---Ursprüngliche Nachricht---
Absender: "Dr. Gisela Forster"
Betreff: Thomas Johannes Forster
Datum: 14. Apr 2007 11:06
Liebe Freundinnen und Freunde,
am Osterwochenende ist mein Sohn
Thomas Johannes Forster, geboren am 17.4.1977,
von Beruf Schriftsteller,
in München-Schwabing,
verstorben.
Thomas war ein sehr kreativer junger Mann. Er lebte überaus intensiv,
schrieb viele Gedichte, Theaterstücke, philosophische Texte und Drehbücher.
Eines seiner eindrucksvollsten Gedichte ist:
NUR FÜR DEN FALL, DASS ICH STERBE
SOLL KEINER GLAUBEN,
ICH HÄTTS NICHT GERN GETAN,
SOLL KEINER GLAUBEN,
ICH HÄTT NICHT GERN GELEBT...
Wir haben dieses Gedicht und andere seiner Schriftstücke am Freitag, den
13.4.2007 um 8.30 bei seiner Beerdigung im Nordfriedhof München verlesen.
Bei seiner Grablegung begleiteten ihn hunderte seiner Freude aus seinen
verschiedenen Freundeskreisen und seine Familie, die ihn so sehr liebte:
Seine Eltern Dr. Anselm und Dr. Gisela Forster, sein Bruder Carl Magnus
und seine Schwester Gabriele, deren Kinder Louisa (2 Jahre) und Jano (2
Monate), sein Onkel Andreas aus Budapest und seine Großcousine Gerda aus
Rom. Die Beerdigung leitete die Bischöfin Frau Dr. Patricia Fresen aus
Südafrika.
Thomas lebte Tag und Nacht, so, als ob er wüßte, dass er wenig Zeit im
Leben auf Erden hat und viel erledigen muss. Von der Intensität seines
Lebens her hat er weit länger als 29 Jahre gelebt. Sein ganzer Lebensweg
war durchzogen von Schicksalsschlägen. Besonders schlimm war, dass er im
Alter von 17 Jahren schwerst an Krebs erkrankte. Ein Jahr befand er sich
täglich an der Schwelle des Todes. Als der Arzt ihn fragte, ob er
überleben wolle, sagte er zunächst Nein, dann aber entschloß er sich doch
für das Weiterleben und engagierte sich 13 Jahre mit vollem Einsatz.
Nach dem Abitur studierte er Philosophie, Musik, Theaterwissenschaften,
Physik und Informatik. Lange arbeitete er im Kulturbetrieb, vor allem in
seiner Lieblingsmusikszene Tutzinger Keller. Jeden Montagabend versammelte
er sich mit seinen philosphischen Freunden. Er schrieb Tag und Nacht
philosophische Texte, Gedichte und Theaterstücke.
Als er mit 21 Jahren einen wirklichen Großvater bekam, war er überaus
glücklich. Immer war Thomas freundlich, einfühlsam und für andere da.
Viele seiner Texte sind auf seiner homepage www.forestfactory.de zu sehen.
Er sprach in vielen Fernsehsendungen und gab zahlreiche Interviews. Sein
Leben war ein volles, erfülltes Leben. Seine Philosophie
zeigte ein Bewußtsein für die Welt als Ganzes, das Denken in Weiten und
die Gewißheit eines unendlichen Seins. Mehrmals nach seiner vollständig
geheilten Krebserkrankung befand er sich in Lebensgefahr: Er starb beinahe
an einer allergischen Reaktion auf einen Wespenstich, und er starb beinahe
an einer Rauchvergiftung in einem brennenden Haus, und er war in
Lebensgefahr und musste gerettet werden, als er über den Starnberger See
zu seinem Freund Martin Schwingenstein schwimmen wollte.
Am Osterwochende 2007 starb er wirklich.
