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Buchbesprechungen

"Der gebrauchte Mann -
Abgeliebt und abgezockt -
Väter nach der Trennung"

Gesendet: Mittwoch, 11. Februar 2009 20:04
An: karin.jaeckel@t-online.de
Betreff: Vielleicht können Sie mir helfen??

Sehr geehrte Frau Jäckel,

leider kenne ich keines Ihrer Bücher, aber jetzt wo ich die Bücherliste gesehen habe werde ich doch neugierig. Ich weiß auch nicht genau, was mich dazu bringt ihnen diese Mail zu schicken, aber vielleicht hoffe ich auf Antworten. Ich versuche ihnen mal einen kurzen Abriss meiner doch mittlerweile schwierigen Lage zu geben.

Ich bin verliebt, eigentlich glücklich und schwanger. Das klingt jetzt ja Alles noch nicht schlimm:
Vor ca 6 Monaten kam mein Lebensgefährte zu mir und fing an sein Leben mit mir zu planen. Kinder bekommen, heiraten, gemeinsam aufs Land ziehen. Ich war hin und weg. Wir kennen und schon ein paar Jahre. Ich hab mir das wirklich gut überlegt und immer wieder dieses Thema angesprochen. Vor drei Monaten habe ich dann die Pille abgesetzt und nun bekommen wir ein Baby.

Seit mein Freund davon weiss, bricht hier Alles zusammen...

Ich bin jetzt in der 8ten Woche und er weiss es von Anfang an, aber er will dieses Baby nicht. Ich soll es abtreiben lassen. Er fühle sich total überfordert und habe Angst. An seinen Gefühlen für mich liegt es nicht, zumindest behauptet er das mir und seinen Eltern gegenüber.

Sie müssen wissen, Alle freuen sich total über dieses Baby und wirklich niemand versteht ihn.
Ich bin am Ende meiner Kräfte.

Ich werde dieses Baby bekommen, ich habe mich damals dafür entschieden, wir haben uns dafür entschieden. Er ist nicht mehr der Mensch den ich kennen und lieben gelernt habe. Er liegt Nachts wach und er ist völlig am Boden zerstört. Er sagt, ich ruiniere ihm sein Leben. Ich habe einen Egotrip und wolle unbedingt alles zerstören.

Und nun kommen Sie ins Spiel, ständig erzählt er mir von Ihrem Buch "Der abgezockte Mann", ich sei typisch dafür und Sie hätten diese Situation vorrausgesagt. Ich sei die, die ihn vernichten wolle und nur scharf auf dieses Baby.

Wenn ich ihn dann darauf hinweise, dass das schließlich alles seine Idee gewesen sei und wir das gemeinsam entschieden haben, dann sagt er mir: "Es gibt Fehler, die macht man nur einmal." Er sei froh Ihr Buch gelesen zu haben, damit er wisse, wie er sich jetzt zu verhalten habe. Er hat tierisch Sorge, dass er für das Baby zahlen muss, wenn ich gehe.

Ich lehne das wirklich total ab. Wenn er mich so hängen lässt, dann will ich mit ihm wirklich nichts mehr zu tun haben, dafür bin ich zu stolz.

Wenn ich meine Tasche nehme und gehen will, dann hält er mich fest und will es nicht zulassen. Wirklich jeder steht auf meiner Seite und glauben Sie mir, ich will hier nicht weg! Aber ich weiss mir wirklich keinen Rat mehr. Gutes Zureden, anschreien oder Briefe - nichts hilft.

Bin ich wirklich typisch für Ihr Buch???

Grüsse

Katja

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Gesendet: Mittwoch, 11. Februar 2009 22:02
An: Katja
Betreff: AW: Vielleicht können Sie mir helfen??

Liebe Katja,

die Frauen aus meinem Buch sind ganz überwiegend "Mega-Biester", die sich bewusst, oft böswillig oder durch andere dazu verleitet, entschlossen haben, ihren Kindern den Vater zu entziehen und den aus den verschiedensten Gründen nicht mehr geliebten Mann nach allen Regeln der juristischen Kunst und zwischenmenschlichem Egoismus abzuzocken.

