Buchbesprechungen

Monika B. -
Ich bin nicht mehr Eure Tochter"

Matura-Arbeit von Sabina Hadorn
2004

1. Einleitung

1. 1 Weshalb habe ich dieses Thema gewählt?

Den genauen Grund, weshalb ich gerade dieses Thema gewählt habe, weiss ich nicht mehr. Ich wollte aber unbedingt ein psychologisches Thema, in dem es um Vergangenheitsbewältigung geht. Mich interessiert, welche Auswirkungen ein Kindheitstrauma auf einen Menschen haben kann, wie er sich dadurch verändert und wie sich die Persönlichkeit nach einer Therapie entwickelt hat. Dies möchte ich vor allem in meinem praktischen Teil beschreiben und erklären, dazu einen Vergleich mit der Theorie zeigen.

1. 2 Begrenzung

Wie schon oben erwähnt, interessieren mich die verschiedenen Kindheitstraumata (Inzest, Kriegstrauma, Kindesmisshandlung, Adoption…). Da ich aber nicht über alle schreiben kann, habe ich mich für eines entschieden, den Inzest. Ich werde zuerst das Kindheitstrauma definieren, um eine allgemeinen Überblick zu vermitteln, jedoch im Weiteren nur noch über den Inzest selbst schreiben.
Auch beim Inzest musste ich mich für ein Spezialgebiet entscheiden. Ich konzentriere mich hauptsächlich auf die Auswirkungen auf den Mensch. Wie gravierend diese sind und wie dem Menschen anhand einer Therapie geholfen werden kann. Dabei werde ich auch das Opfer, die Ursachen, die Familie, den Täter usw. näher beschreiben, um das Ganze besser zu verstehen. In meinem praktischen Teil werde ich eine Betroffene interviewen, um schliesslich die Theorie mit der Praxis vergleichen zu können. Im Schlussteil werde ich meine eigenen Gedanken formulieren: was sich aus meiner Arbeit ergeben hat und was ich daraus gelernt habe.

1. 3 Fragestellung

  • Welche Auswirkungen hat ein Inzest auf die Persönlichkeitsentwicklung?
  • Ist es möglich durch eine Therapie einen solchen Schicksalsschlag zu verarbeiten?
  • Inwiefern verändert ein derartiges Trauma die Persönlichkeit eines Menschen?
  • Gibt es auch positive Aspekte?

1. 4 Meine Ziele

Inzest wird in unserer Gesellschaft häufig verdrängt und verschwiegen. Gerade deshalb ist es enorm wichtig, dass jeder darüber Bescheid weiss. Betroffene sollten nicht noch mehr verstossen, sondern ernst genommen werden. Die Dunkelziffer der sexuell missbrauchten Kinder ist viel zu hoch, um darüber zu schweigen.
Was meine Arbeit betrifft, möchte ich den Weg eines Opfers zeigen nach dem sexuellen Missbrauch bis nach der Therapie. Was sich verändert hat und wie das Opfer danach zu sich steht.
Ebenfalls sollte meine Arbeit Betroffene ermutigen, sich jemandem anzuvertrauen. Opfer sollten Kraft bekommen, ihre Schicksale zu verarbeiten. Jeder Mensch sollte sich seines Wertes bewusst sein, denn jeder Mensch ist wertvoll!

1. 5 Hypothesen

  • Die Auswirkungen eines sexuellen Missbrauchs sind viel brutaler, schwerer, einschneidender und massiver als man sich vorstellen kann.
  • Durch eine Therapie kann sich die Persönlichkeit eines Menschen stark verändern.
  • Durch die Verarbeitung eines Traumas kann ein Mensch geprägt, aber nicht zerstört werden.
  • Schliesslich hat jedes negative Erlebnis auch eine positive Seite. Das wird einem erst nach gründlichem Nachdenken bewusst.

2. Kindheitstrauma

2. 1 Definition

Bei einem Trauma handelt es sich um eine einmalige oder fortdauernde Erfahrung,

  • die zu einer psychischen Verletzung führt,
  • die für das Kind überwältigend und mit seinen psychischen und physischen Möglichkeiten nicht kontrollierbar ist,
  • die Todesangst und Angst vor Vernichtung des physischen und psychischen Selbst auslöst,
  • und bei der das Kind in der Situation auf niemanden zurückgreifen kann, um Schutz oder Hilfe zu erhalten.
    (siehe: Angela May 2003)

"Ein Ereignis wirkt dann traumatisch, wenn es die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten überfordert, wenn es im Gehirn eine "unkontrollierbare Stressreaktion" (Hüther,2001) auslöst, wenn es massive Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht hervorruft und die bereits etablierten innerseelischen Strukturen und Beziehungsmuster erschüttert oder gar zerstört.(siehe: Wilhelm Körner, Albert Lenz (Hrsg.), "Sexueller Missbrauch", Band l, 2004, s328)

2. 2 Verschiedene Traumata

Es werden drei verschiedene Arten von Traumata unterschieden. Diese werden im Folgenden erläutert und beschrieben.

  1. Direktes Trauma: Das Kind erlebt konkrete Gewalt durch Entführung, sexuelle Gewalt, das Ansehen oder Miterleben von Gewalt-, Folter- und/oder Mordszenen an fremden Menschen oder den eigenen Eltern.
    Hierzu zähle ich Inzest, Kindesmisshandlung, Peinigung.
  2. Familiäres Trauma: Das Kind erlebt die Folgen der Gewalt gegen Familienmitglieder z.B. in Kriegssituationen, die Flucht erforderlich macht und Auswirkungen auf die physischemotionale Situation der ganzen Familie hat. Dazu gehören das Kriegstrauma und die Adoption, wenn Kinder den Eltern weggenommen werden oder sie sie selbst weggeben.
  3. Gesellschaftliches Trauma: Das Kind wächst in einem gesellschaftlichen Klima organisierter Gewalt und der Beschränkung ziviler Freiheiten auf. Ein solches Trauma kann dafür sorgen, dass die Zukunft des Kindes erschwert wird. (siehe: Angela May, 2003)

3. 0 Inzest

3. 1 Definition

Unter Inzest ist jede Form des sexuellen Kontaktes mit einem Blutsverwandten und einem Kind zu verstehen. Er wird immer- im Moment selbst oder später- als erzwungen erfahren. Das Opfer ist dem Täter schutzlos ausgeliefert und steht der psychischen Übermacht des Täters hilflos gegenüber. Ausserdem wird es durch Drohungen und Erpressungen körperlicher und seelischer Gewalt zu Geheimhaltung gezwungen, wodurch es noch ohnmächtiger, noch abhängiger wird.
Vergewaltigung oder Koitus sind nicht die einzigen Formen des Inzests. Jede Form sexueller Einschüchterung, sowohl durch Worte als auch durch Taten, Berührungen und Nötigung zum Anschauen sexueller Aktivitäten, erzwungener Masturbation, Koitus oder Versuche dazu, müssen als Inzest bezeichnet werden.
Dazu kann man sexuellen Missbrauch ebenso gut auch als einen Auswuchs seelischer Verwahrlosung betrachten, da das Gefühlsleben und die Bedürfnisse des Kindes nicht im Geringsten berücksichtigt werden.
(Siehe: Hedwig Stellamans Wellens, 2002)

3. 2 Das Opfer

3. 2. 1 Charaktereigenschaften

Das Opfer wird als zurückhaltend, ruhig, introvertiert, unselbständig, zurückhaltend und scheu empfunden und beschrieben. Es weicht in der Schule seinen Mitschülern aus und ist meist ein Einzelgänger. Sein Selbstbewusstsein ist nicht stark genug, um sich zu wehren und auch nein sagen zu können. Genau das nützen die Täter aus, oder besser gesagt, sie vernichten das Selbstbewusstsein des Opfers, um das Kind für sich zu gewinnen.Das wilde Feuer. So hat das Kind keine Chance, Widerstand zu leisten, weil es das nie gelernt hat.

Das wilde Feuer.
Jana, sechs Jahre, wurde zwei Jahre lang von ihrem Grossvater missbraucht.

(Siehe: Hedwig Stellamans- Wellens, 2002, s. 32)

3. 2. 2 Selbstbild

Ein missbrauchtes Kind hat meistens ein sehr negatives Selbstbild, kein Selbstwertgefühl und kein Selbstbewusstsein. Diese werden von den Tätern zerstört, indem es beschimpft und ungerecht behandelt wird. Nie gibt ihm jemand das Gefühl, etwas wert zu sein. Es hat keine Chance eine eigene starke Persönlichkeit zu entwickeln. Dazu wird ihm auch die Schuld am Missbrauch gegeben, solange, bis es selber denkt, es sei wirklich schuldig und habe den Täter sogar verführt. Das ist auch ein Grund dafür, dass das Kind es niemandem erzählt. Es will nicht noch die Verantwortung übernehmen müssen, wenn die Familie auseinander fällt.Das Mädchen, das sich selbst verschwinden lässt. Wenn der Missbrauch dann ein Trennungsgrund der Eltern ist, wird das Kind das schuldige Opfer.