Am Gründonnerstagabend noch traf er seine Freunde in seiner WG und machte
einen glücklichen und zufriedenen Eindruck. Abends ging er weg, kam nachts
zurück und legte sich normal wie immer ins Bett. Er schlief auf dem Bauch
und hielt das Kopfkissen umschlungen, seine Beine schauten unten aus der
Bettdecke hervor und sein ganzer Körper war flauschig und wohlig mit einer
dicken rotgelb gemusterten Bettdecke eingewickelt.
Als ich am Karfreitag um 10 Uhr zu ihm in die Wohnung ging, um ihn zu
besuchen, sah ich ihn in dieser Schlafposition. Ich überlegte, ob es ihm
wohl gut geht, sah ihn wieder an, und es war mir klar, dass es ihm gut
geht. Da ich wußte, dass er nicht geweckt werden wollte, wenn er schlief,
rief ich nicht, zog ich nicht an seiner Bettdecke und tat alles, um ihn ja
nicht zu stören. Dann ging ich wieder, schaute nochmals nach ihm, und
wieder war mir klar, dass er in einem guten und zufrieden Zustand war, aus
dem er nicht geweckt werden wollte.
Am Dienstag, den 10.4.2007, rief sein Arbeitgeber bei seinem Bruder an und
fragte, warum Thomas nicht zur Arbeit komme. Man warte auf ihn.
Magnus rief bei mir an und sagte, der Arbeitgeber mache sich Sorgen. Ich
beruhigte Magnus und sagte: Ich habe ihn am Freitag gesehen, er schlief
ganz ruhig und friedlich in seinem Bett. Wir waren erleichtert, versuchten
aber doch, in der Wohnung anzurufen. Doch das Festnetz ging nicht, und das
Handy von Thomas war ausgeschaltet. Kurzentschlossen fuhr ich mit dem Auto
zu ihm in die Wohnung von Thomas in der Schleißheimerstraße 156 in München.
Als ich die Türe zum Zimmer von Thomas öffnete, sah ich ihn in eben genau
der gleichen Schlafposition wie am Karfreitag der letzten Woche. Ich ging
nahe an sein Bett und rief zweimal laut: Thomas, Thomas! Er bewegte sich
nicht. Ich berührte seine Füße. Sie waren kalt. Ich hob ein wenig das
Kuschelbett hoch und sah sein totes Gesicht, mit geschlossenen Augen,
ruhig wie im Schlaf. Es war keine Geste des Kampfes an ihm, kein
Verzweifeln, kein sich Wehren.
Alleine nahm ich von ihm Abschied.
Dann ging ich zu seinem Zimmernachbarn, der nur 2 Meter von ihm entfernt
sein Zimmer hat und dort schlief. Ich weckte ihn und sagte ihm: Thomas ist
tot. Er wollte es nicht glauben, denn er war am Karsamstag im Zimmer von
Thomas gewesen und hatte ihn auch für schlafend gehalten, genauso wie ich
am Karfreitag.
Wir riefen die Familie an: Magnus, seinen Bruder, seinen Vater, seine
Schwester Gabriele und Patricia.
Dann riefen wir den Hausarzt an. Dieser sagte, wir müßten die Polizei
verständigen. Ich wählte 110 und der Polizeinotruf meldete sich. Ich
sagte: Mein Sohn liegt tot in seinem Zimmer. Er fragte, ob er den
Rettungsdienst schicken solle. Ich sagte: Nein, er ist sicher tot.
Dann sagte er, dass er die Polizei schicke.
Es kamen mehrere Polizisten, diese holten weitere Polizisten und dann eine
Ärztin. Diese fragte sofort, ob Thomas Drogen genommen hätte oder
depressiv war, also ob er Selbstmord begangen hätte. Ich sagte, dass er
niemals starke Drogen genommen hätte und überhaupt nicht depressiv gewesen
sei. Er habe seinen 30. Geburtstag für nächste Woche umfangreich geplant
und vorbereitet.
