Leseprobe

"Der gebrauchte Mann -
Abgeliebt und abgezockt -
Väter nach der Trennung"

THOMAS, 37 Jahre, und SANDRA, 38 Jahre

Thomas: "An meine Tochter Melanie"

Wenn Du diese Zeilen liest, werde ich schon lange tot sein, denn ich habe beschlossen, daß der heutige Tag mein Todestag ist. Deine Mutter wird Dir erklären, warum dies so ist. Glaube mir, viel lieber hätte ich mit Dir gelebt."

(Thomas starb bei einem Autounfall. Er raste in Süditalien gegen den Betonpfeiler einer Autobahnbrücke. Er war sofort tot. Seinen Abschiedsbrief an seine Tochter fand man in seinem Banksafe. Dort befand sich auch ein Testament, aus dem hervorging, daß Thomas seinen gesamten Besitz einer karitativen Einrichtung vermacht hatte. Aus dem Datum ging hervor, daß Thomas dieses Testament an dem Tag verfaßt hatte, an dem Sandra ein gemeinsames Sorgerecht endgültig verweigert hatte. Zwischen der notariellen Beglaubigung des Testaments und Thomas' Tod lagen elf Tage.)

Sandra: "Das Kind ist aus meinem Bauch

Ich war damals Mitte Dreißig. Alles, was mir beruflich vorgeschwebt war, hatte ich erreicht. Ich besaß eine schöne Wohnung, ein Auto, um das mich die Männer beneideten, etwas Geld auf der Bank. Aber irgendwie fühlte ich mich ziemlich leer. War's das schon? dachte ich. Immer derselbe Trott, derselbe Streß. Ich fand, es wurde Zeit, an die Zukunft zu denken. Also begann ich, mich nach einem geeigneten Mann umzusehen. Ich hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie er beschaffen sein müßte. Schließlich lernte ich ihn kennen. Er hieß Thomas, war Zahnarzt mit eigener Praxis und hatte Geld genug für Frau und Kind.

Ich sorgte dafür, daß er auf mich aufmerksam wurde. Es fiel mir nicht schwer, mich zu verlieben. Ich machte mir sogar ziemlich viel aus ihm. Er machte sich bald auch ziemlich viel aus mir. Er lud mich ein, zu ihm zu ziehen. Seine Wohnung war nichts Besonderes, aber gemütlich. Ich zog gerne ein. Allerdings behielt ich heimlich meine eigene Wohnung und arbeitete weiterhin.

Es dauerte fast ein Vierteljahr, ehe ich schwanger wurde. Ich hatte jahrelang die Pille genommen und eigentlich damit gerechnet, sofort schwanger zu werden, sobald ich sie absetzte. Es war eine Überraschung, daß es so lange nicht klappte. Aber da meine Frauenärztin mir versichert hatte, daß alles mit mir in Ordnung sei, machte mir das Warten nichts aus. Es gefiel mir sogar. Es steigerte die Vorfreude. Thomas erzählte ich nichts. Ich fand, es ging ihn auch nichts an.

Als ich es endlich geschafft hatte, schwanger zu sein, teilte ich es Thomas mit. Er fiel aus allen Wolken, wollte mich aber sofort heiraten. Also taten wir es. Meine Tochter Melanie kam ein halbes Jahr später auf die Welt. Thomas störte jetzt wahnsinnig. Ich hatte mich mit diesem Mann eingelassen, weil ich ein Kind von ihm haben und anschließend finanziell auf der sicheren Seite stehen wollte. Die Romanze zwischen uns war zu Ende. Das war mir eigentlich schon vor Melanies Geburt klar. Im Grunde hatte ich nur noch abgewartet, ob mit dem Kind alles in Ordnung war. Ein behindertes Kind hätte ich keinesfalls bei mir behalten.

Thomas rechnete damit, daß ich eine Woche nach der Entbindung nach Hause kommen würde. Er tat mir leid, weil er sich so dafür begeistern konnte, wie wir in seiner Wohnung hausen und glücklich wie die Turteltauben sein würden. Aber mein Entschluß war gefaßt. Ich verließ das Krankenhaus schon am vierten Tag, ohne Thomas zu benachrichtigen. Meine Zugehfrau hatte in der Zwischenzeit meine eigene Wohnung in Ordnung gehalten. Als ich mit meinem Kind zur Tür hineintrat, kam es mir vor, als wäre ich nie fort gewesen.

Thomas tat mir durchaus leid. Ich bin schließlich kein Hackklotz. Vor allem, als er sich dann das Leben nahm. Aber ich habe kein schlechtes Gewissen.

Melanie ist mein Kind. Ich bin ihre Mutter. Dieses Kind ist in meinem Bauch gewachsen. Und ich habe es unter Schmerzen zur Welt gebracht. Thomas war mehr oder weniger ein Zufallsmann. Er hatte ein Zehn-Sekunden-Glück bei der Sache. Mehr nicht. Pech für ihn war, daß Männer heute in puncto Liebe per Gesetz zur Kasse gebeten werden, ihre Kinder aber nicht bekommen. Worüber ich mich durchaus nicht beklage. Es ist ja voll und ganz in meinem Sinn. Ich will damit sagen, daß ich mich nicht zu schämen brauche. Ich habe von dem Erzeuger meines Kindes verlangt, was mir gesetzlich und rechtmäßig zusteht. Ich schrieb ihm, daß ich ihn freigebe und die Scheidung wolle. Ich schrieb ihm, daß er uns auch freigeben solle. Aber dummerweise hatte Thomas andere Vorstellungen als ich. Jetzt auf einmal kam dieser Mann daher und behauptete, mein Kind sei sein Kind. Forderte Mitspracherecht bei der Erziehung, forderte mein Kind für sich. Ich habe nie eingesehen, mit welchem Recht. Etwa mit dem Recht des Chromosomensatzes, den er anteilig an meinem Kind geliefert hat? Ja, erwirbt sich denn ein Kaufmann ein Recht, meinen Kuchen zu essen, nur weil er der Lieferant der Zutaten war?