Das Mädchen, das sich selbst verschwinden lässt.
Amy, acht Jahre, wird schon jahrelang von ihrem Grossvater sexuell missbraucht.
"Es ist nicht schön, alles ist hässlich, ich mach es kaputt, ich will es nicht mehr sehen…"

(Siehe: Hedwig Stellamans- Wellens, 2002, s. 41)

3. 2. 3 Der Körper

Ein missbrauchtes Kind hat eine völlig gestörte Beziehung zu seinem Körper, was sicher gut nachvollziehbar ist. Es hasst seinen Körper und akzeptiert ihn nicht als Teil von sich selbst. Es will seinen Körper nicht, weil er von anderen benutzt wird.
"Ich hasse meinen Körper. Ich will, fröhlich sein und springen, aber mein Körper ist taub, er hört nicht, was ich will." (Siehe: Hedwig Stellamans- Wellens, 2002, s. 133)
Dies sieht man oft bei Zeichnungen von sexuell missbrauchten Kindern. Der Körper wird mit Umrissen gezeichnet, meistens auch nicht vollständig: Arme, Hände, Füsse, Haare, oder Nase fehlen. Die Geschlechtsteile werden entweder gar nicht oder sehr auffällig gezeichnet. Das Gesicht drückt die Gefühle und dem Zustand des Kindes entsprechend aus.
Der Mund ist weit geöffnet, wenn es schreit. Oder das Opfer zeichnet gar keinen Mund, wenn es nicht mehr fähig ist, zu schreien und um Hilfe zu rufen. (Siehe Abbildungen 1- 4)

Ich kann nichts dagegen machen.

"Ich kann nichts dagegen machen."
Robbe, sechs Jahre alt, wurde von seinem Vater sexuell missbraucht.
"Ich will kein Junge sein. Ich bin böse. Alles tut weh.
Pfeile durchbohren meinen Körper und ich kann nichts dagegen machen."

(Siehe: Hedwig Stellamans- Wellens, 2002, s. 11)

3. 2. 5 Gefühle

Die Gefühle dem Täter gegenüber sind unbeschreiblich. Das Kind empfindet zum einen Hass, weil ihm furchtbare Schmerzen zugefügt werden, für die es nichts kann, zum anderen aber auch eine riesige Enttäuschung, weil gerade der Mensch, der ihm so nahe steht und auch sehr wichtig ist, ihm dies antut.
Meistens entstehen aber nicht nur verabscheuende Gefühle dem Täter gegenüber, sondern auch gegen sich selbst. Es gibt sich die Schuld, es sei nicht gut genug, dass es liebevoll behandelt werde.
Das Opfer muss Qualen erleiden, die man sich kaum vorstellen kann. Es ist verzweifelt und hat ständig Angst, dass "er" bald wieder kommen könnte, um sich an ihm zu vergreifen. Es ist hilflos und dem Täter schutzlos ausgeliefert.
Es kann nichts mehr fühlen. Das Opfer hat kein Empfinden mehr, um Gut und Böse zu unterscheiden. Ein völliges Durcheinander herrscht in seinem Kopf. Es ist emotional ver-wahrlost und von der Aussenwelt abgesondert.

3. 2. 6 Vertrauensbeziehung

Das Wichtigste für ein Kind ist seine Familie, vor allem während seiner Kindheit. Die El-tern kümmern sich um ihr Kind und es entsteht langsam eine Vertrauensbeziehung. Als Kind ist es abhängig von seinen Eltern und glaubt ihnen alles, was sie ihm sagen. Es hält das für richtig und normal, was es von seinen Eltern erlernt hat. Deshalb hat jedes Kind ein Recht dazu, dass es während seiner Kindheit gerecht behandelt wird. Die Kindheit ist die heikelste Zeit im Leben eines Menschen und sollte für das Kind die schönste sein. Es hält sich an dem fest, was es von seinen Eltern erhält und entwickelt daraus seine eigene Per-sönlichkeit. Es ist abhängig von seinen Eltern und braucht ihre Liebe und Zuneigung. So ist es für den Täter (meist Väter, Grossväter oder andere Verwandte) auch leicht, sein Opfer für sich zu gewinnen und von sich abhängig zu machen. Das unschuldige Kind ist ein leichtes Opfer.

Ich?

Ich?
Saskia, dreizehn Jahre alt.
"Wieso soll ich denn einen Menschen zeichnen? Ich will keinen Körper, ich will nichts davon wissen, alles ist dreckig und schmutzig…"

(Siehe: Hedwig Stellamans- Wellens, 2002, s.111)

3. 2. 7 Persönlichkeitsentwicklung

Zu Beginn macht sich das Opfer noch nicht allzu grosse Gedanken über die Dinge, die mit ihm gemacht werden. Ein Kind, das emotional in der Kälte steht, hört nicht auf, nach Zuneigung zu suchen. Es interpretiert jede Form von Aufmerksamkeit als etwas Besonderes und reagiert mit grosser Anhänglichkeit darauf. Diese Absichten werden jedoch von Erwachsenen völlig falsch verstanden. Sie gehen zwar auf die Bedürfnisse ein, tun dies jedoch mit einer egozentrischen Absicht. Ein Kind, das auf der Suche nach Zärtlichkeit ist, hat nie sexuelle Absichten. Es gibt Haltungen und Gesten nicht dieselbe Bedeutung wie Erwachsene.
Ein Kind wird nicht von Anfang an vergewaltigt. Je abhängiger das Kind vom Täter wird, desto schlimmer werden seine Taten. Mit der Zeit tut das Kind alles, was von ihm verlangt wird, um ein wenig Lob und Anerkennung zu erhalten. Es sucht die Zuneigung und Liebe der Eltern und macht alles dafür, sie auch zu kriegen. Später, wenn die Taten immer schlimmer werden, kann sich das Opfer kaum mehr wehren, weil es viel zu schwach ist und kein Selbstwertgefühl mehr besitzt. Ihm wurde eingetrichtert, was es tun und lassen soll, es hat keine andere Wahl, als zu gehorchen.

Dabei vermeidet das Opfer jeglichen sozialen Kontakt, weil es Angst hat, zum einen erneut enttäuscht zu werden und zum anderen, derjenige könnte es durchschauen. Aber weil sein Selbstwertgefühl bereits zerstört ist, glaubt es auch, keine Freunde finden zu können. Es braucht unglaublich viel Mut und Überwindung, dass ein Opfer von seinem Trauma erzählt. Es ist schwierig, allein aus dem Verhalten des Kindes festzustellen, ob es missbraucht wurde. Meistens geschieht dies erst, wenn das Kind in die Pubertät kommt. Es wird rebellischer und auch fähiger, sich zu wehren. Vielleicht noch nicht dem Täter gegenüber, aber gegen aussen.
Im späteren Leben können bei einem Opfer die verschiedensten Folgen auftreten, die ihr Leben sehr verändern können. Unter anderen kann ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität und dem anderen Geschlecht gegenüber auftreten.
"Ich benutze Männer, wie mein Vater es mit mir gemacht hat"
(Siehe: Anita Kämpf, 1987)
Ein derartiges Erlebnis das ganze Leben in sich zu tragen, ist nicht möglich. Irgendwann kommt ein betroffener Mensch zu einem Punkt, an dem er nicht mehr weiter weiss. Solche traumatischen Erlebnisse können nicht einfach vergessen oder "hinter sich gelassen" werden, indem der Betroffene zum Beispiel beschliesst, vom Ort des Geschehens wegzuziehen. Das funktioniert nicht.
Erinnerungen und Erlebnisse können nicht einfach abgestreift werden. Sie sind und bleiben im Unterbewusstsein gespeichert. Vielleicht beschäftigen die Erinnerungen das Opfer eine Zeit lang nicht, oder es will es nicht wahr haben, aber irgendwann tauchen sie wieder auf.
"Die Vergangenheit mit Vergessen zu "töten" ist mir trotz allen Anstrengungen nicht ge-lungen. Auf Vergessen ist kein Verlass. Wo man vergisst, wo man "begräbt", da gibt es einen Hügel und über diesen stolpert man früher oder später doch."
(Siehe: Anita Kämpf, 1987, s. 190)

3. 3 Ursachen

Ein Kind, das in einer inzestuösen Familie lebt, ist oft sehr introvertiert, zurückhaltend und misstrauisch gegenüber anderen Menschen. Die Familie verhält sich nach aussen "normal" und versucht möglichst nicht aufzufallen. In der Familie selbst zählen andere Normen und Werte, so wie wir es uns vielleicht gewohnt sind. Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit gegenüber den anderen Familienmitgliedern spielen in der Erziehung nicht eine grosse Rolle, es herrscht eher ein autoritärer Erziehungsstil. Auf diese Weise hat ein Kind keine andere Wahl, als zu gehorchen, weil es sich nicht gewohnt ist, sich zu wehren. Es hat deshalb auch kein grosses Selbstbewusstsein. Die Eltern sind ihm voll und ganz überlegen, das ist ihnen auch bewusst. Somit können diese sicher sein, dass die "Geheimnisse", die niemand erfahren soll und darf, auch nicht von ihrem Kind verraten werden. Die Achtung und der Respekt der Kinder ihren Eltern gegenüber ist zu gross, um Widerstand leisten zu können.

