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Leseprobe |
"Denn das Weib soll schweigen in der Kirche" |
PROLOGIch war bereit, mich hinzugeben und zu empfangen. Ausgestreckt auf dem Boden zu liegen, das war für mich keine Erniedrigung vor Gott und meinem Bischof. Nein, im Gegenteil, der Boden, der Erdboden unter mir, das ist der Globus unter mir. Und das Liegen auf dem Boden ist für mich als Mensch und als Priesterin ein inniger Kontakt mit der Erde, mit meinem körperlichen Anfang und Ende, mit meinem geistigen Ursprung und Ziel, mit Gott. Nun lag ich auf diesem Globus, umfing ihn mit meinen Armen, gab mich ihm rückhaltlos hin und spürte, dass ich auch aus Erde bin. Mein Körper spürte diese Erde mit allen Sinnen. Und in meiner Seele, in meinem Geist, spürte ich die unendliche emotionale und geistige Einheit mit dieser Erde. Niemals möchte ich dieses Gefühl missen. »Wir legen uns doch nicht vor diesem Bischof da auf den Boden«, hatten sie vorher gesagt, die Frauen neben mir. »Wir sind Frauen. Wir müssen doch nicht alles genauso machen wie die Männer. Wir wollen eine neue Kirche. Wir wollen auch eine neue Weihe, wenn wir zu Priesterinnen werden. Wir wollen uns nicht auf den Boden werfen, als müssten wir Angst vor Gott haben und uns unter die Macht des Bischofs begeben. Wir erniedrigen uns nicht, denn Gott hat uns auch nicht erniedrigt. Wir wollen im Stehen geweiht werden.« Doch jetzt lagen sie neben mir, und meine Seele nahm die Schwingungen der inneren Ruhe wahr, die auch von ihnen ausging. Ich war froh, dass sie meinen Gedanken aufgenommen, dass sie zusammen mit mir beschlossen hatten, dem alten Ritual der Priesterweihe zu folgen. »Das ist keine Unterwerfung«, hatte ich ihnen erklärt und spontan ein positives Echo von einem kleinen Teil unserer Gruppe empfangen. »Dahinter steckt etwas völlig anderes. Wenn du auf dem Boden liegst, spürst du die Materie. Es ist magisch, es ist ein Mysterium. Warum sollten wir uns also nicht auf den Boden legen? Wir wissen so wenig von dieser Welt. Warum sollen wir uns diesem Mysterium nicht öffnen? Man muss immer aufpassen, dass man nicht in den Aberglauben fällt. Aber ihr wisst, dass ich kein abergläubischer Mensch bin. Ich glaube nicht an Astrologie, nicht einmal an Sternzeichen. Das alles mag ich nicht, weil es den Menschen zu sehr beeinflusst. Aber diese Offenheit für eine Mystik, für eine Kraft ohne Radikalität, ohne Fundamentalismus, die ich mit meinem ganzen Körper erfahren und verinnerlichen kann, - warum nicht? Warum sollten wir uns dem verweigern? Das ist so emotional, so kostbar. Und wir fühlen all das am besten, wenn wir auf dem Boden liegen.« »Jetzt ist es so weit«, dachte ich, während ich den Geruch des Bodens unter mir einatmete und den Druck empfand, der meinem Körper vom Kopf bis zu den Zehen entgegenkam. »Spür das jetzt einfach. Lass dich jetzt einfach ein auf dieses Geheimnis: Meine Gedanken wanderten zurück. |
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