Ich hatte Thomas geheiratet, weil ich ein Kind wollte und dieses Kind einen Vater haben sollte, für den es sich nicht schämen müßte. Ich hatte einen Mann als Erzeuger für dieses Kind ausgesucht, der Geld genug hatte, um die Erziehung zu sichern und zu garantieren, daß ich als Mutter Zeit genug für mein Kind haben würde. Aber ich hatte ihn nicht geheiratet, um für immer und ewig mit ihm Händchen zu halten. Ich versuchte, Thomas alles zu erklären. Ich habe ihm mindestens drei, vier Briefe deswegen geschrieben. trotzdem wurde das erste Jahr nach unserer Trennung ziemlich hart für mich. Thomas versuchte mit allen Tricks, zumindest das Kind zurückzuholen. Aber ich hatte eine Spitzenanwältin genommen. Sie machte ihre Sache wirklich gut. Nach dem obligatorischen Trennungsjahr wurden Thomas und ich endlich geschieden. Melanie wurde mir zugesprochen. Daß Thomas sich zwei Monate später das Leben nehmen würde, war nicht eingeplant und von mir auch nie beabsichtigt. Es tut mir natürlich leid.

Wirklich schlimm ist, daß Thomas kaum Geld hinterlassen hat, so daß Melanie und ich ziemlich dumm dran sind. Seine Eltern haben zwar versprochen, daß sie einen Teil der Kosten für Melanie übernehmen, aber das ist ja nichts Reelles. Das beunruhigt mich schon. Da weiß ich auch noch nicht, wie ich damit umgehe. Es sei denn, ich heirate noch mal. Ob ich mich schlecht dabei fühlen werde? Nein, eigentlich nicht. Eher so wie nach einem gelungenen Coup.


Neue Väter braucht das Land

Daß der inzwischen rund 150 Jahre auf- und abwogende Kampf zwischen Mann und Frau letztlich um die Vorherrschaft des Matriarchats beziehungsweise Patriarchats als regierender Gesellschaftsordnung geht, manifestiert sich heute in der militanten Agitation der Frauenbewegung. Eines der hervorstechendsten Ergebnisse der permanenten Attacken gegen das Selbstverständnis des Mannes ist eine jede soziale Schicht der Gesellschaft durchziehende tiefe Verunsicherung, wie ein Mann denn zu sein habe, um ein richtiger, ein guter, ein frauenfreundlicher Mann und Vater zu sein. Die feministisch forcierte Debatte um den neuen Mann, der den faulen Schmarotzer am Busen der geknechteten und ausgebeuteten Frau endlich endgültig ablösen soll, verleiht dieser Unsicherheit Ausdruck.

Angesichts der Heftigkeit der Diskussion könnte frau versucht sein, den neuen Mann als Phantom in dem Bereich der unerfüllbaren Illusionen anzusiedeln. Doch weit gefehlt - die Journalistin Christine Mortag saß schon einmal einem ausgewachsenen Exemplar leibhaftig gegenüber.
"Alle reden von den neuen Vätern", schrieb sie in "Gala" vom 25.1.1996, "Til Schweiger ist einer von ihnen." Für ihn seien Gefühle "in", Kind gehe vor Karriere. Seit der Geburt seines Sohnes vor wenigen Monaten müsse der als "Der bewegte Mann" bekannt gewordene Schauspieler als Paradebeispiel für die neue Vätergeneration gelten.
Wie das, fragt frau sich.
Er und seine Frau hatten sich das Kind sehr gewünscht, gestand der Star. Zur Vorbereitung auf die Vaterschaft habe er viele Bücher über Schwangerschaft gelesen und sei auch jedesmal mit zum Frauenarzt gegangen. "Stolz wie Bolle" sei er gewesen und habe nie verstanden, daß seine Frau sich während der Schwangerschaft unattraktiv gefunden habe. In Wirklichkeit sei sie nie so schön gewesen. Aber da hätten Frauen "echt einen Knall". Als das Kind geboren wurde, habe er erst mal geweint. "Mir sind die Tränen nur so runtergekullert."
Für selbstverständlich hält er es, mit Frauen über Windelsorten zu fachsimpeln, den Jungen zu wickeln, ihn zum Einschlafen durch die Wohnung zu tragen und sogar ein Filmangebot abzulehnen, um mehr Zeit für das Kind zu haben. Zwar könne er sich vorstellen, in Bedrängnis zu geraten, wenn ein Angebot aus Hollywood kommen sollte, grundsätzlich aber gehe "Produktion Kind vor Produktion Film", denn "durch das Kind weiß ich, was wirklich wichtig ist im Leben".

Als ich anderen Vätern diesen Bericht zu lesen gab, um ihre Meinung über neue Väter zu hören, erntete ich sowohl Zustimmung zu den Empfindungen des Vaters Til Schweiger als auch müdes Lächeln und Abwinken.

"Ja, und?" meinte Paul, Vater von zwei Mädchen, die er seit der Scheidung vor knapp fünf Jahren nicht mehr gesehen hat, weil die Mutter jeden Kontakt verhindert. "Glaubst du, das war bei mir anders? Ich war auch total verrückt darauf, endlich Vater zu werden. Meine Frau und ich legten sogar ein Kissen unter ihren Hintern, damit es nur ja klappt. Als die Kinder da waren - die beiden sind nur ein Jahr auseinander -, habe ich meiner Frau alles abgenommen, was bloß irgendwie ging. Ich bin nachts und auch in aller Herrgottsfrühe aufgestanden wegen der Fläschchen, damit sie länger schlafen und sich ausruhen konnte. Ich habe stundenlang an den Bettchen gesessen, wenn die Kinder Zähne bekamen oder krank waren oder schlecht geträumt hatten. Ich habe sie sogar im Tragetuch mit mir rumgeschleppt und die Zähne zusammengebissen, wenn die Kollegen blöd gegrinst haben. Beruflich zurückgesteckt habe ich auch, und zwar ohne langes Drumherumgemache. Zum Beispiel eine interessante Versetzung ins Ausland ausgeschlagen, weil ich wußte, daß meine Frau nie mitkommen würde. Das war für mich alles selbstverständlich. Ich wollte weder sie noch die Kinder verlieren. Das war mir meine Karriere nie wert. Die Familie war das Größte für mich. Wenn das alles Erkennungsmerkmale für die neuen Väter sind, dann war ich brandneu.
Und, hat mir das etwas genützt? Meine Frau hat die Scheidung beantragt, weil sie in einem Urlaub, den sie unbedingt mal wieder nicht bloß als Muttertier, sondern ohne die Kinder und mich verbringen wollte, einen anderen kennengelernt. Was sollte ich da machen? Ich habe geredet, geweint, gebettelt und geflucht. Ich habe eine Familientherapie vorgeschlagen, eine Trennung auf Probe. Ich habe ihr angeboten, getrennte Wohnungen in unserem Haus zu beziehen; sie mit den Kindern, ich allein. Ich habe mich mit ihr und ihrem Liebhaber zusammengesetzt und versucht, eine Lösung für alle zu finden. Aber da war nichts. Sie wollte keine Kompromisse, keine Tests. Sie wollte weg. Ich hatte nicht die geringste Chance.
Die Kinder wurden ihr zugesprochen. Sie wohnen bei ihr und sagen "Daddy" zu dem neuen Mann im Haus, damit sie alle wie eine richtige Familie wirken. Ich drücke mir die Seele an der Fensterscheibe platt und zahle.
Die Abbuchung monatlich vom Konto und die Gedanken das war's für mich und tschüs. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.
Wenn du mir damit kommst, daß Frauen neue Männer wollen - stimmt, völlig d' accord. Wenn sie den alten satt haben, muß ein neuer her. C'est la vie, mon ami. Alles andere Gefasel von neuen Männern ist Augenwischerei. Ganz egal, wie sehr du als Mann versuchst, deine weiblichen Anteile zu aktivieren - wenn die Frau genug von dir hat, schickt sie dich in die Wüste. Und die Kinder behält sie. Dein Pech, wenn sie dir damit das Herz bricht. Du hättest ja besser auf dich aufpassen können.
Dieser Til Schweiger, von dem du redest - was macht der, wenn seine Frau die Schnauze von ihm voll hat und mit seinem Sohn in die Staaten abhaut? Was fängt er dann an mit seiner Vaterliebe und seinem Familienglück und seiner Erkenntnis, was wirklich im Leben zählt? Vielleicht war er schlau und hat einen Ehevertrag abgeschlossen, der die Sache zu seinen Gunsten regelt. Wenn nicht, wenn er so blöd war wie ich und die meisten Männer, die ich so kenne, dann kann er sich seine Liebe zu dem Kind auch in die Haare schmieren und an jedem Zahltag Hurra schreien, weil er Geld für Liebe hinblättern darf.
Neue Väter, das mag ja eine gute Lösung für Frauen sein. Männer sind besser beraten, wenn sie die alten bleiben. Meinem Vater und meinem Großvater sind die Frauen jedenfalls nicht davongelaufen, und wir Kinder hatten nicht nur eine Mutter, sondern immer auch einen Vater."