Von daher sind Sie ganz offensichtlich NICHT der Prototyp meines Buches.

Es tut mir leid, dass der Vater Ihres Kindes durch die Schwangerschaft in eine Krise geraten ist. Das ist allerdings keine Seltenheit, sondern kommt mindestens so oft vor wie der gefürchtete Baby-Blues, der eine Mutter nach der Geburt ihres Kindes überfluten kann, obwohl sie sich während der ganzen Schwangerschaft auf das Kind freute. Beide Krisen sind Angstkrisen, die dadurch ausgelöst werden, dass man sich der Verantwortung und den mit einem Kind zu erwartenden Rücksichtsnahmen nicht gewachsen fühlt.

Männer, zumal Erst-Väter, haben oftmals durch die Tatsache, nun selbst Vater zu werden und nicht mehr nur Sohn zu sein, eine ungeheure Angst, plötzlich quasi ihre Jugend und Freiheit zu verlieren. Auf einmal sollen sie nicht mehr der Junior sein, sondern werden selbst Senior.

Sie haben Angst, als Vater Fehler zu machen wie die, die sie selbst am eigenen Vater kritisiert haben. Sie befürchten, ihrem Kind nicht gerecht werden zu können, sich mit der Mutter des Kindes über divergierende Erziehungsansichten zu streiten, in der Paarbeziehung zu scheitern. Oft haben sie auch ein schlechtes Gewissen der Partnerin gegenüber, der die Geburt des Kindes Schmerzen bereiten wird. Oder sie haben Angst, sich emotional zu sehr an das Kind zu binden und dann durch eine befürchtete Trennung, die heute als Schreckgespenst wegen der hohen Scheidungsquote fast bei jedem Paar von Anfang an im Raum steht, alles zu verlieren und daran kaputt zu gehen.

Vielleicht haben Sie Lust, gemeinsam mit Ihrem Liebsten mein Buch zu lesen.Es wird Sie zu gemeinsamen Gesprächen anregen und Ihnen beiden helfen, gemeinsame Elternschaft besser zu erkennen und umzusetzen. Kinder brauchen immer beide Eltern, auch dann, wenn die Eltern sich nicht mehr zu brauchen meinen. Das sollte ein unumstößliches Wissen sein und bleiben und aus Liebe zu einem gemeinsamen Kind wie ein Versprechen sein, das man sich als Eltern für immer gibt und mit festem Willen einhält. Eltern ist man nämlich für immer; auch wenn man kein Liebespaar mehr ist. Deshalb gilt das Gelöbnis gemeinsamer Elternschaft im Ernstfall weit mehr als das Gelöbnis, das man sich als Paar mit dem Ziel „für immer“ auf dem Standesamt und vor Gott gibt.

Klären Sie mit dem Vater Ihres Kindes jetzt, da Sie sich lieben, ganz offiziell Fragen wie gemeinsames Sorgerecht und das Recht des Kindes auf beide Eltern für immer, auch bei einer (hoffentlich nie) eintretenden Trennung. Bereiten Sie ein entsprechendes Papier gemeinsam vor, das Sie jetzt schon beide handschriftlich mit Datum unterzeichnen, durch einen Zeugen gegenzeichnen lassen und mit einem Familienanwalt oder Notar spätestens dann verbindlich regeln, wenn die Entbindung kurz bevor steht.
Ein solches Papier sichert nicht vorrangig den Vater, sondern Ihr Kind vor einer Fremdbetreuung, falls Sie als Mutter nach der Geburt nicht oder nicht sofort dazu in der Lage wären, sich um das Baby zu kümmern.