3. 3. 1 Erziehung

Wie schon erwähnt, (siehe: Opfer, Vertrauensbeziehung) ist die Kindheit der wichtigste Teil im Leben eines Menschen, weil durch sie ein Leben geprägt wird. Als Kind ist man noch völlig unwissend und naiv und deshalb abhängig von seiner Umwelt und von seiner Familie. In einer guten Erziehung muss in erster Linie darauf geachtet werden, dass das Kind seine Kindheit ausleben kann, dass es nicht auf Unwichtigkeiten, wie saubere Kleider achten muss und dass es als eigenständige Persönlichkeit behandelt und respektiert wird.
Diese Punkte werden oft nicht beachtet. Das Kind kann seine Persönlichkeit nicht richtig entwickeln, dadurch entsteht ein geringes Selbstbewusstsein. Je jünger ein Kind missbraucht wurde, desto ernster ist das Problem, da ein Kind noch keine ausreichenden Verteidigungsmechanismen entwickeln konnte, um sich selbst zu schützen. Nicht immer sind diese Szenarien wirklich traumatisierend. Das Risiko steigt vor allem für jene Kinder, die besonders in jungen Jahren chronisch mit derlei Szenarien konfrontiert sind, keine Verarbeitungsmöglichkeiten erhalten und auch sonst wenig stabile Beziehungen und positive Zuwendung erhalten.
(Siehe: Angela May, 2003)

3. 2. 2 Rollentausch

Es kommt viel vor, dass die Eltern ähnliche Schicksale erlebt hatten. Obwohl sie dieselben Ängste und Gräueltaten erleben mussten, verüben sie später die gleichen Misshandlungen an ihren Kindern.
Jede Mutter und jeder Vater will eigentlich nur das Beste für seine Kinder. Ihr Ziel ist es, dass es ihren Kindern später besser geht als ihnen selbst damals. Trotzdem kommt es vor, dass eine Mutter, die früher selbst vergewaltigt und misshandelt wurde, ihr eigenes Kind sexuell nötigt oder misshandelt. Unbewusst wird sie konfrontiert mit ihren Problemen, die sie nie verarbeiten konnte und nur verdrängt hat. Nun sieht sie ihr kleines Kind, das etwa im selben Alter ist wie sie damals. Es entsteht vielleicht unbewusst eine Art von Eifersucht. Das Kind bekommt Liebe und Zuneigung, für das sie selbst früher immer darum kämpfen musste und es trotzdem nicht oder zu wenig gekriegt hat. Dieses Kind bekommt die Liebe umsonst, SIE musste dafür früher durch die Hölle gehen.

3. 4 Folgen

"Eine Wunde sieht man, sie schmerzt für eine kurze Zeit, aber der Schmerz ist vergänglich. Wenn die Seele zerstört wird, muss man zuerst den Weg zu ihr finden." (Ein Gedanke von mir)
Die Folgen eines sexuellen Missbrauchs sind viel grausamer, dramatischer und tiefgehender als man sich vorstellen kann. Äusserlich sind keine sichtbare Wunden zu sehen, doch das Innere des Menschen, die Seele ist zerstört. Ein kleines Kind versucht häufig solche Erlebnisse zu verdrängen um jegliche Konfrontation zu vermeiden. Es bleibt ihm nichts anderes übrig. Es schützt sich damit vor sich selbst, dass das Menschlein nicht noch mehr zerstört wird. Dazu spürt es die Scham? und Schuldgefühle, die ihm der Täter vermittelt hat.
Wenn ein Opfer über längere Zeit seine Erlebnisse verdrängt hat, können verschiedene Folgen entstehen, die als Auswirkungen des verdrängten sexuellen Missbrauchs gelten.
Dabei kommt es auf den Menschen an und auf das Alter des Opfers. Im Weiteren sind die Folgen abhängig einerseits von der Art des sexuellen Missbrauchs, den Umständen, unter welchen Bedingungen dieser stattfand, andererseits aber auch von den internen und externen Bewältigungsressourcen, über welche das Opfer eines sexuellen Missbrauchs verfügt.
(siehe: Wilhelm Körner, 2004)
Die Auswirkungen sind meist auf psychischer Ebene, weil Vertrauensbruch, Liebesentzug und Machtmissbrauch viel stärkere Auswirkungen auf das Kind hat als der Missbrauch selbst.

3. 4. 1 Mögliche Auswirkungen eines sexuellen Missbrauchs

  • Dissoziative Störungen (Psychogene Amnesie und multiple Persönlichkeit (siehe: Seiten 13 und 14)
  • Essstörungen ( Magersucht oder Bulimie)
  • Psychosomatische Störungen (Zuckungen in Extremitäten, Geh? und Sehstörungen und Störungen des Bewusstseins, Schlafstörungen, Haut und Magenerkrankungen, seelisch bedingte Kopf? und Rückenschmerzen, chronische Unterleibsschmerzen)
  • Entwicklungsstörungen (ist nicht fähig, alleine klar zu kommen)
  • Verhaltensstörungen (ambivalentes Verhalten: entweder ist es schüchtern oder vorlaut. Es kann auch nicht Gut und Böse unterscheiden)
  • Konzentrationsstörungen (tranceähnliche Zustände, Abwesenheit, abfallendes Leistungsvermögen)
  • Borderline Syndrom (Persönlichkeitsstörung, ist eine fortgesetzte Instabilität in sozialen Beziehungen, im Selbstbild und der Stimmung)
  • Selbstverletzung (Gefühle der Scham, Schuld und ein Strafbedürfnis gegenüber dem eigenen Selbst)
  • Angst vor Vernichtung des psychischen und physischen Selbst
  • Selbstbewusstseinsmangel, kein Selbstwertgefühl
  • Albträume, Schlafwandeln, Schlaflosigkeit
  • Panikattacken
  • Aggressionszustände, Wutausbrüche
  • Einsamkeit, man findet kein Vertrauen zu anderen Menschen
  • Sexuell frühreifes Verhalten
  • Einnässen, Einkoten
  • Häufung und Mischung verschiedener Verhaltensauffälligkeiten (gegenüber Mitmenschen)
  • Neigung zu und Häufung von Unfällen, die zufällig oder provoziert wirken. (Um Auf-merksamkeit zu erregen und endlich beachtet zu werden)

"Die Folgen sind umso gravierender, je unreifer die Psyche ist, auf die das Trauma trifft, weil ein Säugling oder Kleinkind noch kaum über Bewältigungsmöglichkeiten und Ab-wehrmechanismen verfügt, und je abhängiger das Opfer vom Täter ist, eine Abhängig-keitsbeziehung eine klare Bewertung und innere Distanzierung vom Missbrauchsgeschehen enorm erschwert."
(Siehe: Wilhelm Körner, 2004, s. 328)
Für die Folgen sexueller Übergriffe ist kennzeichnend, dass alle belastenden Spannungen, die der kindliche Körper aushalten muss, über den Körper entladen werden. Das bedeutet, dass versucht wird, Konflikte mit einer körperlichen Erkrankung zu lösen.
(Siehe: Angela May, 2003, s. 79)
Da die Folgen sehr verheerend sein können, ist es für den Menschen kaum möglich, diese zu ertragen und damit zu leben. Er braucht dringend Hilfe. Im übernächsten Kapitel wird eine mögliche Verhaltenstherapie beschrieben, welche Methoden es gibt und wie sie ange-wendet werden müssen, um ein solches Trauma zu verarbeiten.

3. 5 Dissoziative Störung

Es kommt vor, dass man etwas vergisst, das man eigentlich auch gar nicht hätte tun wollen. Solche unerwünschte Situationen können durch kleine Streiche des Gedächtnisses vermieden werden. "Das Vergessen" hält einen fern von Dingen, die für das Selbstwertgefühl des Menschen bedrohlich sein könnten. Doch kann einem niemand die Schuld geben, man hätte die Situation absichtlich gemieden. Man hat es einfach vergessen. Extremfälle dieses ansonsten eher alltäglichen Vorgangs, plötzliche, vorübergehende Veränderungen des Bewusstseins in Form von schweren Gedächtnisausfällen, der Verlust der persönlichen Identität, sind wichtigste Merkmale einer dissoziativen Störung. (siehe Zimbardo, 1999)

"Eine dissoziative Störung ist eine wesentliche Beeinträchtigung der Integration von Identität, Gedächtnis und Bewusstsein, durch diese auch das normale Tages? Wach? Bewusstsein verhindert wird." (Siehe: Traumatisierte Kinder, Band 4, 2003, s.5 3)

3. 5. 1 Dissoziative Symptome bei traumatisierten Kindern

Externe Anzeichen:

  • Trancezustand ist ein sehr wichtiges Symptom, dabei fällt ein Kind so tief in diesen Zu-stand, dass es kaum oder gar nicht mehr ansprechbar ist.
  • Leugnen von Verhaltensweisen
  • Selbstschädigendes Verhalten
  • Impulsive Aggressionen

Internale Anzeichen:

  • Trancezustände
  • Halluzinationen/ lebhafte Phantasie
  • Fehlende Erinnerungen, Verwirrung über die Identität

Es gibt zwei verschiedene Dissoziationen, auf die ich nun eingehen werde. Zum einen die psychogene Amnesie, zum anderen die dissoziative Persönlichkeitsstörung oder auch multiple Persönlichkeit.

3. 5. 2 Psychogene Amnesie

Ein Hauptmerkmal der psychogenen Amnesie ist die plötzlich einsetzende Unfähigkeit, sich an wichtige, persönliche Daten zu erinnern, ohne dass neurologische Störungen vorlägen. Ein sexuell missbrauchtes Kind kann sich nicht an die traumatischen Erlebnisse erinnern, es leugnet diese sogar, um nicht damit konfrontiert zu werden. Es ist also eine Art unbewusste Verdrängung.

