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Theaterstück |
"Wer sind die Täter?
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Information und Inspiration verdanke ich dem Buch "Komm mein liebes Rotkäppchen...
Kindesmißbrauch – Wer sind die Täter?" von Karin Jäckel, erschienen im Argon Verlag GmbH, Berlin 1994. Das Stück:PersonalPetra, jung (Die Bühne sollte so gestaltet sein, daß Szenenwechsel ohne großen Aufwand oder Unterbrechungen gewährleistet werden können. Mehrfachbesetzungen im Fall von Frau Doktor/Tochter/Schäferin sind möglich. Die Schäferin kann grundsätzlich auch als Schäfer mit einem Mann besetzt werden. Das Schaf ist künstlich bzw. mechanisch – wie ein Spielzeug, hierfür wäre z. B. eine Tonbandstimme denkbar. Das Artifizielle der Figur darf nicht versteckt, sondern muß bewußt eingesetzt werden.) Auszug aus dem Artikel "Drüber,drunter und drauf" von Franz WilleGleich in der zweiten Szene sieht man Vertrautes im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses. Im lauschigen Winkel, hier ein kleines gläsernes Gartentreibhaus, treffen sich offenbar Verliebte. Oder verliebt Gewesene. Oder sie wissen’s selber gerade nicht so genau. Er will, sie will nicht so recht. Aber man ist erkennbar sehr vertraut. Oder vertraut gewesen. Faß doch mal an, greif doch mal zu. Am Ende wird daraus genau die Art Vergewaltigung, bei der es vor Gericht immer heißen könnte, aber sie hat doch mitgemacht. Währenddessen putzt Mama von draußen die Scheiben. Sieht nichts, hört nichts, will nichts wissen. Und die Szene ist so geschrieben, daß man erst ziemlich spät bemerkt, daß es sich bei dem Pärchen, das da gerade ziemlich heftig zugange ist, um Vater und Tochter handelt. Thomas Jonigk hatte nach einem heftigen Start mit drei Stücken 1994 fünf Jahre lang nichts Neues mehr geschrieben. «Von blutroten Sonnen», «Du sollst mir Enkel schenken» und «Rottweiler» waren drei gallengiftige Farcen, in denen deutscher Chauvinismus härtester Sorte regiert, ergänzt mit einer kräftigen Portion Blut und Boden. Die Väter der Schöpfung haben kaum etwas anderes im Kopf als Erektionen und Krieg beziehungsweise Geschlechtsverkehr und rohe Gewalt, und die Frauen terrorisieren mit schraubstockartiger Zuneigung ihre Familien, wenn sie nicht gerade Führers Geburtstag feiern. Seine gespenstischen Kleinkomödien steigerten die Reizthemen für sozialliberale Gewissen bis über jede Erträglichkeitsgrenze hinaus. Danach war das verschärfte Farcenrezept ausgereizt, schon weil sich so niemand mehr provozieren lassen mochte. Sein neues Stück ist mindestens ein Zwitter. Es erfüllt die Erfordernisse eines Aufklärungsdramas, weil es sagt, was gesagt werden sollte. Jonigk teilt alles Notwendige mit über die Techniken der Einschüchterung, über die Eifersucht der «betrogenen» Ehepartner, die Selbstbeschwichtigungsversuche der Täter, die Unfähigkeit der Opfer, aus den Gefühlslabyrinthen zu entkommen, aus Ekel und Abhängigkeit, aus Selbstverachtung und Liebe. Bis hin zum beharrlichen Scheitern, auch nur die eigenen Gefühle zu formulieren, die in unsäglichen Holprigkeiten und Stilblüten verstolpern. Und dann schreibt Jonigk plötzlich mitten in der Szene nicht mehr über, sondern mit den Figuren. Mit der Mutter, die ihr Bedürfnis nach Zuwendung und Zärtlichkeit nur mit ihrem achtjährigen Sohn ausleben kann, mit den Kindern, die vom Mißbrauch in Selbsthaß, emotionale Blockaden bis zum Selbstmord getrieben werden. Christina Paulhofers Inszenierung folgt dem Stück neugierig, offen und, wie der Kritiker der «Berliner Zeitung» zutreffend (wenn auch nicht besonders wohlmeinend) schrieb: «haltungslos». Eine augenöffnende Haltungslosigkeit, die in diesem Fall bedeutet: Sie folgt der Farce, wenn das Stück Urteile formuliert und gleichzeitig das kaum Erträgliche grotesk entrückt, aber sie folgt auch immer wieder den Figuren in ihre – ob mitleid-, ob ekelerregenden – Empfindungen. Sie begibt sich, erfrischend haltlos, in Jonigks Achterbahn von Distanz und Nähe, beobachtet die Kinder, in verstockter Abwehr und schüchtern-rührender Annäherung, verfolgt die Eltern in harten Schwenks vom schrillen Kabarett zur erbärmlichen Offenbarung. Und sie inszeniert den Blick – des Zulassens, des Zusehens und schließlich des Abwehrens mit Komik, wenn es anders kaum mehr zu ertragen wäre. Wenn sich Yvon Jansen und Bastian Trost, zwei zerstörte Kinder, an den Händen halten und nüchtern ihre verpfuschten Selbstmorde Revue passieren lassen, wenn in Nina Wetzels mit ein paar heilen Familienruinen bestücktem Raum eine eifersüchtige Mutter (Karin Pfammatter) sich von Frau zu Frau mit der Kinderschänderin von nebenan (Almut Zilcher) berät, wenn Wolf Aniol liebevoll verzückt mit feuchtem Finger in den Kinderwagen greift, dann muß sich niemand theatralisch bedrängt, belehrt oder belästigt fühlen. Aber auch nie belogen. Thomas Jonigk und Christina Paulhofer sagen nichts Neues, aber sie sagen es so wissend und hilflos, wie es diejenigen sind, denen sie es mitteilen. Sachlich formuliert: Sie betreiben Resonanzverstärkung auf der Höhe ihres Themas. Eine «ganze Welt» haben damit klugerweise weder der Autor noch die Inszenierung heraufbeschworen. Aber ein paar Ausschnitte, Einblicke, Ansichten. So könnte es gehen, weiterhin. Nächste Vorstellungen: 5., 29. Februar
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