Männer, das faule Geschlecht? / Wie es zum Streit kommt

Abgesehen von dem Millionenheer der arbeitslosen Männer und Väter, die sicher auch nicht glücklich über ihre Lage sind und lieber arbeiten als vor Sozialeinrichtungen Schlange stehen würden, arbeiten Männer und Väter im Normalfall hart in dem von ihnen ausgeübten Beruf. Nur wenige können es sich leisten, ihre Arbeitszeit und Arbeitsleistung frei einzuteilen. Die Mehrheit kommt bei einer tariflich festgelegten Arbeitszeit auf nicht ganz acht Arbeitsstunden pro Tag. Die Arbeitszeiten sowie die Aufgabenstellung werden von einem Arbeitgeber bestimmt und richten sich nach dem Interesse des arbeitgebenden Betriebes. Ob diese Interessen deckungsgleich mit denen des Arbeitnehmers oder seiner Familie sind, steht nicht zur Diskussion. Für seine Arbeitskraft und seinen persönlichen Einsatz im Betriebsinteresse steht jedem Arbeitnehmer ein entsprechender Lohnausgleich zu. Von diesem Lohnausgleich bestreiten Männer und Väter kein ihrem alleinigen Vergnügen dienendes Taschengeld, sondern den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien. Nur in den seltensten Fällen können sie auf andere Einkommensquellen zurückgreifen und ihre Abhängigkeit von einem festen Arbeitsverhältnis reduzieren.
Die Mehrheit der Männer nimmt zum Teil erhebliche körperliche und seelische Belastungen in Kauf, um erwerbstätig sein zu können.
Sie akzeptieren ungünstige Arbeitszeiten mit wechselnden Schichten bei Tag und bei Nacht. Viele gehen morgens aus dem Haus, wenn die Kinder noch schlafen und oft auch die Frau, und kommen abends zurück, wenn zumindest die kleineren Kinder schon wieder schlafen. Sie nehmen lange Anfahrtszeiten zur Arbeitsstelle hin, obwohl diese auf überfüllten Autobahnen und in ebenso überfüllten Zügen zusätzlichen Streß oder Unfallgefahren bedeuten. Auch Arbeiten auf Montage im In- und Ausland, im Fernverkehr oder in wechselnden Betriebsfilialen sind alles andere als Ferienaufenthalte.
Als zusätzliche Leistung erbringen sehr viele Männer nach Feierabend Schwarzarbeit, um das Geld als Zubrot für die Familie zu erwerben. Andere bauen stundenlang an einem eigenen Haus oder helfen Freunden und Verwandten bei deren Hausbau, weil bekanntlich eine Hand die andere wäscht und ohne gegenseitige Unterstützung ein eigenes Haus nicht zu finanzieren wäre. Kaum ein Mann und Vater stellt sich diesen Anforderungen nur, weil er begeistert arbeitet. Er tut es auch als Liebesbeweis, um seiner Familie etwas bieten zu können, damit zum Beispiel die Frau es schön zu Hause oder eine Putzhilfe zur Entlastung hat, damit es den Kindern später besser gehen soll, damit nicht jeder Pfennig dreimal umgedreht werden muß, damit eine gute Ausbildung für die Kinder, ein eigenes Haus, ein Auto und die jährliche Urlaubsreise zu finanzieren sind.

Wenn diese Männer nach einem Achtstundentag plus vielleicht ein, zwei Stunden Autobahn nach Hause kommen, sind sie selten fit fürs Familienleben. Weit eher sind sie müde, aus der Müdigkeit heraus leicht reizbar und "reif für die Insel", sprich für den Fernsehschlaf. Und schon knallen bei Frau und Kindern die Sicherungen raus, denn ihre Erwartungshaltung an den Mann und Vater endet nicht bei der Ablieferung des Geldes.
Entweder hat die Frau selbst einen stressigen Arbeitstag mit vergleichbaren Belastungen wie der Mann hinter sich und ist ebenso müde und ebenso reizbar und ebenso reif für die Insel. Oder sie hetzt sich während eines strammen Hausfrauentages mit putzen, waschen, kochen ab, mit dem Einkauf und Taschenschleppen, als Chauffeuse für die Kinder, als kostenlose Hilfslehrerin beim Überwachen der Hausaufgaben, als Seelentrösterin oder Wundheilerin und nicht zuletzt als Verantwortliche für das soziale Netz der Freundschaftsbeziehungen. Auch diese Frau ist gegen Abend fix und fertig.