Man unterscheidet:

  • Lokalisierte Amnesie: alle Ereignisse einer bestimmten Phase, die mit einer traumatischen Erfahrung zusammenhängen, werden vergessen. Das Opfer erinnert sich nur daran, als sich der Täter ihm näherte und dann, als es wieder alleine war.
  • Bei der selektiven Amnesie werden nur einige der traumatischen Erlebnisse vergessen. Das Opfer erinnert sich an das Aussehen des Täters, aber nicht genau welche Gewalttaten er ihm angetan hat.
  • Die generalisierte Amnesie umfasst die Erinnerungsstörungen des ganzen Lebens des betroffenen Individuums.
  • Bei der kontinuierlichen Amnesie sind die Erinnerungen an Ereignisse von einem be-stimmten Zeitpunkt an bis in die Gegenwart nicht mehr möglich. (siehe Zimbardo,1999, s.609)

3. 5. 3 Die dissoziative Identitätsstörung (multiple Persönlichkeit)

"Die dissoziative Identitätsstörung ist eine dissoziative Störung, bei der in einem Individuum zwei oder mehr unterschiedliche eigenständige Persönlichkeiten existieren. Zu jedem Zeitpunkt dominiert immer eine dieser Persönlichkeiten das Verhalten. (siehe Zimbardo, 1999, s. 610)

Diese Identitätsstörung ist eine der dramatischsten Formen einer radikalen Bewusstseinsveränderung. Die einzelnen Persönlichkeiten sind sich der Existenz der jeweils anderen in unterschiedlichem Ausmass bewusst.
Sie verfügen über eine einzigartige Identität, einen eigenen Namen, eigene soziale Beziehungen, Verhaltensmuster und sogar über typische Gehirnwellenaktivitäten. In einigen Fällen entwickeln sich Dutzende von Charakteren, die dem Individuum helfen mit einer schwierigen Lebenssituation zurechtzukommen.
Die Entstehung dieser unterschiedlichen Persönlichkeiten, deren jede ein eigenes Bewusstsein hat, erfolgt ganz plötzlich auf stressreiche Erfahrungen hin. Die dissozialen Prozesse sind ein Abwehrmechanismus, bei der Betroffene in der traumatischen Situation von einer Überschwemmung mit bedrohlichen Wahrnehmungen und Gefühlen geschützt werden.

"Von anderen habe ich später gehört, dass sich jeder Mensch in Zeiten schlimmster körperlicher Qual in sein tiefstes Inneres zurückziehen kann, dass die Seele sich dann förmlich auf kleinstem Raum verschanzen kann. Obwohl das Herz weiter Blut durch den ganzen Körper pumpt, erfährt man Teile seiner selbst, als gehörten sie nicht mehr dazu." (siehe, Monika B. , 1993, s.137)

Bei Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung handelt es sich typischerweise um Frauen, die während ihrer Kindheit über lange Zeit von ihren Eltern oder Verwandten vergewaltigt wurden. Durch die Dissoziation sind sie symbolisch geflüchtet. Sie schützen ihr verwundbares Selbst, indem sie härtere innere "Schauspieler" und "Schauspielerinnen" schaffen, die ihnen helfen, die traumatische Situation zu bewältigen.
Irgendwie konstruiert sich ein missbrauchtes Kind eine andere Wirklichkeit und lebt sich darin so ein, dass es zum Ersatz der tatsächlichen Realität wird. So können die Vergewaltigungen besser ertragen werden, weil es sich nicht als Opfer selbst betrachtet, sondern als "Zuschauer".
"Wie mein Vater sich auf mir bewegte; wie plötzlich ein schreckliches Grinsen sein Gesicht zerriss; wie dann dieses widerliche, klebrige, weisse Zeug auf meinen Bauch floss- das alles sah ich wie eine unbeteiligte Beobachterin mit an." (Siehe: Monika B., 1993, s. 137)

3. 6 Therapie

Irgendwann wird der Druck für das Opfer zu gross und wenn es jemanden gefunden hat, dem es vertrauen kann, bricht es das Schweigen und erzählt von seinen furchtbaren Erlebnissen. Das Geheimnis zu erzählen ist der Anfang eines neuen Leidensweges. Nicht nur dem Opfer, sondern der ganzen Familie muss nun geholfen werden, damit sie möglicherweise wieder zusammengebracht werden kann. Es gibt die verschiedensten Therapien für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, aber da ich mich im praktischen Teil mit einer erwachsenen Person beschäftigen werde, beschreibe und erkläre ich im Folgenden nun eine Verhaltenstherapie bei erwachsenen Opfern.

3. 6. 1 Verhaltenstherapie bei Erwachsenen

  1. wie Orientierung am Verhalten (motorisch, kognitiv- emotional, physiologisch): damit ist gemeint, dass sich der Patient seines Verhaltens zuerst bewusst sein muss, um danach auch bereit zu sein, eine Therapie zu machen.
  2. Analyse der Einflussfaktoren: Was ist mit ihm damals passiert? Warum ist dies geschehen? Zusammen verschaffen sich der Therapeut und der Patient einen Überblick über die Problembereiche.
  3. Die Festlegung der Therapieziele und Therapieplanung erfolgt ebenfalls mit Hilfe des Patienten.
  4. Integration des Traumas in die Erlebniswelt und Gedächtnisstrukturen des Betroffenen. Damit wird der erste Sehritt der Verarbeitung gemacht.
  5. Die Konstruktive Verarbeitung des Erlebten ist das Kernstück bei der Verhaltenstherapie. Dabei sollte unbedingt beachtet werden, dass weder das Selbstbild, das Körperkonzept noch der Selbstwert einen allzu grossen Schaden davontragen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn es gelingt, die vom Patienten häufig eingesetzten Strategien der Vermeidung und Verleugnung zu durchbrechen.
    "Die Vermeidung, sich mit den Erlebnissen des sexuellen Missbrauchs auseinanderzuset-zen, ist bei Opfern wohl die am häufigsten eingesetzte Bewältigungsstrategie. Doch diese Strategie erweist sich als wenig effektiv, denn sie erhöht das Risiko, Probleme und Störun-gen zu entwickeln? selbst wenn sie von Betroffenen als hilfreich erlebt wird." (Siehe: Wilhelm Körner, s.403)
    Es reicht nicht nur, dass sich der Patient an seine Erlebnisse zurückerinnert oder dass er über seine damit verbundenen Gefühle spricht. Für die konstruktive Verarbeitung muss sich der Patient richtig mit seinen Erlebnissen auseinandersetzen und versuchen zu erklären, was der sexuelle Missbrauch für ihn bedeutet und wie er ihn im Verlauf der Jahre erlebt und bewertet hat. Erst dies ermöglicht eine Verarbeitung des Erlebten. Für die Konfrontation mit den Missbrauchserlebnissen ist es wichtig, dass man schrittweise vorgeht, so dass der Patient nicht von den negativen und unangenehmen Gefühlen überwältigt wird. Dabei sollte das Ausmass der Konfrontation unbedingt vom Patienten selbst bestimmt werden.
    Für den Therapeuten stellt sich oft die Frage, warum misshandelte Menschen erst so spät jemandem zu vertrauen beginnen und über ihre Erlebnisse reden. Für die Therapie ist es durchaus wichtig, diesen Vorgang zu verstehen, denn damit können manche Handlungen und Verhaltensweisen der Patienten besser verstanden und erklärt werden. Sexueller Missbrauch ist ein Tabu, es wird nicht darüber geredet. Das Opfer wurde vom Täter dazu gezwungen zu schweigen unter Androhung schlimmer Konsequenzen. Die Offenlegung bedeutet auch ein Schuldgeständnis (siehe: Opfer, Selbstbild). "Ich habe als Kind etwas Schlimmes gemacht."
    Denn neben negativen Gefühlen kann ein Opfer auch Gefühle wie sexuelle Lust oder Erregung erlebt haben. Dies hinterlässt bei ihm das Gefühl, es auch selbst gewollt zu haben. Hier wird klar, weshalb Vermeidung so häufig eingesetzt wird und die Konfrontation so gefährlich erscheint. Dazu bedeutet die Therapie auch, sich jemanden anvertrauen zu können, und genau dieser Faktor wurde vom Opfer immer gemieden. Das ist durchaus verständlich, weil während seiner Kindheit sein Vertrauen zusätzlich aufs massivste missbraucht wurde. Deshalb fällt es dem Opfer auch Jahre später noch schwer, jemandem Vertrauen zu schenken. Der Therapeut muss in jedem Fall sehr vorsichtig, rücksichtsvoll und etwas zurückhaltend vorgehen und dem Patienten immer die Möglichkeit geben aufzuhören. So wird das Vertrauen zum Therapeuten gestärkt.
  6. Posttraumatische Belastungsstörungen (Ängste, Albträume, Depressionen...siehe Fol-gen): Um bestehende Ängste bewältigen zu können, muss der Patient dabei unterstützt werden, kognitive und emotionale Aspekte des Traumas zu integrieren. Auch in diesem Bereich müssen in einem ersten Schritt sorgfältig und umfassend alle angstauslösenden Gefühle und Situationen erhoben werden. Dazu ist es wichtig, gleichfalls innere Bilder und Wahrnehmungen zu berücksichtigen. Der Patient wird nicht nur mit den angstauslösenden Gefühlen konfrontiert, sondern auch mit Lösungsvorschlägen zur Problembewältigung. Auch bei diesem Punkt ist es besonders wichtig, dass der Patient die Grundprinzipien dieses Vorgehens (Konfrontation und Verhinderung der Vermeidung) versteht und bereit ist, sich den negativen Gefühle und Situationen zu stellen.
  7. Negatives Selbstbild: Dem Patienten muss geholfen werden, seine Persönlichkeit zu stärken, damit er in Zukunft alleine klar kommen kann.
    Die sozialen Beziehungen sind bei einem missbrauchten Opfer meist nur oberflächlich. Es gibt niemanden, dem es sich anvertrauen kann. Beim Opfer löst es sofort Ängste und Gefühle der Hilflosigkeit aus, die es nur verdrängen kann, indem es Kontakte meidet. Während der Behandlung werden diese Situationen mit dem Patienten analysiert, welche Gefühle, Gedanken und Erinnerungen in solchen Situationen bei ihm auftauchen. Dazu werden auch Zusammenhänge mit dem sexuellen Missbrauch gefunden und danach dem dysfunktionalen Gedanken entsprechend umstrukturiert. Ziel der Therapie ist es, die dysfunktionale Kognitionen zu verändern, damit sich der Patient auf engere soziale Kontakte einlassen kann. Da es aber für die meisten Opfer schwierig ist, plötzlich engere Kontakte bilden zu können, weil sie es bis jetzt nie richtig erlernt haben, muss gleichzeitig ein hilfreiches Verhalten für derartige Situationen erlernt und aufgebaut werden.
    Wichtig ist, dass der Patient Sicherheit und Vertrauen erwerben kann, um auch engere soziale Kontakte leben zu können, ohne verletzt, benützt oder manipuliert zu werden. Dies hat zur Folge, dass das Selbstwertgefühl und das Selbstbild gestärkt werden.
  8. Sexuelle Funktionsstörungen:
    Der Therapeut versucht diese mit dem Patienten zu beheben, damit er wieder fähig ist, eine Beziehung einzugehen.
    Ein missbrauchtes Opfer ist häufig nicht fähig, eine Beziehung zu haben. Deshalb ist es wichtig zuerst das Verhältnis zm eigenen Körper herzustellen, ihn als wichtigen Teil von sich selbst zu akzeptieren, ihn kennen zu lernen, ihn positiv zu werten, Empfindungen des Körpers und sexuelle Erregung positiv zu bewerten und geniessen zu lernen.
    Während der Therapie wird durch Berühren und Betrachten des eigenen Körpers, dem Patienten ein normales Verhältnis zu diesem erlernt. Dadurch soll er lernen, die Empfindungen, die durch die unterschiedlichen Berührungen und durch die Berührung verschiedener Körperregionen ausgelöst werden, zu differenzieren, auch sexuelle Erregung wahrzunehmen und zu geniessen. Bei dieser Methode ist es klar, dass immer wieder Erinnerungen an den sexuellen Missbrauch auftreten, die Ängste auslösen. Dabei werden die gleichen Methoden angewendet wie ich es bei Nummer 6, posttraumatische Belastungsstörungen, beschrieben habe. (Siehe: Wilhelm Körner, 2004)

