Buchbesprechungen

"Es kann jede Frau treffen -
Vergewaltigung"

Vergewaltigung geht alle an —
Keine sollte ausschließen, daß es sie treffen kann

Saarbrücker Zeitung

3. März 1988

von Heinz Weinkauf/ub

Es kann jeder Frau passieren

Wenn da zu lesen ist, „es liegt in unser aller Händen, die traditionellen Wertmaßstäbe von der Macht und Kraft des Mannes und der Dulderrolle der Frau zu korrigieren und durch eine Gleichberechtigung zu ersetzen, die auch das Grundgesetz vorschreibt", dann ist das mehr als eine nur verbale Forderung. Es ist der dringende Appell nach „einer gegenseitigen Anerkennung der Geschlechter", die Gegenwehr überflüssig macht — eine Gegenwehr, wie sie in letzter, abscheulichster Konsequenz von einer Vergewaltigung herausgefordert wird. Zehntausende von Mädchen und Frauen werden allein in der Bundesrepublik alljährlich Opfer eines solchen Verbrechens. Mehr als 7000 dieser Fälle werden angezeigt, die Dunkelziffer, so wissen es Fachleute, ist um ein Vielfaches höher.

Wie kommt es zu einer solchen widerwärtigen Tat? Was sind die gesellschaftlichen Hintergründe? Wer sind die Täter? Was sagt das Gesetz? Karin Jäckel ist solchen Fragen nachgegangen und hat sie einem 235-Seiten-Paperback zu beantworten versucht. "Es kann jede Frau treffen" ist der Titel dieses neuesten Heyne-Reports (9,80 DM).

An einigen Fallbeispielen zeigt sie, wie oft nicht zuletzt Vertrauenseligkeit, Unbedachtheit, Unbesorgtheit schlimme Folgen haben können, bemüht sich, aus der Analyse der einzelnen Fälle zu den richtigen Reaktionen im Ernstfall zu verhelfen, befaßt sich mit Folgen von Vergewaltigungen und Vorsorgemaßnahmen, nennt Adressen und Institutionen für Hilfe und Rat, wenn's geschehen ist.

Eine Anlaufstelle für Frauen und Mädchen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind (und die in diesem Buch leider noch nicht aufgeführt ist) gibt es auch im Saarland. Unter der Telefonnummer (06 81) 3 67 67 (montags bis freitags 10 bis 18 Uhr) versuchen die Mitarbeiterinnen der „Notrufgruppe für vergewaltigte und mißhandelte Frauen e.V. Betroffenen zu helfen, mit der ungewollten Situation fertig zu werden.
Eine Broschüre mit wichtigen Informationen (was nach einer Vergewaltigung zu tun ist) kann bei der Notrufgruppe Landwehrplatz 2, 6600 Saarbrücken, kostenlos angefordert werden.
Heinz Weinkauf/ub