Erst vor wenigen Monaten hatte ich den Fall eines jungen nicht ehelichen Elternpaares hier zur Beratung, das sich auf ein erstes Kind gefreut hatte und es dann durch das Jugendamt verlor, weil die per Gesetz allein erziehende Mutter erkrankte und das Jugendamt der Meinung war, ein per Gesetz nicht sorgeberechtigter Erst-Vater sei nicht in der Lage, für das Baby zu sorgen, zumal es ein Töchterchen war. Da die Eltern keine gemeinsame Sorgerechtserklärung geschlossen hatten, anerkannte das Jugendamt die Elternrechte des Vaters nicht. So kam das Baby in eine Pflegefamilie des Jugendamts, wo es sich immer noch befindet, obwohl die Mutter längst wieder gesund ist. Die Herausgabe an die Eltern wird verweigert, weil das Jugendamt der Meinung ist, das jetzt etwa achtmonatige Baby habe sich an die Pflegeeltern gewöhnt und eine Trennung sei gegen das Kindeswohl.

Machen Sie als Eltern sich miteinander bewusst, dass ein nicht ehelicher Vater gesetzlich bedingt keinerlei eigene Elternrechte an Ihr gemeinsames Kind haben kann und wird, wenn Sie als nicht eheliche und daher gesetzlich allein sorgeberechtigte Mutter ihm diese Elternrechte nicht freiwillig erteilen und dass er im Falle des (hoffentlich auch nie) eintretenden Ernstfalls niemals ein Recht hätte, das gemeinsame Kind selbst großzuziehen, wenn Sie ihm dieses Recht nicht erteilt haben.

Das Gesetz sieht zwar ein gemeinsames Elternrecht als wünschenswert an, doch die Rechtspraxis schafft ganz überwiegend allein erziehende Mütter und Kinder, die vaterlos aufwachsen müssen sowie Väter, die auf bloße Unterhaltspflichten reduziert sind und ihre Kinder nicht (mehr) sehen dürfen. Die dadurch entstehende emotionale und finanzielle Notlage ist Angst auslösend.

Vor diesem gesetzlichen Hintergrund ist es ziemlich verständlich, dass ein werdender Vater Zukunftsängste bekommt und seine Rolle als Vater, die er eigentlich gern und aktiv und für immer ausfüllen würde, quasi vorbeugend abzulehnen beginnt, weil er Angst hat, den eines schlimmen Tages womöglich auf ihn hereinbrechenden Trennungsschmerz und den Verlust des Kindes nicht aushalten zu können.

Glauben Sie mir, die Angst, die Ihr Liebster jetzt hat und die ihn so in Panik versetzt und zu unhaltbaren Vorstellungen drängt, ist im Grunde das Zeichen seiner großen Liebe zu Ihnen und der Beweis seiner riesengroßen Angst, Sie und das gemeinsame Kind eines Tages zu verlieren und dann daran zugrunde zu gehen.

Grüßen Sie ihn herzlich von mir und sagen Sie ihm, dass "abgeliebte, abgezockte Väter" keine Männer sind, die von der Mutter ihrer gemeinsamen Kinder geliebt werden und dass die Väter aus meinem Buch ihren rechten Arm für die Liebe gehen würden, die Sie ihm entgegenbringen.

Mit allen guten Wünschen für Sie, Ihren Liebsten und Ihr gemeinsames Kind
Ihre
Karin Jäckel

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Gesendet: Donnerstag, 12. Februar 2009 21:25
An: karin.jaeckel@t-online.de
Betreff: AW: Vielleicht können Sie mir helfen??

Vielen Dank Frau Jäckel,

ich habe mich sehr über ihre Antwort gefreut, zumal ich nicht wirklich damit gerechnet habe. Und ich glaube ihre Zeilen haben vielleicht auch einen kleinen Ruck in die richtige Richtung gebracht. Mein Freund spricht wieder normal mit mir und will sich ihr empfohlenes Buch mal anschauen. Natürlich ist es auch hilfreich für mich, sein Gefühlsleben durch eine dritte Person beleuchtet zu bekommen.

Ich hoffe sehr wir schaffen das!!

Vielen lieben Dank noch einmal, sie haben mir meine erste ruhige Nacht seit Wochen beschert.

Liebe Grüsse

Katja



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