4. 0 Der Täter

"Für mich war mein Vater viel mehr als nur ein Retter und netter Mann. Für mich war er der wunderbarste Mensch der Welt, die Mitte meines Lebens, meine Zuflucht, mein Trost, mein Schutz. Ich liebte ihn, wie ich nie wieder einen anderen lieben werde. Und ich liebe ihn voller Verzweiflung noch heute." (Siehe: Monika B., s.32)

4. 1 Eigenschaften

Man findet solche Menschen in allen Bevölkerungsschichten. Dabei handelt es sich nicht um widerwärtige Männer, die Schwierigkeiten haben, ihre sexuellen Triebe zu kontrollieren. Die Gesellschaft reagiert meistens überrascht darüber, weil die Täter der Aussenwelt meist einen ganz anderen Eindruck vermitteln. Sie können sehr autoritär und konservativ sein. Sie sind aber auf keine Art auffällig.
Oder es kann auch gerade das Gegenteil sein. Die Täter besitzen eine schwach entwickelte Persönlichkeit und ein geringes Selbstwertgefühl. Dies kann davon kommen, wenn sie früher selbst misshandelt oder sexuell missbraucht wurden. Werden sie erwachsen, wechseln sie die Rollen (siehe: Ursachen, Rollentausch).

4. 2 Gefühle

Die Täter können sehr schlecht mit Gefühlen umgehen. Sie besitzen ein wenig differenziertes Gefühlsleben. Angst, Kummer und Wut haben sich zu einem Gefühlsknäuel entwickelt, den sie nicht selbst entwirren können und für das sie keine Lösung finden. Ihnen fällt es äusserst schwer, mit anderen mitzufühlen oder deren Wünsche und Bedürfnisse nachzuempfinden. Sie wirken sehr egozentrisch.
Da sie als Kind selber nicht genügend Zuneigung, Liebe und Zärtlichkeit erhalten hatten, sind sie als Erwachsene kaum fähig, diese anderen weiterzugeben. Wenn sie auf eine Antwort oder Aufforderung ein "nein" erhalten, betrachten sie es nicht als Unwille, sondern als Zurückweisung. Dabei denken sie weder über die eigenen Gefühle noch über die des Kindes nach. Sie verwechseln die zärtlichen und liebevollen Gefühle mit Sexualität und Befriedigung. Hier entsteht das Missverständnis. Das Kind wird für die eigene sexuelle Befriedigung benutzt.

4. 3 Machtmissbrauch

Sie versuchen andere von sich abhängig zu machen, um Macht über sie zu erlangen. Sie tun das, was sie als Kind selbst erfahren haben. (Siehe: Ursachen, Rollentausch) Bei kleinen Kindern haben sie es sehr einfach, sie für sich zu gewinnen, weil diese ihre Persönlichkeit noch nicht fertig entwickelt haben und dadurch sehr unkritisch und leichtgläubig sind. Dabei wird das Kind nicht als eigene Persönlichkeit wahrgenommen, sondern als Ding, das man nach Lust und Laune benutzen kann.
(Siehe: Hedwig Stellamans? Wellens, 2002)

4. 4 Verschiedene Typen

Bei den Tätern werden verschiedene Typen unterschieden:

  • Der häufigste Tätertypus, der autoritäre, adrette Mann. Er glaubt, ein Recht auf das Kind und dessen Sexualität zu haben. Als Familienvater ist er das oberste Familienmitglied und kann über alles und alle entscheiden. Dabei lässt er dem einzelnen sehr wenig Freiraum.
  • Dann gibt es den eher infantilen Täter. Er besitzt eine schwache Persönlichkeit und eine geringe männliche Identität. In der Familie wird ihm wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Frau sieht ihn als "Kind" und damit als unfähig an, anderen gegenüber ein sexuelles Verhalten an den Tag zu legen. Wenn der sexuelle Missbrauch mal auffliegt, wird die Schuld eher beim Kind gesucht, das den Täter verführt haben soll.
  • Es gibt auch Gelegenheitstäter, die unter dem Druck von Freunden oder durch den Verlust der Frau, sich selbst und anderen etwas beweisen wollen. Sie suchen dabei das "geeignetste und willigste" Opfer, ein Kind.
  • Natürlich gibt es auch eine Gruppe von Perversen. Diese leiden aber an ernsten Persönlichkeitsstörungen und sind eine Gefahr für die Gesellschaft.
    (Siehe: Hedwig Stellamans? Wellens, 2002)

4. 5 Verantwortungsübernahme und Schuld

Täter versuchen mit den verschiedensten Gründen einen Missbrauch zu verleugnen oder zu rechtfertigen:

  • "Ich bin schuldlos, habe nichts getan, war es nicht. Ich verurteile solche Menschen, die sich an ihren eigenen Kindern vergreifen."
  • "Ich bin anders, ich liebe Kinder und ich tue alles für sie, sie sind mein ein und alles."
  • "Damit habe ich auch Gutes getan. Ich wollte ihr das Gefühl geben, dass sie nicht alleine ist. Sie fühlte sich wohl dabei, es war auch positiv für sie, für ihr Selbstwertgefühl."
  • "Ich wollte es eigentlich nicht, es ist so eskaliert, es hat sich so ergeben. Sie war auch immer so schmusig."
  • "Ich habe sehr gelitten, ich habe gewusst, ich mache einen Fehler, habe nach ein paar Mi-nuten Ängste bekommen vor den strafrechtlichen Konsequenzen."
  • "Ich habe nicht gewusst, welche Auswirkungen es hat, welche Störungen für meine Toch-ter kommen könnten."
    (Siehe: Wilhelm Körner, 2004, s. 499)

5. 0 Das Geheimnis

Es ist unvorstellbar, dass ein kleines Kind von seinem Vater zu jahrelanger Geheimhaltung gezwungen werden kann. Es wird nicht nur sexuell missbraucht, sondern auch benutzt: Der Täter übt enorme Macht über das Kind aus. Durch harte Drohungen wird das Kind zur Geheimhaltung verpflichtet. Ihm wird beigebracht, dass es nur lieb und gut sei, wenn es niemandem "sein Geheimnis" verraten würde. Wenn doch, würde etwas sehr Schlimmes passieren: Niemand würde mehr etwas von ihm wollen, niemand würde es lieb haben... und sowieso würde ihm kein Mensch glauben. Das Kind hat gar keine andere Wahl, als zu schweigen.
Für das Opfer ist es sehr schwer, damit klarzukommen und damit zu leben. Deshalb baut sich das Kind eine Überlebensstrategie als Selbstschutz auf, indem das verleugnet wird, was in Wirklichkeit passiert ist. Diese Strategie wird nun das ganze zukünftige Leben angewendet, bis es sich jemandem anvertraut. (siehe: Dissoziative Störung, multiple Persönlichkeit)
Erwachsene wissen, wie einfach es ist, einem Kind Schuldgefühle zu vermitteln. Für den Täter ist dies der sicherste Weg, nicht verraten zu werden. Es fühlt sich mitverantwortlich am Zusammenhalt seiner Familie und will auf keinen Fall schuldig sein, wenn die Familie seinetwegen auseinenderbrechen würde. Der Täter versetzt das Kind somit in eine ungeheure Abhängigkeit und Angst.
Weil das Kind mit der Zeit nicht mehr fähig ist, auch nur den geringsten Widerstand zu leisten, und die Handlungen immer wieder duldet, wird dies von Aussenstehenden als Zeichen der Zustimmung und Bewilligung betrachtet. Daraus wird sogar geschlossen, dass sich das Kind damit einverstanden zeigt, und dass es den Erwachsenen sogar verführt haben soll. Das Kind ist nicht nur das Opfer, es wird auch noch beschuldigt, der Täter zu sein.
(siehe: Hedwig Stellamans? Wellens, 2002)