Und hier, an diesem Punkt, bricht der erbitterte Krieg der Geschlechter um Arbeit und Faulenzerei voll aus.
Anstatt nun einer dem anderen in Respekt und Würde zu begegnen und einer die Leistung des anderen zu achten, schlagen Männer und Frauen einander die jeweilige Verachtung dieser Leistung um die Ohren. Männer werfen Frauen vor, "das bißchen Haushalt ist doch kein Problem". Frauen feuern wutentbrannt zurück, daß die Ernährer mit dem ach so harten Job in Wahrheit nichts als durchtriebene Drückeberger seien, die Frauen "für sich arbeiten lassen". Arbeit, so scheint es, ist nur mehr das, was man/frau selbst leistet.

Männer, das faule Geschlecht? / Warum sie wenig im Haushalt helfen

Es dringt leider kaum an die Öffentlichkeit, doch mittlerweile weiß selbst im hintersten Hinterbergtupfingen jeder junge Mann Bescheid, wie Frauen über Machos denken, denen die Hände bis zu den Ellenbogen in den Hosentaschen anwachsen. Männer, die sich zeit ihres Lebens weigern, einen Staubsauger zu bedienen, ihren Kindern die Windeln zu wechseln oder ins Abwaschwasser zu greifen, gehören ins Antiquariat und sind im Aussterben begriffen.
Wie kommt es dann aber, daß statistische Fakten ganz andere Erkenntnissebieten?
Gerade mal 13 Prozent der Männer helfen gelegentlich beim Wäschewaschen, erfahren wir da. Lediglich schlappe 32 Prozent könnten sich manchmal überwinden zu kochen, und höchstens 33 Prozent griffen schon mal zum Putzlappen. Alles in allem würden maximal fünf Prozent der gesamten Hausarbeit von Männern übernommen. Hingegen hätten Frauen bis zu 216 verschiedene Tätigkeiten abzuleisten, für die sie bis zu 80 Stunden wöchentlich auf den Beinen sein müßten.

Wie wäre es denn, wenn frau angesichts dieser Zahlen einmal hinter die Kulissen guckte und sich selbst die Gretchenfrage stellte, wie frau es denn mit der Hilfe der Männer im Haushalt hält?
Was passiert denn meistens, wenn Männer, die mithelfen wollen, die Ärmel aufkrempeln und zupacken? Spülen sie frau etwa sauber genug ab? Legen sie die Wäsche sorgfältig genug gefaltet in den Schrank? Kriegen sie Bügelfalten nicht immer ausgerechnet dort hineingeplättet, wo sie gar nicht hingehören? Muß ihnen nicht überall nachgewischt werden, wenn sie den Putzlappen schwingen? Bringen sie beim Staubwischen nicht alles durcheinander, so daß das Wiederaufräumen des Krimskrams frau mehr Zeit kostet, als hätte sie alles gleich selbst erledigt? Hören Männer trotz des gezeigten guten Willens nicht ständig, daß sie zu nichts zu gebrauchen seien, zwei linke Hände hätten, frau es schneller, besser könne und es daher lieber gleich und schnell selbst mache, wenn auch unter Murren und Zetern? Und nicht ohne dem Mann ein schlechtes Gewissen zu verpassen, bis dieses sich in einem Zornausbruch Luft verschafft und frau die Bestätigung hat, die sie braucht, daß Männer nämlich total blöd sind?

Loben, zur Mitarbeit motivieren, Arbeitsteilung nicht nur stillschweigend erwarten, sondern deutlich aussprechen, was sie will und wie sie es will, Anerkennung geben - schafft frau das überhaupt noch? Und wenn nicht, nimmt es dann wirklich Wunder, daß Männer rasch mit der Zeitung aufs Klo verschwinden, bis die angebrannten Töpfe ausgekratzt sind?

Männer, das faule Geschlecht? / Warum sie nicht 50% übernehmen

Männer sollten grundsätzlich Familienarbeit in gleichem Umfang leisten wie Frauen, forderte die badenwürttembergische Familienministerin Brigitte Unger-Soyka (SPD) 1995 in Mannheim. Ein "Geschlechtervertrag" müsse her, stieß die Soziologin Elisabeth Beck-Gernsheim in dasselbe Horn. Immer weniger Personen fühlten sich heute für den häuslichen Bereich zuständig. Nur wenn alle Männer mit einbezogen würden, könne man "massiven Versorgungslücken" bei der Betreuung von Kindern und Alten entgegensteuern.
Laut einer Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts würde jedoch nur jeder achte Mann zwischen 18 und 35 Jahren wegen des Nachwuchses im Beruf zurückstecken und monatelang aussetzen.
Auch SPD-Dame Ursula Schmidt, Vorsitzende der "Querschnittsgruppe Gleichstellung" der Bundestagsfraktion, warf in "Bild" mit harscher Kritik um sich. Obwohl selbst verwöhnte Tochter, die bei Mutter zu Hause bügeln läßt und der Nachbarin den Einkaufszettel mitgibt, weil eine Karrierefrau als MdB "ja nicht viel schmutzig macht" und sowieso "nicht repräsentativ" ist, fordert sie gegen Männerfaulenzerei eine Gesetzesänderung im Grundgesetz. Zu vermuten steht, daß Ursula Schmidt Absprachen mit SPD-Genossin Monika Griefhahn getroffen hat, der wegen des Verdachts auf Ehegatten-Sponsoring in Ungnade gefallenen niedersächsischen Werbedame in Sachen Umweltschutz. Auch diese will ja alles daran setzen, daß Haushaltspaschas wegen ihrer faulen "Eheverfehlungen" künftig vor den Kadi kommen.

