Poesiealbum

10. September  2002

Furcht vor dem Leben

Gudrun M.
zum Buch
Furcht vor dem Leben

Poesiebild 9

Liebe Frau Jäckel,
ich habe oben genanntes Buch unter vielen Tränen verschlungen. Ich finde mich mich (40 Jahre) und meine Kinder (15J und 18J) ansatzweise in vielen Beiträgen wieder.
Oft hatte ich wegen vieler Begebenheiten schlaflose Nächte, ja sogar körperliche und vor allem seelische Schmerzen.
Mein Sohn hat sich vor 2 Jahren endgültig von mir abgewandt. In aller Öffentlichkeit schleuderte er mir lautstark an den Kopf, daß er nichts mehr mit zu tun haben möchte. Ich war sprachlos, erschüttert, wütend, traurig, die ganze Palette eben.
Zuerst dachte ich, er muß sich bei mr entschuldigen. Die Zeit verging, dann war dies nicht mehr wichtig, ich habe ihn nur noch vermißt, konnte aber nicht auf ihn zugehen. War es aus Angst vor einer Abfuhr oder eigene Unzulänglichkeiten zugeben zu müssen?
Wahrscheinlich alles.
Jedenfalls hat mir Ihr Buch (auf das bin ich zufällig gestossen) den Anstoss gegeben, endlich diesen Brief, den ich schon sehr oft in Gedanken geschrieben habe, endlich zu verfassen. Ich hoffe, damit nicht noch mehr kaputt zu machen. Ich habe mich bemüht, keine Vorwürfe zu erheben (aus heutiger Sicht muß ich diese nämlich mir selber zuordnen). Ich möchte ihm einfach nur die Hand reichen in der Hoffnung, daß er sie ergreift - nicht nur für mich. Heute werde ich diesen Brief abschicken und hoffe, daß er ihn nicht, wie Geburtstagskarten und sonstige Grüße zurückschickt, sondern ihn liest und uns eine Chance gibt.
Sie bekommen höchstwahrscheinlich viele solcher Zuschriften, die zu lesen Sie viel Zeit kostet (deshalb sind meine Zeilen auch relativ kurz gehalten) - dennoch ist es mir wichtig, Sie wissen zu lassen: Ich habe verstanden!

Mit freundlichen Grüßen

Gudrun M.

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