"Es war geradezu eine teuflische Strategie, der ich erlag. Mein Vater benutzte und beschmutzte mich ja nicht nur- sondern indem er mir ein Geheimnis auferlegte, gab er mir das Gefühl, selbst schuldig zu sein. Indem er mich dazu brachte, das Geheimnis, das eigentlich einzig und allein das seine war, mit ihm zu teilen, wurde ich zu seiner Mittäterin. Mein Schweigen und mein Dulden waren meine Schuld. Sie machten mich zu einem schlechten und schmutzigen Mädchen." (Siehe: Monika B. , 1993, s. 93)

6. 0 Die Familie

Eine inzestuöse Familie lebt meist isoliert und vermeidet soziale Kontakte. Der Vater übt eine starke Kontrolle über das Leben seiner Familie, vor allem seiner Kinder, aus. Durch die wenigen Kontakte können die Kinder kein Bezugssystem aufbauen, was zum einen negative Auswirkungen auf ihre Persönlichkeitsentwicklung hat, zum anderen wird es noch schwieriger sein, später eine Vertrauensperson zu finden.
Alles, was guten Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder haben könnte, wird verboten. Auf diese Weise ist es den Kindern von Anfang weg nicht möglich, selber Entscheidungen treffen zu können und zu dürfen, weil sie es nie gelernt haben und es ihnen dazu noch verboten wurde.
Die Familienverhältnisse sind meistens sehr speziell. Es fehlt an Kommunikation und emotionaler Verbundenheit. Jeder ist auf sich allein gestellt, und es wird kaum auf andere geachtet oder Rücksicht genommen. Es werden Regeln aufgestellt, diese werden aber selten eingehalten. Die Väter üben eine übertriebene Macht auf ihre Kinder aus. Sie kontrollieren sie ständig und lassen ihnen keine Privatsphäre. Auch die Mütter verhalten sich dementsprechend seltsam. Offensichtlich machen sie sich keine allzu grossen Gedanken über das Verhalten ihres Mannes gegenüber ihren Kindern. Sie würden niemals denken, dass ihr Mann ihren Kindern etwas antun würde. Gerade deshalb, weil es scheint, dass die Mutter sich keine Sorgen macht und nicht interessiert ist, verschliesst sich das Kind auch vor ihr. Das Kind wird zum "Partner" des Vaters, zur Rivalin der Mutter und dazu verantwortlich für den Zusammenhalt der Familie. (siehe auch: Geheimnis)
Bricht ein Kind das Stillschweigen, zerstört es in den meisten Fällen auch die zerbrechliche Verbindung, die die Familie zusammenhielt. Jedes Familienmitglied ist ein Opfer, fühlt sich erneut verstossen, verleugnet und verlassen.
(Siehe: Hedwig Stellamans- Wellens, 2002)

7. 0 Praktischer Teil

7. 1 Beschreibung der Befragten

Die 51?jährige, kinderlose Frau S. lebt seit 25 Jahren sehr glücklich in einer Beziehung. Frau S. ist ein sehr liebenswerter, offener, fröhlicher und herzlicher Mensch. Man käme nie auf die Idee, dass diese Frau eine furchtbare Kindheit erleben musste. Durch ihr Schicksal wurde sie geprägt aber nicht zerstört.

7. 2 Ihre Familie

Als ältestes von sechs Kindern hatte sie zu allen, ausser einem Bruder, ein sehr gutes Verhältnis. Als ältestes Mädchen war sie stets die Verantwortliche. Ihr wurde die Schuld gegeben, wenn eines der Geschwister eine Arbeit nicht korrekt verrichtete. Dabei musste sie den ganzen Tag arbeiten und hatte kaum Zeit für sich. Obwohl ihr Alltag hauptsächlich aus Arbeiten bestand, hatte sie bis zu ihrem zehnten Lebensjahr eine normale Kindheit.

7. 3 Der Vater

Ihr Vater war ein sehr gut aussehender und beliebter Mann. Die Frauen liebten und verehrten ihn. Gegen aussen zeigte er sich als liebenswerten Ehemann und Vater, zuhause aber war er sehr jähzornig, aggressiv und autoritär. Er allein hatte das Sagen und entschied frei über die einzelnen Familienmitglieder. Niemand konnte seine Meinung ändern. Die ganze Familie fürchtete sich vor ihm und gehorchte ihm wortlos. Seine häufigen Wutausbrüche bekam vor allem Frau S. zu spüren.

7. 4 Die Mutter

Die Mutter war eine sehr liebevolle und gute Mutter. Frau S. hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihr, sogar nachdem sie wusste, was ihr Mann ihrer Tochter jahrelang angetan hatte. Doch auch sie hatte sehr grossen Respekt vor ihrem Ehemann und traute sich nicht, ihm zu widersprechen. Sie versuchte alles für das Wohlergehen der Familie zu tun. Ohne sie wäre vieles anders und eventuell noch schlimmer geworden.

8. 0 Das Interview

8. 1 Das Kind

a) Wie waren Sie als Kind? Charaktereigenschaften? (schüchtern, offen, fröhlich, ruhig, selbständig, zurückhaltend..)
Ich war ein ganz normales Kind. Als Älteste war ich verantwortlich für meine Geschwister. Meine Eltern arbeiteten den ganzen Tag.

b) Wie waren Ihre Familienverhältnisse?
Wir lebten mit meinen Grosseltern väterlicherseits zusammen. Wir hatten wenig Geld und lebten dauernd unter Stress und Druck. Als Selbstversorger mussten wir viel Heimarbeit verrichten und hatten dadurch kaum Freizeit. Ferien kannte man nicht. Trotzdem hatten wir in der Familie ein paar Rituale, die immer eingehalten wurden. Jeden Mittwoch durfte sich jedes Kind in der Bäckerei für 10 Rappen etwas aussuchen. Daran kann ich mich sehr gut erinnern. Das einzige Schlimme für mich war, als unsere Grosseltern starben. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu beiden und fühlte mich bei ihnen geborgen.

c) Wie alt waren Sie, als es das erste Mal passierte?
Als ich zehn Jahre alt war, begann sich mein Vater immer mehr für mich zu interessieren. Er rief mich zu sich auf das Sofa, drückte mich an sich und fasst mich auch an. Mit der Zeit steigerten sich seine Übergriffe immer mehr. Während sechs Jahren wurde ich von meinem Vater sexuell missbraucht.

d) Hatten Sie auch Schuldgefühle? (Siehe: Opfer, Gefühle)
Ja. Ich wusste nicht was richtig und falsch war. Das Leben wird von den Eltern vorgelebt. Jedes Kind nimmt das als Vorbild. Dazu gab mir mein Vater das Gefühl, dass er nichts Verbotenes tat.

e) Warum haben Sie sich niemandem anvertraut?
Inzest war zu dieser Zeit ein Tabu. Niemand sprach darüber. Auch meiner Mutter konnte ich es nicht sagen. Ich traute mich nicht und hatte auch ein komisches Gefühl dabei. Dazu hatte ich enorme Angst vor meinem Vater.

8. 2 Auswirkungen

a) Inwiefern hat sich dadurch Ihre Persönlichkeit verändert?
Aus Liebe wurde Hass. Es ist bewiesen, dass ein Kind seine Eltern liebt, egal, was sie ihm antun. Bei mir aber wurde der Hass danach ziemlich stärker. Ich versuchte meinem Vater aus dem Weg zu gehen wo ich nur konnte. Dazu wurde ich sehr aggressiv und hatte auch oft Streit mit meinem um ein Jahr jüngeren Bruder. Denn auch von ihm wurde ich manch-mal angefasst oder verbal provoziert, indem er mir" Schätzeli " rief. Das konnte ich nicht ertragen.

b) Traten Entwicklungsstörungen auf? Wenn ja, welche?
Ja, in der Schule hatte ich Schwierigkeiten. Ich wurde vom Lehrer schlecht behandelt und geschlagen. Der Vater und auch der Lehrer waren die Personen, die alles mit mir machen durften. Ich hatte kein Recht. Deshalb war es auch sehr schwierig, bis ich mich zu wehren getraute. In mir jedoch stauten sich Aggressionen, die erst mit dreizehn Jahren gegen aus-sen spürbar wurden.

c) Welche Auswirkungen hatte es? (körperliche Störungen und Störungen bezüglich Denken und Fühlen)
Es traten verschiedene Auswirkungen auf:

  • Ich hatte extreme Rückenschmerzen. Mit 18 Jahren konnte ich kaum mehr gehen. Es heisst ja, alle Probleme werden nach hinten verdrängt, also zum Rücken. Seit ich in die Atemtherapie gehe, sind die Schmerzen weg.
  • Dazu hatte ich enorme Atemprobleme. Ich konnte und wollte nicht atmen. Ich hatte wohl meinen Körper, doch er interessierte mich nicht. Ich hatte mich auch nie berührt, bis heute nicht. Ich war auch so weit, mich selber umzubringen. Den Abschiedsbrief hatte ich geschrieben. Wie schon gesagt, war ich sehr aggressiv gegen alle und alles, was mich an meine Vergangenheit erinnerte. Es genügte, wenn mir jemand zu nahe kam oder ich einen älteren Mann mit einem Mädchen sah.
  • Ich nahm auch extrem zu. Erst nach meinem Englandaufenthalt beschloss ich, wieder abzunehmen. Ich ging danach auch zu einer Psychologin, bei der ich mich zum ersten Mal aussprach. Zu dieser Zeit lernte ich meinen Lebenspartner kennen. Dieser merkte bald, dass etwas mit mir nicht stimmte. Denn auch sexuell hatte ich riesige Probleme. Zusammen gingen wir zu dieser Psychologin. Von da an suchte ich weiter nach Hilfe. Schliesslich fand ich eine Atemtherapeutin, die mir bis heute geholfen hat, meine Erlebnisse zu verarbeiten.

