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Mein Kind gehört auch zu mir -
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Plädoyer für eine Trennung in WürdeTrennungsratgeber für VäterSwitchboard Informationsdienst für Männer HamburgFebruar 2000-Nr. 131von Ralf RuhlJedes Jahr werden neue Rekorde gemeldet, was die Scheidungszahlen in Deutschland angeht. In den Metropolen wird inzwischen fast jede zweite Ehe geschieden, Trennung ist für viele Männer der Grund, eine Beratungsstelle aufzusuchen. An erster Stelle sieht immer wieder die Frage: "Wie kann ich den Kontakt zu meinem Kind aufrecht erhallen? Zwei Trennungsratgeber für Väter geben hier viele Hinwelse und Anregungen. 1993 erschien Andreas Schmidts Buch "Väter ohne Kinder" bei rororo und wurde schnell zum Standardwerk für alle von Ihren Kindern getrennt lebenden Vätern. Scheidungsratgeber aus Frauensicht gab und gibt es viele. Schmidt war der erste, der konsequent für Väter und deren Beziehung zu Ihren Kindern nach der Trennung schrieb. Danach ist viel passiert. Vätergruppen gründeten sich und wurden politisch aktiv. Ihre Interventionen waren entscheidend für die Veränderung des Kindschaftsrechts 1998. Da wurde eine Überarbeitung des Buches notwendig ("Mehr Vater fürs Kind -auch nach Trennung und Scheidung"). Das neue Kindschaftsrecht bezeichnet Schmidt als einen Schritt in die richtige Richtung. Das gemeinsame Sorgerecht nach der Trennung ist der Regelfall. Verfassungsgernäß ist das Gesetz immer noch nicht, bleibt doch für unverheiratete Väter die gemeinsame Sorge abhängig von der Zustimmung der Mutter. Schmidt läßt Väter zu Wort kommen, die unter der Trennung von ihren Kindern leiden. Er zitiert zynische Gerichtsurteile und Gutachten, die Kindern nur minimalen Kontakt zu Ihren Vätern zugestehen oder ihn gar ganz abbrechen lassen. Aber er versinkt nicht In Resignation. Urteile, die Müttern den Sorgerechtsentzug androhen, wenn sie weiterhin die Kontakte zwischen Vater und Kind verhindern, werden genauso angerührt wie erfolgversprechende Befangenheitsanträge gegen Richter oder Gulachterinnen. Obwohl Schmidt nach vielen Gesprächen mit betroffenen Vätern der Ansicht ist, ohne Einschaltung des Gerichts hätten viele ihre Kinder nie wiedergesehen, rät er in keinem Fall zum Kampf gegen die Mütter. Den Kontakt zum Kind aufrechterhalten und zu entwickeln ist ihm oberstes Gebot. Und hier gibt er viele Tips, wie es klappen kann. Auch Väter, die Umgang mit ihren Kindern haben, erzählen ihre Geschichte und geben so vielfältige Anregungen, wie ein Besuchstag gestaltet werden kann. Die Trennung der Eltern kann Kinder in schwere Loyalitätskonfllkte stürzen, besonders, wenn das Kind merkt, daß Mama den Kontakt zu Papa nicht gut heißt. Das fordert vom Vater viel Starke, Liebe und Beharrlichkeit, ohne Druck auf das Kind auszuüben. Es ist ein großer Pluspunkt dieses Buches, die Problemlage des Kindes immer mit einzubeziehen und sich nicht auf den Streit der Eltern zu konzentrieren. Im Gegensatz zu anderen Ratgebern versucht Schmidt auch eine politische Einordnung der Geschichte des Sorgerechts und stellt sie in den Zusammenhang der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, die Frauen bis vor wenigen Jahren den Platz Kinderbett und Herd zuwies und Haushalt und Erziehung bis heute als Machtbereich der Frau ansieht. Wie Eltern mit dieser