Buchbesprechungen

Mein Kind gehört auch zu mir -
Handbuch für Väter nach der Trennung

Antwort an E.
Seilschaften der Juristen

Leserzuschrift von Peter B.

29. September 1999

Der Gedanke, die Siegermächte für die derzeitige Situation verantwortlich zu machen, ist mir eigentlich gänzlich neu. Aber ich bin schon etwas älter (58) kann mich noch lebhaft an die Zeit erinnern, als die ehemaligen Juristen des Deutschen Reiches Seilschaften bildeten, ihre brauenen Kutten auszogen und plötzlich von Fanatikern der Todesstrafe zu Matadoren der Demokratie mutierten. Mein Onkel wurde zum Beispiel 1940 wegen Wehrkraftzersetzung standrechtlich erschossen. Tatbestand: War vier Tage auf Heimaturlaub, Rückfahrt zur Front in Dortmund wegen Anschlußzug unterbrochen. In Kneipe gegangen, vier Schnäpse getrunken und dann Schnapsglas gegen Führerbild geworfen und "Prost August" gerufen. Der damalige Richter, war bis 1969 unangreifbar als Staatssekrätär im Bundesministerium der Justiz tätig und bezieht heute eine schöne Rente. Überleg also mal, warum so viele Nazijuristen in Führungspositionen kommen konnten und sogar juristischen Nachwuchs an den Universitäten ausbildeten. Man muß sich nicht wundern, wenn das heute noch wie "braune Soße" aussieht, denn die Mehrzahl der heutigen Amtsgerichtspräsidenten wurde von ehemalige Nazijuristen ausgebildet. So erinnert deren Welt-und Männerbild heute auch noch an das Männerbild im 3.Reich.
Stell Dir damals mal einen Vater vor, der im Schützengraben hockte und sich wahnsinnig nach seiner kleinen Tochter sehnte. Die haben Männer gebraucht, welche man über Minenfelder jagen konnte und ein entsprechendes Männerbild haben die Nazis auch propagiert.Auch das Frauenbild wurde damit verändert. Und der Mann vom Typ Stitiker, wichtig für die Karriere, unwichtig als Vater, der sitzt heute noch in den Köppen unserer Juristen.
Ich habe im Gegensatz zu Dir das Buch von Karin Jäckel gelesen. Für mich als alten Hasen, war es keine Offenbahrung. Würde das Buch "Mein Kind gehört auch zu mir" für Neufälle als Pflichtlektüre anerkannt, könnte den Vätern durch die Entwicklung sachgerechter Strategien viel Leid erspart werden.Trotz der väterfeindlichen Einstellung der Familienrechtspraxis. Vieles in dem Buch habe ich gewissermaßen auf der "Hohen Schule" des Lebens eingebläut bekommen, weil ich erstmalig in dieser Situation war, mich praktisch im psychologischem und juristischem Niemandsland bewegte. Diese Art des Lernens ist sehr schmerzhaft, aber einprägsam. Hätte ich das Buch von Karin Jäckel vor 20 Jahren gelesen, meine "Blechschäden" wären heute geringer!

Ich bin davon überzeugt, das Buch wird einmal zu einem erschütternden Dokument der Zeitgeschichte werden, weil sich spätere Generationen unfaßbar darüber aufregen werden, was Kindern und Vätern heute alles angetan wird. Dann frage ich hier noch alle Kritiker: Was wollen wir eigentlich? Wollen wir Verbesserungen? Dann kramt besser nicht in der Vergangenheit, kämpft für Verbesserungen und richtet mal den Blick nach vorne! Es ist sehr leicht, den Finger auf die Wunden zu legen und zu sagen, was heute nicht gut oder sogar schlecht ist. Es ist aber erheblich schwieriger, da herauszukommen, zu sagen wie man es verbessern kann und dies dann auch zielstrebig und solidarisch anzufassen. Einer alleine kann das nicht! Weniger Analyse, mehr tatkräftiges solidarisches Hinwirken auf Verbesserungen! Das vermisse ich bei der heutigen Väterbewegung. Packen wir das gemeinsam an!!

Herzliche Grüße
Peter Brumann