Daß ein Gros der Väter aus beruflichen Gründen gar nicht in der Lage ist, einen Beitrag zur Hausarbeit im geforderten gleichen Umfang wie die Frau zu leisten, wird von den meinungsbildenden Politikerinnen wohlweislich ausgeklammert. Wie sollte dies einem voll erwerbstätigen Vater wohl gelingen? Rein zeitlich gesehen, wäre eine solche Vorstellung absurd. Auch daß die Mehrheit der Väter unmöglich einen Erziehungsurlaub antreten kann, wird undiskutiert unter den Teppich gekehrt. Die theoretische Möglichkeit allein wird für die Praxis genommen.
Unberücksichtigt bleibt, daß Männer in der Regel in Berufen arbeiten, die Frauen nie ergreifen würden, obwohl man darin etwa 30 Prozent mehr Geld verdient als Frauen in den von ihnen favorisierten Berufen, und daß Männer und Väter sich daher im finanziellen Interesse der Familie keine Lohneinbußen leisten können. Selbst in Großbetrieben wie etwa Opel, Bayer, Höchst, BASF oder BMW gibt es deshalb so gut wie keine Vaterschaftsurlauber.
Keine Rede auch von Gründen wie Konkurrenzdruck, Angst um den Arbeitsplatz, gestrichenen Arbeitsstellen und daraus resultierendem Mitarbeitermangel in den Betrieben oder von einem zu befürchtenden Karriereknick mit seinen finanziellen Konsequenzen für die Familie, aus denen heraus die meisten Männer in Angestellten- und Arbeiterpositionen ihren Job nicht zeitweilig an den Nagel hängen. Ganz zu schweigen von den Selbständigen, die ihre Arztpraxis oder Anwaltskanzlei, ihr Architekturbüro oder ihr Unternehmen nicht monatelang ohne größte Risiken und Verluste schließen können.
Kein Wort davon, daß die meisten Väter auch deshalb keinen Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen, weil die Mütter dies aus freien Stücken und innerstem Wunsch heraus gar nicht wollen und die Entscheidung über ein Zuhausebleiben der Frau in partnerschaftlicher Absprache getroffen wurde.
Nein, unterstellt und als Böswilligkeit angeprangert wird einzig das Desinteresse von Vätern an häuslichen Dingen und vor allem an seinen Kindern.

Daß dies so nicht zutrifft, beweist nicht zuletzt das Beispiel Schwedens. Anders als in Deutschland, wo jeder Erziehungsurlaub beantragende Elternteil ein halbes Jahr lang monatlich 600 Mark und anschließend anderthalb weitere Jahre ein Erziehungsgeld erhält, dessen Höhe sich nach dem Familieneinkommen richtet und deshalb nicht selten entfällt, bezieht in Schweden jede/r Erziehungsurlauber/in nach der Geburt eines Kindes ein ganzes Jahr lang volle 90 Prozent des letzten Gehalts oder Lohns. Erfolg: Bereits jeder fünfte Vater war mindestens einmal schon Hausmann. Anstatt in Deutschland für beispielsweise schwedische Verhältnisse zu sorgen und darüber hinaus endlich ein Hausfrauengehalt einzuführen –das Frauen und Mütter erstens von jedermann unabhängig macht, zweitens den Beruf Hausfrau endlich in dem Maße aufwertet, den er verdient, und drittens dafür garantiert, daß verheiratete Männer und Väter nicht länger zu Geldeseln verkommen–, verlustiert sich die Riege der Power-Frauen mit Polemik.
Längst ist doch errechnet, daß Hausfrauen einen Lohn zwischen monatlich mindestens 3500 Mark und 4000 Mark erhalten müßten, wenn es jemanden gäbe, der ihre Arbeit bezahlen würde. Jeder Partei, die ein praktikables und nicht dem Ehemann übergestülptes Finanzierungsmodell für Hausfrauenarbeit entwickeln und durchsetzen würde, wären die wahlentscheidenden Stimmen der Wählerinnen sicher. Warum also entlädt sich die Energie der politischen Power-Frauen nicht in diese Richtung?

Frauen – käuflich, aber zu teuer

Jonas, 37 Jahre:

Wenn ich heute für meine geschiedene Frau und meine mit ihr gezeugten Kinder Unterhalt bezahlen muß und dies per Richterspruch meine einzige Aufgabe als Erzeuger meiner Kinder und zeitweiliger Benutzer der Vagina meiner Frau bleibt, dann kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß ich eine Art Vergnügungssteuer bezahle. Eine Steuer - monatlich in bestimmter, einkommensabhängiger Höhe - für das per Ehevertrag rechtmäßige Vergnügen, es mit einer Frau getrieben und dabei ein oder mehrere Kinder gezeugt zu haben. So betrachtet, hat sich ja eigentlich an der Käuflichkeit der Frau seit den Zeiten von Asterix und Obelix nichts geändert. Neu ist lediglich die Inflation. Sie treibt den Preis so in die Höhe, daß er in keinem Verhältnis mehr zum Wert der Ware steht.

Dumme Väter

Aus diesem Kapitel nur eine Sachinformation: Weil Frauen den Männern im Umgang mit Kindern nichts zutrauen, ist bei 89% der Frauen ein aktiver Vater nicht einmal erwünscht.

Verängstigter Mann

SVENJA: Immer nur angucken, nie anfassen

Ich habe Friedrich in einer Kneipe kennengelernt. Ich war hineingegangen, um Zigaretten zu stechen. Er saß dort und war sturzbetrunken und hielt mich an, um zu fragen, ob ich ihn nach Hause bringen würde. Warum ich das tatsächlich getan habe, weiß ich selbst nicht so genau. Meine Art ist das jedenfalls nicht.
Als er in meinem Auto saß, war er von einer Sekunde zur anderen eingeschlafen. Er konnte mir nicht mal mehr sagen, wohin ich ihn denn bringen sollte. Papiere hatte er auch keine beisich. Ich konnte ihn rausschmeißen oder mitnehmen. Also nahm ich ihn mit. Zusammen mit einer Freundin, mit der meine Kinder und ich damals eine Wohnung hatten, schafften wir den Mann auf die Couch. Am nächsten Morgen hatte er Frühstück fertig, als wir aufstanden. Er war total verkatert und unrasiert. Aber er hatte etwas an sich, das ich von Anfang an mochte. Wir blieben dann zusammen. Das heißt, für mich war das irgendwie schon ziemlich schnell klar, daß ich mit ihm zusammenbleiben wollte. Für ihn wohl weniger.

Ich erfuhr dann nach und nach, daß er in Scheidung lebte und eine Tochter hatte. Ganz zuletzt erfuhr ich auch, daß seine Frau ihn beschuldigt hatte, sein Kind zu mißbrauchen. Zu dem Zeitpunkt hatte seine Frau ihre Verleumdung bereits eingestanden. Vorher, sagte Friedrich, hätte er mir das nie erzählen können, weil er Angst gehabt hätte, ich schmeiße ihn sofort raus.
Ich würde jetzt gern sagen, daß ich das nie gemacht hätte. Aber das wäre so nicht richtig. Ich weiß ehrlich nicht, was ich getan hätte. Ich hätte so etwas von Friedrich bestimmt nicht glauben können. Aber ich denke, daß da trotzdem ein Restzweifel geblieben wäre. Und ich habe Kinder, zwei Mädchen. Ganz sicher hätte ich Friedrich gegenüber so ein Mißtrauen gehabt, so eine Sorge, wenn er die Kinder anfaßt oder mit ihnen allein ist. Wahrscheinlich hätte ich Schluß gemacht. Inzwischen ist meine Freundin aus- und Friedrich bei mir eingezogen. Ich glaube, wir haben ein ganz normales Leben, wie andere Paare auch. Außer in einem Punkt: Friedrich kann sich nicht überwinden, meine beiden Töchter anzufassen oder mit ihnen allein in der Wohnung zu bleiben. Und er weigert sich absolut, ein gemeinsames Kind mit mir zu haben. Beides ist für mich sehr schwer auszuhalten.