8. 3 Verarbeitung

a) Wem haben Sie das erste Mal von Ihren Erlebnissen erzählt? Warum?
Meiner Mutter hatte ich einen Teil erzählt, aber nie alles. Ich hatte immer nur Andeutungen gemacht. Später vertraute ich mich einer guten Freundin an.

b) Wie haben ihre Freundin und ihre Familie reagiert?
Für die Freundin war dies unvorstellbar, weil alle dachten, ich hätte einen liebevollen Vater. Meine Familie aber stand immer hinter mir und unterstützte mich auch.

c) Woher hatten Sie die Kraft, um Ihre aufs schwerste verletzten Gefühle zu verarbeiten?
So konnte es nicht mehr weitergehen: Weil ich sexuelle Probleme hatte, sah ich ein, dass es nun an mir lag, etwas an mir zu ändern.

d) Haben Sie eine Therapie gemacht? Wenn ja, was für eine?
Am Anfang hatte ich einen Psychologen, der mir überhaupt nicht entsprach. Ich beendete die Therapie sofort und wechselte zu einer Frau. Bei ihr fühlte ich mich verstanden, darum begann ich eine Therapie. Zuerst wurden Rollenspiele gemacht, dann auch Schreitherapien. Nachdem ich meine Atemtherapeutin kennen gelernt hatte, ging ich nur noch zur Atemtherapie.

e) Welche Verbesserungen haben sich durch die Therapie eingestellt?

  • Wie können Sie heute mit Ihrem Schicksal umgehen?
  • Was empfinden Sie heute dem Täter gegenüber?

Riesige!! Alles wurde analysiert und verarbeitet, jedes einzelne Detail. Obwohl ich manchmal keine Lust mehr hatte, fand die Therapeutin immer wieder Sachen, über die wir reden konnten. Es war nicht immer angenehm, aber ich musste meine Erlebnisse aufarbeiten, sonst wäre ich mit meinem Leben nicht mehr klargekommen.

  • Heute kann ich relativ gut damit umgehen, ausser wenn ich meinen Vater mit einem Kind sehe und er sich ihm gegenüber seltsam verhält. Dann kommt mir alles wieder hoch und ich möchte das Kind am liebsten sofort in Sicherheit bringen
  • Das Gefühl meinem Vater gegenüber ist auf jeden Fall besser. Ich habe gelernt, dass ich in erster Linie für mich schauen muss. Früher dachte ich, ich wäre auch verantwortlich für ihn. Ich habe immer gehofft, ihn ändern zu können, dass er sich zum Beispiel bei mir entschuldigt oder dass er mit mir über alles reden will. Aber das konnte ich vergessen. Er hatte immer das Gefühl, er sei gut. Er hatte das Recht zu machen was er wollte.
  • Heute geht es mir besser, weil ich zum einen weiss, dass es ihm nicht gut geht. Zum anderen, dass er keinem Kind mehr etwas antun kann. Dazu ist mir bewusst, dass er überhaupt nichts gelernt hat. Dies wurde mir beim Spitalbesuch vor fünf Monaten klar: Meine Psychologin half mir, mich auf diesen Tag vorzubereiten, denn ich hatte meinen Vater seit acht Jahren nicht mehr gesehen. Ich wollte ihn im Spital besuchen. Um mich selbst abzusichern, ging ich um 11 Uhr, damit ich um 11. 30 Uhr wieder gehen konnte, wegen des Mittagessens. Als ich in sein Zimmer kam, war dieses leer. Sein Zimmergenosse erzählte mir dann, er wäre im Raucherzimmer. Also machte ich mich auf den Weg dorthin. Ich fand ihn mit der Zeitung in der Hand und eine Zigarette rauchend. Ich grüsste ihn. Er war sehr erstaunt darüber, mich zu sehen. Wegen dem Rauch hielt ich ein wenig Abstand und beobachtete ihn von draussen. Er war ein richtig" altes Männlein " geworden. Das erste Mal fühlte ich mich ihm überlegen. Ich war die Starke und er der hilflose Schwache. Er konnte mir nichts mehr antun. Dieses Gefühl von Sicherheit und Überlegenheit ihm gegenüber tat unbeschreiblich gut.
    Danach gingen wir in den Gang und er erzählte mir von seinem Leben, von seiner neuen Freundin (sie ist jünger als ich!), dass es ihm sehr gut gehen würde und er am nächsten Tag nach Hause könne. Meiner Mutter jedoch erzählte er das Gegenteil: es ginge ihm sehr schlecht und er hätte keine Ahnung, wann er nach Hause dürfe. Er hat sich wirklich nicht verändert. Sein ganzes Leben erzählte er Lügen und tut dies immer noch und wird dies auch immer tun. Mir ist es egal!

8. 4 Veränderungen

Denken Sie oft daran zurück?
Weniger. Ab und zu schon, aber ich kann jetzt auch besser damit umgehen, es belastet mich nicht mehr.

Wie stehen Sie heute zu sich selbst?
Ich bin viel selbstbewusster geworden. Ich kann jetzt nein sagen, wenn ich etwas nicht will. Vorher wurde mir meine eigene Meinung verboten. Ich fühle mich auch nicht mehr für alle verantwortlich. Früher war ich immer die Schuldige, wenn etwas nicht so lief, wie es mein Vater wollte. Ich wollte es allen recht machen. Jetzt habe ich dieses Verantwortungsgefühl nicht mehr so stark. Ich habe gelernt, zuerst auf mich zu schauen.

Wie hat sich das Verhältnis zu Ihrer Familie verändert?
Ausser mit dem Vater und einem Bruder habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Mein Bruder ist auch ähnlich wie mein Vater. Er heisst gleich wie mein Vater und benimmt sich auch gleich. Ich habe sehr Mühe damit. Ich bin sehr froh, dass er keine Kinder hat, denn ich würde ihm zutrauen, dass er seine Kinder anfassen würde. Das sehe ich auch an seinem Verhalten. Er umarmt einen und fasst einen an die Brüste. Er hat die gleichen Eigenschaften wie mein Vater. Das kann kein Zufall sein! Ihm ist die Familie egal. Doch mittlerweile bin ich soweit, dass ich mich nicht mehr um ihn kümmere. Auch mein Vater hat nie ver-sucht, mit mir Kontakt aufzunehmen. Ich hoffte, dass er irgendwann mit mir reden würde und eventuell Frieden schliessen wollte, doch er hat nie etwas von sich hören lassen.

Was würden Sie betroffenen Kindern raten, die es noch nicht geschafft haben, ihr Geheimnis jemanden zu erzählen?
Wenn ich heute bei einem Kind nur kleinste Anzeichen spüren und merken würde, würde ich sofort mit ihm reden.
Sicher müsste ich vorsichtig sein, vor allem bei kleinen Kindern, aber man sollte alles dafür tun, es zu verhindern.

9. 0 Vergleich mit der Theorie

Ich werde nun drei verschiedene Punkte, die meinen ersten drei Fragen entsprechen mit meinem Theorieteil und der Praxis (Interview) vergleichen, um zu sehen, ob sie der Theorie entspricht und was dabei herausgekommen ist.

