Poesiealbum

Berlin, 22. Dezember  2002

Hermann B.

Ihr Brief an den Bundeskanzler Schröder, bayr.MP, ehem.Justizministerin

Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,

heute habe ich Ihren deutlich formulierten Brief im Internet (vafk-Seiten) gelesen. Auf jeden Fall kann ich alles in Ihrem Brief Geschriebene unterstreichen. Als "ehemals" Betroffener (meine Kinder sind erwachsen und studieren) in Sachen Kindesumgangsverweigerung habe ich tief- greifende Erfahrungen gemacht.

Mich interessiert, ob Sie eine Antwort von den drei Politikern erhalten haben und ggf. welche.

Abschließend noch ein paar schnell geäußerte Ansichten meinerseits zu der gesamten Thematik Eltern und Kinder, da ich glaube, dass die Rolle des Vaters generell in unserer Gesellschaft verändert werden muß, auch wenn es vielleicht etwas illusorisch klingt.

Heute bin immer mehr der Überzeugung, dass nicht nur die Relation Frau- Mann sondern auch die beider Elternteile zu den gemeinsamen Kindern eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine zivilisierte Welt überhaupt sind.

Die Beteiligung des verheirateten aber auch im bestimmten Umfang des unverheirateten Vaters am Umgang und an der Erziehung bereits der Kleinkinder nach der Geburt (mit reduzierter Arbeitszeit beider Elternteile, ja anfangs der vollen Widmung beider Elternteile für das Kleinstkind) ist (wäre) nach meiner Einschätzung eine wichtigsten Aufgaben, auch schlechthin weltweit.

Wir "müssen" wegkommen von dieser schrecklichen "Arbeitsteilung", nämlich die Mütter sind für das Emotionale und die Kinder zuständig, der Mann ist als Schutzfaktor nach außen tätig (im harmlosern Fall "nur" oder überwiegend für den Broterwerb). Diese Ausbeutung des Schutztriebes und seine schreckliche Überhöhung bei der Kriegsausübung, aber auch im täglichen Konkurrenzkampf, wird diese Menschheit mit Garantie in das Verderben führen.

Deshalb: beide Elternteile brauchen die sinnliche Erfahrung des Werdens junger Menschen und zwar (möglichst) der eigenen Kinder. Diese funktionale Abspaltung des Mannes, gewissermaßem mit Sonder- aufgaben (letzlich bis zum Sonder-"einsatz") haben wir aus den Jahrtausenden zuvor übernommen. Dadurch konnten wir uns bis heute so erfolgreich entwickeln als Menschheit. Aber welche Blutspur haben wir hinterlassen.

Vielleicht hat jener Mann Jesus, der vor 2000 Jahren so verzweifelt nach seinem eigenen Vater vergebens suchte, deshalb auch das Gespür gehabt, es werde Zeit zur Umkehr. Doch welchen schlimmen Preis musste auch er zahlen und zuletz noch flehen: mein Vater, warum hasst du mich verlassen.

In diesem Sinne wünsche ich mir für die zukünftige Menschheit, wo immer das möglich ist: gleichgewichtige und uneingeschränkt praktizierte Mutter- und Vaterliebe. Ich hatte das Glück, dieses von meinen Eltern zu erfahren.. Leider konnte ich es mit meinen Kindern nur eingeschränkt praktizieren.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in Ihrem so wichtigem Engagement sowie angenehme Feiertage und einen guten Rutsch in das neue Jahr 2003.

Mit freundlichem Gruß
Hermann B., Berlin-Neukölln

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