Nach einiger Zeit, als meine Kinder angefangen hatten, Friedrich in unserem Leben zu akzeptieren, versuchten sie beide, auch eine gewisse körperliche Nähe zu ihm herzustellen. Sie wollten sich schon mal an ihn kuscheln, wenn er auf dem Sofa saß und fernsah. Oder sie wollten beim Spazierengehen seine Hand. Oder sie nahmen ihn einfach mal so in den Arm, so spontan, wie Kinder eben sind. Er stand dann immer sofort vom Sofa auf und nahm den Sessel, so daß die Kinder allein sitzen mußten. Oder er steckte die Hände in die Hosentaschen, so daß sie ihn nicht anlangen konnten. Oder er schob die Kinder sofort von sich weg und machte dann ein Gesicht, daß sie glaubten, er sei wütend, obwohl er vielleicht unglücklich war.
Für die Kinder ist das irgendwie überhaupt nicht zu verstehen. Sie glauben, er kann sie nicht leiden. Und deshalb lehnen sie Friedrich allmählich auch immer stärker ab. Andererseits ist er sofort bereit, mit ihnen Hausaufgaben oder ihren Chauffeur zu machen, wenn sie zum Beispiel eine Freundin eingeladen haben und sie abends nach Hause bringen müssen. Das paßt dann wieder nicht zu dem abweisenden Friedrich, den sie sonst kennen. Für die Mädchen und mich ist das eine Belastung, weil wir immer wieder reden müssen und ich immer wieder als Vermittler gebraucht werde, damit sie ihn verstehen.

Daß das auch zwischen mir und Friedrich immer wieder ein Thema ist, ist ja klar. Ich begreife, daß er durch die Lügen seiner Frau einen furchtbaren Schock bekommen hat. Mir ist so etwas noch nie passiert, aber ich habe inzwischen schon sehr viel darüber gelesen. Und deshalb kann ich mir vorstellen, daß dieser Schock in Friedrich etwas zerstört hat. Er kann nicht mehr so richtig vertrauen und sich auch nicht mehr so ganz und gar auf einen anderen Menschen einlassen. Das ist wie eine Behinderung. Damit muß er nun leben. Aber damit muß auch jede und jeder leben, der ihn gern hat und seine Nähe will.
Ich bin die neue Frau in Friedrichs Leben. Ganz sicher bin ich die einzige, und er sagt, er liebt mich. Ich glaube, daß er mir alles gibt, was er an Liebe noch geben kann. Aber ich spüre sehr oft, daß es mir nicht reicht. Ich habe in manchen Punkten viel größere Erwartungen und Wünsche. Ich spüre aber auch, daß Friedrich alles das, was ich mir wünsche, in sich hat. Daß er es mir nur nicht zeigen kann. Einmal, als wir darüber sprachen, sagte er, er käme sich vor wie jemand, der einen Menschen umarmen soll und auch umarmen will, dessen Arme aber an einem Felsen angeschmiedet sind.
Ich merke, daß in Friedrich ein ganz, ganz tiefsitzendes Mißtrauen gegenüber Frauen, aber auch gegenüber allen anderen Personen steckt, die ihm etwas bedeuten. Wenn er merkt, daß sich jemand mit ihm anfreunden möchte, macht er sofort alle Schotten dicht. Dann wird er abweisend und kalt und geht hundertprozentig auf Distanz. Er läßt eigentlich niemanden an sich heran. Wir gehen höchstens dann mal aus, wenn es sich um eine Betriebsfeier handelt und alle da sind. Zu zweit mit einem anderen Paar einen Abend verbringen, das gibt es bei uns fast nie. Und wenn, dann nur ja nicht ein zweites Mal mit demselben Paar, oder wenn doch, dann höchstens alle Jahre einmal.
Wenn wir etwas unternehmen, sind wir fast immer allein. Das belastet. Vor allem, weil ich eigentlich ein eher geselliger Typ bin und Freunde oder Freundinnen auch wirklich brauche. Aber diesen Teil meines Wesens muß ich immer für mich und separat von Friedrich ausleben. Das heißt, ich muß mich ohne ihn mit Leuten verabreden und kann nur dann jemanden zu mir einladen, wenn er nicht da ist. An seinen Fragen hinterher, wie es denn gewesen sei und was wir geredet haben, merke ich aber, daß er im Grunde schon das Bedürfnis gehabt hätte dabeizusein und daß er es nur nicht fertigbringt, weil diese Erfahrung mit seiner Frau wie ein Stein über allem liegt.
Selbst wenn ich ihm sage, daß ich ihn liebe, dann glaubt er mir das zwar, aber ohne richtiges Vertrauen. Es macht mich traurig, aber ich bin überzeugt, daß Friedrich nie ausschließen würde, daß ich ihm dasselbe antun könnte wie seine geschiedene Frau.

