees für Führungspositionen international rekrutieren.
Man kann das unterschiedlich interpretieren, zB. die deutsche Wirtschaft braucht international ausgebildete Fach und Führungskräfte oder aber: die, die unsere Hochschulen verlassen, erfüllen nicht die Anforderungen der Wirtschaft.

Wenn Sie bedenken, dass von 100 Kindern eines Jahrganges 34 das Abi und das Fachabitur machen, jedoch nur 22 mit dem Studium beginnen und von diesen 22 nur 12 einen Hochschulabschluss machen, dann ahnen Sie, dass das der Teil 2 Ihres Buches ist - hier werden die meisten gefressen. Unter den 29 OECD Ländern hat Deutschland mit den niedrigsten Anteil an Hochschulabsolventen. Durchschnitt ist 24, wir haben 12.(Bezogen auf 100 Personen eines Altersjahrganges)

Meine beiden großen Kinder haben im Ausland studiert und werden auch nicht nach Deutschland zurückkommen.Sie wollen nicht die Finanziers dieser Politik werden.

Viele meiner Bekannten denken ähnlich. Sicher nicht die beste Lösung für Deutschland, aber aus Sicht der Familie optimal.
Jährlich fangen etwa 7.000-8.000 junge Leute aus Deutschland im Ausland an zu studieren. Keine Statistik in D erfasst sie. Kein Amt fördert das Vollstudium im Ausland oder berät dazu. Viele dieser jungen Leute gehen für immer - dorthin wo die Bedingungen besser sind. Die Antwort des Staates ist die Green Card -und nicht die Verbesserung der Bedingungen.

Ich bin Jahrgang 52 und habe schon einen Staat Pleite gehen sehen. Vieles hier und heute und so wie Sie es in Ihrem Buch beschrieben haben, erinnert mich an die 50ziger Jahre in der DDR. Leider.

Mit freundlichen Grüßen
Vorsitzender
interstudent e.v.