9. 1 Persönlichkeitsentwicklung

"Deshalb bin ich froh, dass der" liebe Gott" mein Kinderflehen nicht erhört und mich nicht hat sterben lassen. Denn ich finde das Leben lebenswert." (Anita Kämpf, 1987, s.194)
Durch eine Therapie kann die Persönlichkeit eines Menschen sehr stark verändert werden. Man hat eine völlig andere Einstellung zum Leben und zu sich selbst. Durch die Verarbeitung und Analyse der Vergangenheit ist es möglich, das Verhalten von sich selbst und auch das Verhalten des Menschen, der einen verletzt hat, zu verstehen und eventuell zu akzeptieren.
"Heute möchte ich Dir sagen, dass ich, froh darüber bin, gerade Dich und keine andere Mutter zu haben. Denn hätte es Dich nicht gegeben, wäre ich nicht gezwungen worden, ganz gründlich über mich selbst nachzudenken." (Anita Kämpf, 1987, s.189)

Dieses Ziel hat auch Frau S. erreicht. Ihre Persönlichkeit hat sich enorm verändert: vom hilflosen Mädchen zur selbstbewussten und starken Frau! Nur den jetzigen Zeitpunkt betrachtet, hat Frau S. sehr viel gelernt. Sie kann nein sagen und fühlt sich nicht mehr für alle verantwortlich. Sie ist selbstsicher geworden. Das sind eigentlich nur positive Aspekte. Nicht zu vergessen ist aber die Verarbeitungszeit, die sicher nicht einfach war. Es gab Höhen und Tiefen, die sie zu überstehen hatte. Zum Glück hatte sie jemanden zur Seite, der sie dabei unterstützte. Eine solche Verarbeitung dauert längere Zeit. Aber wenn man sein Ziel erreicht hat, kann einen nicht mehr so schnell wieder etwas niederreißen!
Wenn ich nun auf meine Fragestellung zurückkomme, stelle ich fest, dass der Inzest die Persönlichkeit eines Menschen enorm verändern kann! Während des Missbrauchs kann er die Persönlichkeit beinahe zerstören, doch durch eine Therapie kann sie gestärkt werden. Wenn man nur das Ergebnis betrachtet, ist diese Veränderung ein durchaus positiver Aspekt.

9. 4 Folgen

Wie stark die Auswirkungen von einem sexuellen Missbrauch sind, kommt auf den Menschen an, wie er mit derartigen Sachen umgehen kann und wie stark seine Persönlichkeit ist. (Siehe: Folgen) Vor allem psychisch sind die Opfer verletzt und es ist selten möglich, alleine klar zukommen. In einer solchen Situation braucht ein Mensch Hilfe. Er muss sich jemandem anvertrauen, damit er wieder ein normales Leben führen kann.

Frau S. hat eher wenige Auswirkungen aufgezählt, was aber durchaus so gewesen sein kann. Sie hatte extreme Rückenschmerzen und Atemprobleme. Psychisch ging es ihr sehr schlecht. Frau S. hatte aber immer wieder versucht, etwas an sich zu ändern. Sie wollte ihre Vergangenheit verarbeiten. Als sie etwa 40 Jahre alt war, begann sie sich Gedanken über ihr Leben und über den Sinn des Lebens zu machen. Das konnte es nicht gewesen sein! Sie musste etwas tun, damit es ihr besser ging. Vor allem was ihre Beziehungen betraf, traten Probleme auf. Sie hatte überhaupt kein Verlangen nach Sexualität.
Vor allem aus diesem Grund suchte sie jemanden, der ihr helfen konnte. Heute lebt sie in einer glücklichen Beziehung und kann ihr Leben wieder geniessen. Das einzige, auf das sie auch aus einer gewissen Angst verzichten will, ist selber Kinder zu haben. Obwohl sie einem Kind nie etwas antun würde, hat sie grossen Respekt davor. Vielleicht hat ihr Vater ihr genau diese Gene vererbt. Man weiss es nicht. Sie möchte auf jeden Fall verhindern, dass so etwas passieren könnte. Obwohl sie Kinder liebt, weiss sie nicht, wie sie ihre eigenen behandeln würde.
In meinem Theorieteil werden die verschiedensten Auswirkungen aufgezählt. (Siehe: 3. 4 Folgen) Wie sie sich auf die Persönlichkeit auswirken können, beschreibt Frau S. im Interview selbst. (Siehe: 8. 2 Auswirkungen) Somit wird meine erste Frage auch beantwortet.

9. 5 Therapie, was sie bewirkt hat

Eine Therapie kann unglaublich viel verändern. Der Weg ist sehr schwer, doch das Ergebnis ist meistens positiv. Der Mensch kann nun mit seinem Schicksal umgehen und kann es verstehen. Dadurch ist er reifer geworden und hat viel gelernt, nicht nur was seine Vergangenheit betrifft, sondern für das ganze Leben.

"Richtig zu leben und zu lieben ist eine Kunst und sehr schwer zu erlernen. Vielleicht besteht darin der Sinn unserer Existenz. Wenn ich Hass oder Groll hege, verletzte ich mich selbst und untergrabe mein eigenes Reifen. Mein Hauptziel ist es, inneren Frieden zu finden, klüger, glücklicher, liebevoller und verständnisvoller zu werden. Ich habe beschlossen, mir dabei nicht selbst im Weg zu stehen. Denn das tut man, wenn man nicht bereit ist, sich durch Probleme durchzuarbeiten, zu vergeben und zu vergessen, sich anzustrengen und vorwärts zugehen" (Iris Galey, 1988, "Ich weinte nicht als Vater starb", s.199)

Ja, es ist möglich, ein solches Schicksal zu verarbeiten, aber nur durch gute Unterstützung und Hilfe einer Fachperson und Vertrauenspersonen. Nur so erlangt man die Einsicht vom Sinn des Lebens, zum Beispiel des eigenen Selbstwertes und der Wichtigkeit des einzelnen. Ich würde meine erste Frage mit Sicherheit mit Ja beantworten. Auch anhand der Theorie, kann man sehen, dass es möglich ist.
In einer Therapie geht es hauptsächlich darum, dass der Mensch lernt, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben. Er muss begreifen, dass jeder Mensch wertvoll ist und jeder Mensch das Recht hat, geliebt und gerecht behandelt zu werden. Jeder Mensch ist gleich viel wert, egal wie er aussieht oder welches Geschlecht er hat.
Ein weiterer wichtiger Punkt, der erlernt werden muss, ist, dass der wichtigste Mensch für jeden er selbst ist. Jeder sollte zuerst für sich schauen, dass es ihm gut geht. Sonst ist man auch nicht fähig, anderen zu helfen.
Bei Frau S. war die Atemtherapie sehr hilfreich. Sie hat gelernt, ein "normales" Verhältnis zu ihrem Körper herzustellen. Sie konnte ihre Erlebnisse verarbeiten, ihr Selbstbewusstsein und ihr Selbstwertgefühl stärken. Frau S. hat es sogar beim Spitalbesuch geschafft bei ihrem Vater, ihm seit acht Jahren das erst Mal wieder alleine gegenüberzustehen, beim Spitalbesuch. Mit dem Besuch wollte sie nicht nur endgültig mit ihrem Vater abschliessen, sondern auch für sich eine Art Bestätigung einholen, dass sie nun innere Stärke und Sicherheit bekommen hat. In einem Brief an ihn drückte sie aus, was ihr wichtig war: einen Schlussstrich zu ziehen. Es war ihr egal, ob ihr Vater den Brief verstand. Ihr war einzig und allein wichtig, dass sie einen Schlussstrich ziehen konnte.
Sie schrieb:
"März, 2004
Vater
Es ist eine Anmassung von mir, die Verantwortung für dein Leben zu tragen und ich gebe sie dir hiermit zurück.
Alles Gute, deine Tochter"

10. 0 Schlussteil

10. 1 Schlussfolgerung

Alle meine Hypothesen haben sich bestätigt. Es ist nicht vorstellbar, welche Qualen ein Opfer durchstehen muss. Nicht nur während des Missbrauchs selbst, sondern während der ganzen Zeit, in der es panische Angst und furchtbare Schmerzen hat. Die Auswirkungen, die ich bei 3. 4 aufgezählt habe, können die ganze Persönlichkeit eines Menschen verändern und fast zerstören. Mir ist jetzt bewusst geworden, wie wichtig eine Therapie ist. Aber auch, dass sie wahnsinnig viel bewirken kann: dies kann ich anhand des Interviews mit Frau S. und den Zitaten aus Erzählungen bestätigen. Der Mensch bleibt derselbe, aber er hat eine andere Einstellung zu seinem Leben und zu sich selbst. Er wird geprägt, aber nicht zerstört. Er ist selbstbewusst und akzeptiert sich so wie er ist. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, den er nicht hätte erlernen können ohne Therapie. Die Folge davon wirkt sich schliesslich auch positiv aus auf den Menschen. Somit wäre meine vierte Hypothese ebenfalls bestätigt. Meine Fragen, die ich mir zu Beginn gestellt habe, wurden im Verlauf meiner Arbeit beantwortet. Im praktischen Teil ging ich dann bewusst auf sie ein und beschrieb auch, wo sie beantwortet wurden.

10. 2 Gedanken

Es ist schwer, einen Missbrauch zu verhindern. Deshalb sollt man alles dafür tun, um dem Kind eine gute und gerechte Kindheit zu ermöglichen. So kann es seine eigene Persönlichkeit entwickeln und ist somit stark genug, sich gegen andere zu wehren.
Wenn man aber bei einem Kind merkt, dass es sich komisch verhält oder irgendwelche Andeutungen macht, sollte man es auf jeden Fall ernst nehmen und sofort handeln. Kein Kind spielt mit solchen Sachen, um Spass zu machen!

Inzest ist ein sehr heikles Thema, was mir an Anfang noch nicht so klar war. Trotzdem hätte ich das Thema auf keinen Fall gewechselt. Es war sehr interessant, mich damit zu beschäftigen und ich habe viel Neues gelernt. Besonders eindrücklich fand ich das Interview mit Frau S. Ich war sehr erstaunt über ihre Offenheit. Es ist bedeutend anders, ob man Erzählungen in Büchern liest oder man einem Betroffenen direkt gegenüber sitzt, der einem seine Erlebnisse erzählt. An dieser Stelle möchte ich ihr noch einmal ganz herzlich für ihre Mithilfe danken!
Jedes negative Erlebnis hat auch eine positive Seite, welche einem erst nach gründlichem Nachdenken und Verarbeiten bewusst werden kann…