Buchbesprechungen

"Deutschland frißt seine Kinder-
Familien heute: Ausgebeutet - ausgebrannt"

Antwort von Karin Jäckel

28. August  2002

Sehr geehrter Herr P.,

meine Bücher sind überall im Handel zu erwerben. Sie erscheinen bei renommierten Verlagen und sind innerhalb kürzester Zeit aus dem Bar-Sortiment zu bestellen.

Nur die eher älteren Bücher sind leider bereits vergriffen.

Auch ich bedaure sehr, dass meine Bücher fast immer bestellt werden müssen, denn natürlich setzt eine Bestellung die Kenntnis voraus, dass es meine Bücher überhaupt gibt. Und diese Kenntnis ist aus verschiedenen Gründen nicht selbstverständlich.

  1. Die neuen Gesetze der Bundesregierung haben die frühere Lagerhaltung und reichhaltige Regal-Präsenz von Büchern im Buchhandel unbezahlbar gemacht. Nur wenige Buchhändlerinnen und Buchhändler können es sich noch leisten, viele Bücher zu präsentieren. Und auch unter den kritisch aus dem Verlagssortiment ausgewählten Titeln können sie selten mehr als ein, zwei Exemplare eines ihnen besonders erfolgverdächtig erscheinenden Buches ins Regal stellen oder auf Vorrat parat halten.
  2. Da der Buchhandel ausgewählte Bücher per Vorkasse mit dem Verlag abrechnen muss, werden vor allem die Bücher im Regal präsentiert, für die es im jeweiligen individuellen Geschäft bereits eine erfolgreiche Nachfrage und die Aussicht auf einen raschen Abverkauf gibt.
  3. Unterhaltende Literatur wird proportional häufiger gekauft als informierende Lektüren. Daher ist das Angebot an Belletristik im Buchhandel weit größer als das Angebot an Sachbüchern.
  4. Das Lesepublikum ist überwiegend weiblich. Frauen kaufen sogar die meisten Bücher ein, die Männer lesen. Deshalb stellt der Buchhandel vorwiegend die Titel und Themen aus, die für Frauen interessant sind und sich "pro Frau" ausweisen.
  5. Die den Verlagen für die Bewerbung des Bücherangebots zur Verfügung stehenden Budgets sind leider eher gering. Sie reichen nicht aus, alle Bücher intensiv und längerfristig zu bewerben.
  6. Da Belletristik grundsätzlich auf ein breiteres Publikumsinteresse stößt, werden die zur Verfügung stehenden Werbe-Budgets der Verlage eher zu deren Bewerbung und Umsatzssteigerung eingesetzt.
  7. Sachbücher müssen also quasi Selbstläufer sein und hängen in ihrem Erfolg besonders stark von der persönlichen Öffentlichkeitsarbeit in Form von Vorträgen, Auftritten im Rundfunk oder Fernsehen der Autorin oder des Autors sowie von möglichst zahlreichen Buchbesprechungen oder Berichten in den Medien ab.
  8. Als Mutter von drei Kindern und partnerschaftlich präsente Ehefrau war und bin ich nie in der Lage, jederzeit beliebig viele aushäusige Termine wahrzunehmen. Und natürlich werde ich auch nicht ständig zu öffentlichen Auftritten eingeladen. Folglich kann auch ich meine Bücher nicht regelmäßig vorstellen und bewerben.
  9. Hinzu kommt, dass auch meine Bücher nicht jedem Menschen zusagen können. Manche Buchhändlerinnen und Buchhändlern präsentieren meine Bücher generell nicht, da sie mit den Inhalten nicht einverstanden sind und/oder fürchten, mit der Präsentation ihre überwiegend weibliche Kundschaft zu verärgern.

Sicher gibt es noch diverse Gründe mehr, warum man meine Bücher leider meistens bestellen muss, anstatt sie einfach aus dem Buchregal ziehen, einkaufen und sofort lesen zu können.

Ändern kann das nur die Nachfrage, die wie immer das Angebot steuert. Je häufiger in einem Buchladen nach meinen Büchern gefragt wird, umso besser wird sich die Buchhändlerin oder der Buchhändler an meinen Namen erinnern und vielleicht schon mal ein zweites Exemplar aus dem Barsortiment mitbestellen oder bei der nächsten Präsentation meiner Bücher durch die Verlagsvertreterschaft eine Bestellung aufgeben.

In der Hand haben das vor allem die Leserinnen und Leser, die meine Bücher schätzen, denn ihre Mundpropaganda ist es, die meinen Erfolg erzeugt.

Ihnen, Herr P., danke ich für Ihre Zeit und Ihre eMail, über die ich mich freue. Sie macht mir Mut zu neuen Büchern.

Mit herzlichem Gruß,

Karin Jäckel