Die Ärztin sagte, sie könne keine Todesursache feststellen und sie müsse
den Fall an die Kriminalpolizei Todesermittlung weitergeben. Dann holte
sie die Krmininalpolizei. Wir wurden alle detailliert verhört. Die Fragen
waren wie in Krimalsendungen. Ich rechnete damit, dass mir und seinen
Mitbewohnern in Kürze die Handschellen umgelegt werden würden. Auch die
Krimalpolizei konnte nach 3stündiger Untersuchung die Todesursache nicht
feststellen. Es gab weder Drogen, noch Alkohol, noch Tabletten, noch einen
Abschiedsbrief am Bett. So wurde vom Staatsanwalt angeordnet, dass Thomas
in die Rechtsmedizin kommen sollte. Die Wohnung wurde versperrt und
versiegelt, für den Fall, dass sich keine natürliche Todesursache finden
ließe.
Dann warteten wir alle 24 Stunden.
Am Donnerstag gegen abend kam der Anruf aus der Kriminalpolizei, dass
Thomas weder Drogen, noch Alkohol, noch Tabletten genommen hatte, dass
also weder ein Drogentod noch ein Selbstmord vorliegt, sondern dass Thomas
im Schlaf vom Sekundenherztod überrascht wurde und innerhalb von 2
Sekunden gestorben sei, ohne es gemerkt zu haben und ohne aufgewacht zu
sein. Dieser Sekundherztod sei auf eine Anomalie im Herzen zurückzuführen,
die er wohl immer hatte, aber die nie erkannt worden sei. Die Todesursache
ist ein natürlicher Tod, sagte die Kripo. Als Todeszeit wurde die Nacht
von Gründonnerstag auf Karfeitag ermittelt. Das bedeutet, dass Thomas am
Freitagmorgen, als ich bei ihm war und ihn so selig schlafend vor fand,
bereits tot war. Er lag das ganze Osterwochenende ruhig und entspannt in
seinem Bett. Geist, Körper und Seele konnten sich lösen und eigene Wege
gehen.
Niemand störte ihn.
Wir haben ihn in weiße Tücher gewickelt und ihm seine Jeans, sein
LieblingsT-shirt, sein buntes Hemd und Gegenstände, die er so liebte, mit
in den Sarg gelegt. Die Bischöfin Dr.Patricia Fresen hat das Grab und ihn
gesegnet und seine Familie, die ihn liebte, und alle seine Freudinnen und
Freunde haben ihn umarmt.
Viel von dem was er gedacht, gesagt und geschrieben hat, findet sich in
den folgenden Büchern:
"...weil mein Vater Priester ist" Karin Jäckel/Thomas Forster,
Bastei-Verlag, ISBN 3-404-61386-4
"Denn das Weib soll schweigen in der Kirche" Karin Jäckel/Gisela Forster
Bastei-Verlag, ISBN 3-404-61552-2
"Gottes heimliche Kinder" Annette Bruhns/Peter Wensierski SPIEGEL VERLAG
ISBN 3-421-05772-9
"Sag keinem, wer dein Vater ist!" Karin Jäckel, Serie Piper ISBN 3-492-11707-4
"Gemeinsam stärker als der Tumor" Gisela M. Forster Dokumentation der
Krebserkrankung des 17jährigen Thomas. www.denkzettelverlag.de ISBN
978-3-939936-01-5
"Nur für den Fall, dass ich sterbe" Thomas Forster/Gisela M.Forster
Texte/Gedichte/Philosophie www.denkzettelverlag.de ISBN 978-3-939936-09-1
Danke an alle, die Thomas auf seinem Lebensweg begleitet haben, die gut zu
ihm waren, die ihn geachtet und geliebt haben und die in der Hoffnung mit
uns allen auf ein Wiedersehen in der Ewigkeit der unendlichen Welt
verbunden sind.
Gisela Forster
Dr. Gisela Forster
Religionsphilosophin
Dipl.-Ing. (UNI) für Architektur
Exam. Pflegedienstleitung
Akad. Bildhauerin u. StR f. Kunst
http://www.virtuelle-dioezese.de/
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