From: "Karin Dr. Jaeckel"
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Als ich im September 2000 mein Buch "Deutschland frisst seine Kinder. Familie heute: Augebeutet. Ausgebrannt" bei Rowohlt veröffentlichte, erhielt ich verbale Prügel dafür. In Deutschland gäbe es keine Armut. Sozialhilfe bedeute den Genuss der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die heutige Bundesgesundheitsministerin definierte im allgemeinen Tenor, dass Familie "out" sei: "Familie ist, wenn alle aus demselben Kühlschrank essen." Und Kinder allein erziehender Mütter wurden grundsätzlich als sozialkompetenter beschrieben, weil sie von unabhängigen Müttern erzogen würden.
Heute spricht plötzlich der "rote" Herr Beck aus, was er freilich gar nicht gesagt haben will, dass es nämlich eine "Unterschicht" in Deutschland gibt. Auf einmal gibt es zehn Millionen Arme. Kinder, die "Artmutsfaktoren" ihrer Eltern, fallen plötzlich an den Suppenküchen der Armenspeisungen auf. Vernachlässigt, verprügelt, sexuell missbraucht, abgeschoben in die "industrielle Familie", chancenlos auf dem Lehrstellenmarkt und leichtgläubige Opfer glatzköpfiger Kameradschaftsbeschwörer, alles das, was politisch noch im September 2000 als "Exotenthema" und "Minderheitenproblem" abgebügelt wurde, ist auf einmal existent.
Wenn die Politik damals die Wahrheit verkündete und heute ebenso, kann das nur bedeuten, dass die Regierungsarbeit Deutschlands innerhalb einer Handvoll Jahre zehn Millionen Menschen in die Armut getrieben hat. Bravo!
Dr. Karin Jäckel
Autorin von: "Deutschland frisst seine Kinder"
http://www.karin-jaeckel-autorin.de
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