Durch dieses Mißtrauen, das Friedrich niemals zugeben würde, kann er einfach nicht unbefangen mit meinen Kindern umgehen. Er hat ja ständig die Befürchtung, man - oder ich - könnte ihm etwas anhängen, und alles würde wieder von vorne losgehen.
Das alles ist so schlimm und belastend für Friedrich, daß er meint, nicht einmal mehr mit seinem eigenen Kind normal umgehen zu können. Deshalb will er auch kein Kind mit mir haben, obwohl er im Grunde ebenso gerne eines hätte wie ich.
Er sagt, daß er die Unbefangenheit von früher nicht mehr herbeizaubern könne. Er sagt, daß er vor der Berührung von Kindern richtiggehend Angst habe. Es sei so eine Verunsicherung in ihm, weil er ständig besorgt sei, wie man ihm das oder das auslegen könnte.
Hauptsächlich deshalb hat er seine Tochter aus der geschiedenen Ehe auch noch nie besucht. Er hätte ja schon einmal hinfliegen können, wenn er gewollt hätte. Das Geld hätte er schon irgendwie zusammengebracht. Aber Friedrich sagt, er kann nicht. Er bringt es nicht fertig, sein Kind in den Arm zu nehmen und zu drücken und ihm Liebe zu zeigen. Er sagt, es ist so, als wenn er eine ganz starke Mauer um alles gezogen hätte, was vorgefallen ist. Er sagt, er kann es nicht vergessen, und wenn er nicht ständig daran denken und daran kaputt gehen will, dann muß er alles einbetonieren und wegdrücken und sich am besten überhaupt nicht einer Situation aussetzen, in der alles wieder aufbricht. Wenn er seine Tochter sehen würde, würde aber bestimmt alles wieder voll ins Bewußtsein kommen. Und das will er nicht. Er sagt, er kann es einfach nicht ertragen.
Außerdem hat er Angst, in seinem Kind könnte noch eine Erinnerung an die Zeit geblieben sein, als die Mutter und die Therapeutin dauernd diese Lügen aufgetischt und Fragen dazu gestellt haben. Und er hat Angst, daß die Mutter dem Kind trotz des Widerrufs der Verleumdung weiterhin diese Lügen erzählt und das Kind sie glaubt. Er sagt, er wüßte nicht, wie er damit umgehen würde. Manchmal stellt er sich vor, seine Tochter dann zu entführen und zusammen mit ihr irgendwo unterzutauchen, wo sie keiner findet. Manchmal hat er Angst, er würde die Mutter umbringen, wenn er erfahren müßte, daß sie dem Kind immer noch Lügen über ihn erzählt. Dann hätte seine Tochter nicht nur eine Lügnerin als Mutter, sondern auch noch einen Mörder als Vater.

Wir haben erst ein-, zweimal über alles gesprochen. Ich würde gern öfter darüber reden. Es wäre eine Hilfe und Erleichterung für mich. Außerdem fühle ich auch, daß es Friedrich gut tun würde. Aber er wehrt jede Gelegenheit sofort ab. Er sagt, er hat das weggedrückt, und jetzt ist eine andere Zeit, und vorbei ist vorbei.
Doch natürlich ist es nicht vorbei. Wir erleben es ja jeden Tag, wenn er diese Beklemmungen gegenüber meinen Kindern hat und kein eigenes Kind mehr will und ständig auf der Hut ist, weil er mir etwas Schlechtes zutraut. Ein anderer Punkt ist da nämlich auch seine Eifersucht. Ich merke immer wieder, daß er geradewegs darauf wartet, daß ich ihn betrügen oder sonst irgendwie verletzen könnte. Er ist nicht der eifersüchtige Typ, der mich kontrollieren oder überwachen oder unerwartet von der Arbeit nach Hause kommen würde, um mich womöglich in flagranti zu ertappen. Er ist eher ein Beobachter und einer, der sich insgeheim Gedanken macht und sich alles mögliche ausmalt, was sein könnte oder was das oder das bedeuten könnte. Und irgendwann, wenn ich überhaupt nicht damit rechne, kommt er dann mit seinen Beobachtungen raus und hält mir etwas vor und stellt mich zur Rede und kann mir dann meistens nicht glauben, daß alles ganz anders war, als er es sich gedacht hat. Da ist immer etwas in ihm, das mir unterstellt, gelogen zu haben.
Es gibt Stunden, da frage ich mich, warum ich Friedrich nicht verlasse. Ich fühle mich oft sehr verletzt durch sein Mißtrauen und seine grundlose Eifersucht. Seine Art mit meinen Kindern bedrückt mich oft schwer. Und ich hätte gern noch ein Baby. Es wäre nicht einmal schwierig, mich von Friedrich zu trennen. Wir sind nicht verheiratet. Wir leben in meiner Wohnung zusammen. Es würde genügen, seine Siebensachen vor die Tür zu stellen. Es wäre auch nicht das erste Mal, daß ich eine solche Trennung verkraften müßte. Das habe ich schon mit dem Vater meiner Kinder erlebt und überlebt.
Aber da ist eine Hoffnung in mir, die ist riesengroß, und zwar die Hoffnung, daß Friedrich durch meine Liebe lernen könnte, seine Erfahrungen aus erster Ehe zu überwinden. Ich kann diese Hoffnung nicht aufgeben, weil ich mir auch die Liebe zu diesem Mann nicht aus der Seele reißen kann. Wenn ich ihn jetzt verlassen würde, wäre es immer eine Flucht. Und Weglaufen ist nun mal nicht mein Ding.
Trotzdem sitze ich an schlimmen Tagen da und kämpfe mit den Tränen und meiner Wut, weil ich weiß, wie unbeschwert glücklich Friedrich und ich miteinander sein könnten, hätte es diese erste Frau in seinem Leben nie gegeben. Im Grunde quäle ich mich heute mit dem Scherbenhaufen ab, den sie hinterlassen hat. Und sie ist die lachende Dritte.

Schach dem Scheidungsterror

Einseitige Schuldzuweisung

In den Augen von radikalen Frauenrechtlerinnen und deren Anhängerschar sind gesellschaftliche Defizite als Erklärung für den Niedergang der Familie nur Ausreden und Hilfsprogramme für Paare nur Kosmetik. Der wahre Schuldige an der Scheidungsmisere ist allein der unverbesserliche Patriarch, der längst enttarnte Faulenzer der Nation, der Mann und Vater. In seinem grenzenlosen Größenwahn habe er die Scheidungsquote noch immer nicht als Menetekel an der Wand verstanden. Auch sei er zu eitel, um die Verweigerung der Frauen als ausgebeuteter Opfer seines Männlichkeitskultes ernst zu nehmen. Wenn die Familie noch eine Chance haben solle, müsse jeder Mann endlich und notfalls unter Gewaltanwendung begreifen, daß die von ihm den Frauen aufgezwungene Gesellschaftsordnung nur ins Chaos führen könne.

Im Gegensatz zu der verbreiteten Verklärung der Frau als friedliebende, bessere Alternative zu dem streitsüchtigen, kriegstreibenden Mann zeigt sich am Beispiel derartiger massiver weiblicher Schuldzuweisungen an den Mann, daß auch Frauen die fatale Eigenheit haben, sich Feindbilder zu schaffen, um gut von sich selbst denken zu können. Wer den modernen Amazonenkrieg aufmerksam mitverfolgt, muß sich fragen, ob das, was in schlimmen Zeiten die Juden waren beziehungsweise vielerorts die Asylanten, für Frauen von heute nun Männer sind.
Aber brauchen ihres eigenen Wertes vollkommen bewußte, mit eigenem Kopf denkende und entscheidende, mit eigenen Händen handelnde, auf eigenen Füßen sich fortbewegende Frauen wirklich einen Sündenbock für alles, was ihnen quer im Halse steckt? Wäre es nicht ehrlicher, aufrechter und würdiger, den persönlichen Anteil an der gegenwärtigen Familienkrise mit größter Selbstverständlichkeit auf die eigenen Schultern zu nehmen und dann Hand in Hand mit dem auch nicht schuldlosen Mann an der Bewältigung zu arbeiten?