Aufteilung umgehen, legt den Grundstein für die Beziehung des Vaters zum Kind. Das sollte nicht vergessen werden. Ein klug kommentierter Adreßteil rundet das Buch ab. Von etwas anderem Kaliber ist Karin Jäckels Ratgeber "Mein Kind gehört auch zu mir". Ihr Buch "Der gebrauchte Mann" sorgte 1997 bundesweit für Aufsehen. Nach der Trennung "abgeliebte und abgezockte" Väter feierten sie als Frau, die ihnen aus dem Herzen spricht. Matthias Matussek nahm in seiner Polemik "Die vaterlose Gesellschaft" aut sie Bezug Von manchen Feministinnen wurde sie als Verräterin gebrandmarkt und als Frauenfeindin beschimpft, Ihre Veranstaltungen wurden gestört und ihr Buch aus manchen Bibliotheken entfernt. Wird sie mit ihrem "Handbuch für Väter nach der Trennung" diesem Ruf gerecht? Ja und nein. Geschlechlerkrieger und -kriegerinnen werden vieles finden, was ihre Sichtweisen bestätigt. Denn eines ist das Buch ganz gewiß: parteiisch für Väter. Großen Raum nimmt die Diskussion der Rechtslage ein. Hier schöpft Karin Jäckel aus dem Erfahrungsschatz tausender Väter, die bei der Trennung über den Tisch gezogen wurden, denen das Sorgerecht entzogen wurde, denen der Umgang mit ihren Kindern verweigert wird oder die sich gar des falschen Vorwurfs des sexuellen Mißbrauchs ausgesetzt sehen. Auch, wer sich vom Jugendamt ungerecht behandelt fühlt oder vom Familiengericht zum Objekl eines Gutachtens gemacht werden soll, findet wertvolle Hinweise, sich juristisch zur Wehr zu setzen. Einschlägige Urteile werden zitiert und Musterbriefe geben Orientierung in der Welt der Amtssprache. Der ausführliche Adreßteil bietet Hilfe bei der Suche nach einem Anwalt oder einer Selbsthilfegruppe. Auf der anderen Seite plädiert Karin Jäckel dafür, eine Trennung in Würde zu begehen, statt einen Rachefeldzug zu starten. Männer sollten sich gut überlegen, ob der Rechtsweg beschritten werden soll. Denn dann werden gute Kontakte zur "Ex" äuBerst schwierig, die Kontakle zum Kind werden belastet, eine mögliche Basis des Vertrauens weicht Mißtrauen und Kontrolle. Für Wochenendpapas ist die Beziehung zu den Kindern abhängig von der Beziehung zur Mutter. Eine Schwäche vieler Männer: sie setzen sich mit den Wünschen und Lebensvorstellungen von Frauen nicht auseinander. Dem will die Autorin mit einer "Wunschliste von Frauen an Väter" abhelfen. An Nummer Eins gesetzt: Zuverlässigkeil! Dennoch füllen die juristischen Ratschläge und Hinweise fast 80% des Buches -und da geht es immer um Kampf, Abgrenzung, Sich-Wehren, Seine-Sichtweise-Durchsetzen gegen die andere Partei, und das ist nun einmal die Mutter. Ich bezweifele nicht die Notwendigkeit im Fall des Falles. Der große Raum, den der juristische Teil einnimmt, suggeriert: Der Scheidungskrieg ist die Regel, Gezerre ums Kind und am Kind ist normal und es geht darum, sich für diesen Kampf zu wappnen und zu munitionieren, Der Ruf nach einer Trennung in Würde nimmt dagegen nur relativ wenige Zeilen ein - und welcher Leser wird ihn nach den vielen Geschichten, wie Männer in die Pfanne gehauen wurden, noch hören? Ein Wunsch beider Autoren wird sich demnächst vielleicht erfüllen: Familienministerin Bergmann hat ein Aktionsprogramm "Vater in die Familie" aufgelegt. Es wird diskutiert, daß u.a. Beratungsstellen für Väter gefördert werden sollen. Karin Jäckel |
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