Neue Frauen braucht das Land

Es kann einfach nicht sein, daß Familienkrisen vornehmlich deshalb entstehen, weil Männer nicht gern Hausmänner sind. Eine solche Behauptung geht an der Tatsache vorbei, daß sehr viele Frauen nicht gern Hausfrauen sind und noch mehr Frauen sich sogar schämen, Hausfrau zu sein. Und zwar sich deshalb dafür schämen, weil Hausfrauen nicht etwa von Männern, sondern speziell von erwerbstätigen Frauen abgewertet werden. Eine, die Nur-Hausfrau ist, wird von den meisten erwerbstätigen Frauen von oben herab angesehen. Erstens verdient "so eine" nichts und ist von ihrem Mann finanziell abhängig. Zweitens ist sie vermutlich bloß deshalb zu Hause geblieben, weil sie sowieso keinen Job bekommen hätte. Hat sie überhaupt eine Schulbildung und einen Beruf? So, wie die aussieht, würde sie doch niemals irgendwo eingestellt werden. Drittens verblödet angeblich jede Frau, wenn sie ständig nur Kindergeschrei und Nachbarschaftstratsch und als erweiterte Geräuschkulisse nur das Brummen von Staubsauger und Waschmaschine um die Ohren hat. Viertens kann eine, die so etwas wie Konkurrenzkampf höchstens aus Eifersucht auf die Geliebte ihres Mannes kennt, nicht mithalten, wenn andere vom Bürostreß oder von den Launen des Chefs reden. Schon gar nicht kann sie mithalten, wenn es um den letzten Modeschrei geht, nach dem sich jede erwerbstätige Frau selbstverständlich kleiden muß, weil sie es sich aus Karrieregründen nicht leisten kann, wie "das Mutti" mit bekleckerter Bluse, ausgewachsener Dauerwelle und schiefen Absätzen herumzulaufen. Fünftens ist eine Hausfrau nicht sexy. Die riecht statt nach französischem Parfum nach vollen Windeln und will nur ins Bett, weil sie müde ist. Wie frau einen Lover aufreißt und die heißesten Stellungen des Kamasutra auslotet, hat eine mit drei Kindern doch höchstens in einem vergangenen Leben gewußt.

Vor dem Hintergrund dieser und ähnlich klingender Vorurteile und übler Sprüche von Frau zu Frau erstaunt es nicht, daß immer mehr Frauen keine Lust haben, ihr Leben als Nur-Hausfrau und Mutter zu fristen. Aufregender, spannender scheint ja das Leben einer Erwerbstätigen zu sein. Vor allem aber zählt es mehr in der Öffentlichkeit. Mit einem Job, mit einer vollen Lohntüte, einem satten Gehalt bist du wer, kannst mitreden, zählst. Daß Kinder zu gebären und großzuziehen mehr ist als ein weiterer Leistungsbeweis in einer Wettbewerbsgesellschaft, gehört für viele Frauen in die Mottenkiste der verstaubten Lebensweisheiten. "Jetzt habe ich alles genossen, aus dem Vollen gelebt, jetzt fehlt mir nur noch ein Kind. Dann habe ich alles erlebt, was du als Frau erleben kannst", sagte zum Beispiel Tanja, die ich in Regensburg kennenlernte. "Das Kinderzimmer, alles ist perfekt. Wenn das Kind da ist, haben wir schon eine Tagesmutter. Echt, ein Kind können wir uns jetzt locker leisten."
Liebe, Zuwendung, Opferbereitschaft - davon kein Wort. Alles wird heute lieber mit Geld abgegolten als mit einem tatsächlichen, greifbaren Da-Sein für das Kind, wenn es Mutter oder Vater oder beide braucht. Da-Sein würde ja bedeuten, bei der eigenen Selbstverwirklichung Abstriche machen zu müssen. Und zwar Abstriche nicht allein auf seiten der Väter, sondern auch auf seiten der Mütter. Daß man für ein Kind vor allem Zeit braucht, will man nicht mehr wahrhaben. Statt dessen wird der Schrei nach mehr Freiheit für die Eltern und damit verbunden nach staatlichen Kinderbewahranstalten und außerfamiliärer professioneller Kinderbetreuung immer lauter.

Das Eingeständnis, aus der öffentlichen Anerkennung einer Erwerbstätigkeit außerhalb der häuslichen Szene mehr Befriedigung und Freude zu ziehen als aus der Erziehung der eigenen Kinder, scheint Frauen und Müttern als vermeintliches Armutszeugnis für ihre urweiblichen Qualitäten unaussprechlich zu sein. Dies ist ein Tabu, ein Archetypus der weiblichen Seele. Aller Emanzipation, allem Feminismus zum Trotz will keine Frau sich nachsagen lassen, eine der sprichwörtlichen Rabenmütter zu sein. Daß eine Mutter lieber an sich selber denkt als an ihre Kinder - welche Frau würde dies freiwillig und ohne Not von sich zugeben?
Die Vermutung aber, daß es so ist, liegt angesichts der Tatsache nahe, daß immer mehr Frauen lieber erwerbstätig und Single als Hausfrau und (verheiratete) Mutter sind. Ja, selbst die Tragödie, daß Ehebeziehungen trotz gemeinsamer Kinder des Paares weltweit immer öfter deshalb zerbrechen, weil Frauen es so wollen, legt Zunder an das schwelende Feuer des Verdachtes.

Ein Gedanke drängt sich auf. Führen Frauenrechtlerinnen etwa deshalb ihre Angriffe gegen den Mann mit so erbitterten, unter die Gürtellinie zielenden Mitteln? Stellt die Methode, den Mann und den Vater generell als Sündenbock und Versager abzustempeln, nichts als ein Verdunkelungsmanöver dar? Sollte die Forderung, daß Männer zugunsten ihrer Familien die alten Zöpfe des Patriarchats abschneiden und neue Väter werden sollen, denen nichts über Frau und Kinder geht, nur ein geschickter Vertuschungsversuch dafür sein, daß die Frau ihren eigenen Idealen und Ansprüchen selbst nicht gerecht wird?
Ein wahrhaft ketzerischer Gedanke. Denn sollte dies so zutreffen, brauchte die Welt nicht nur einen neuen Mann und neuen Vater - sie brauchte vor allem eine neue Frau und eine neue Mutter.