copyright by http://www.karin-jaeckel-autorin.de |
Leserbrief zu
|
Karin Leserbrief 4.6.2008KINDERARMUT in Deutschlandhttp://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/dokumentation/?em_cnt=1340124&em_ivw=fr_doku ![]() Als ich im September 2000 meinen Report" Deutschland frisst seine Kinder, Familien heute: Ausgebeutet - ausgebrannt" bei Rowohlt veröffentlichte, hieß es aus dem Bundesfamilienministerium offiziell, es gäbe nicht nur keine Kinderarmut in Deutschland, sondern generell keine Armut. Wer Sozialhilfe empfange, könne davon eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben genießen. Acht Jahre später verkündet dasselbe Ministerium, jedes sechste bis achte Kind lebe in Armut oder sei von Armut bedroht. Angesichts dieses rasanten sozialen Abstiegs der Familien in Deutschland muss ich mich als wache Bürgerin dieses Landes gar nicht mehr fragen, ob die Regierenden politisch versagt haben. Die Antwort ist eindeutig Ja. Wer hierzulande Kinder hat, weiß, dass die seit Jahrzehnten und auch aktuell betriebene Familienpolitik keine Politik pro Familie war und ist. "Familie ist, wenn alle aus einem Kühlschrank essen", verkündete z.B. die heutige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt anlässlich einer gemeinsamen Podiumsdiskussion mit mir. Die Bundesfamilienministerin U.v.d.Leyen ließ mir auf meine Bitte hin, sich mit Fehlentscheidungen zum Nachteil von Kindern und Eltern durch das Jugendamt zu befassen, mitteilen, sie sei mit ihren eigenen Kindern und ihrem Amt so ausgelastet, dass sie dafür keine Zeit habe, obwohl sie gleichzeitig durch allerlei Talkshows tingelte. Familie sei "out", hieß es noch vor kurzer Zeit aus den verantwortlichen Ministerien, die seit Jahren mit ihrer Politik glauben machen, dass Familie in Deutschland der wahre Hort des Bösen sei. Brandaktuell ist dazu das neue Gesetz zur Verstaatlichung der Kinder, mit dessen Hilfe die Staatsgewalt noch schneller als bisher in Familien eingreifen kann, obwohl das dazu autorisierte Jugendamt bis heute keinerlei Fachaufsicht erfährt und ein tödlicher Entscheidungsfehler nach dem anderen aus diesen Ämtern öffentlich wird. Was im demokratischen Deutschland der Gegenwart geschieht, ist keine kinderfreundliche, kindgerechte Familienpolitik, sondern die Verwirklichung knallroter kommunistischer Ideale, nämlich die Etablierung der "industriellen Familie" nach Friedrich Engels. Es ist die politische Befreiung der Frau vom Familienjoch hin zur Erwerbsarbeit durch Erziehung aller Kinder in der "industriellen Familie" professioneller Betreuer, die für ihre Erziehungsarbeit bezahlt werden. Elternliebe, Zeit der Eltern für ihre Kinder, elterliche Zuwendung, Da-Sein für Kinder, ruhige Kraft für Kinder - das ist es, was Kinder brauchen und Eltern gern geben würden, wenn sie denn im Trubel des täglichen Überlebenskampfes gegen explodierenden Lebenshaltungskosten und immer neue Steuern, immer mehr Abgabenlasten die Chance dazu hätten. Was Kinder brauchen, wird seit langer Zeit erforscht und ist wissenschaftlich bestens bekannt. Nur respektiert wird dies selten, denn das würde bedeuten, dass z.B. die Steuer- und Abgabenpolitik Familien spürbar entlasten müsste, um Eltern wieder Zeit für ihre Kinder zu ermöglichen. Statt dessen werden Eltern politisch belehrt, dass ihre Kinder lediglich zahlungskräftige Eltern und professionelle Bezugspersonen bräuchten, um zum wohl geratenen Staatsbürger heran zu wachsen. Das von der Familienpolitik als Folge der Kinderarmut beklagte Verwahrlosen von Kindern entsteht zweifellos durch überforderte Eltern. Aber nicht durch Eltern, die grundsätzlich unfähig zur Kindererziehung und Betreuung sind. Es geschieht ganz überwiegend durch Eltern, die als Kinder selbst in den Genuss der "industriellen Familie" kamen. Es geschieht durch Eltern, die durch politisches Missmanagement ausgebeutet und ausgebrannt werden, weil sie keine Hilfe zur Selbsthilfe für ihre Familien bekommen, sondern ihrer Kinder beraubt werden, wenn sie Schwächen zugeben würden. Es geschieht durch Eltern, die rund um die Uhr schuften, da sie über ein halbes Jahr lang nur für den Staatsapparat arbeiten müssen, ehe sie einen Cent für die eigenen Familienbedürfnisse erwirtschaftet haben. Kinderarmut in Deutschland ist Familienarmut. Ja. Doch Beides ist nicht das grundsätzliche Versagen der unfähigen Eltern im Land. Es ist das Ergebnis des Versagens der regierenden Politiker/innen, die jede Bodenhaftung im Volk verloren haben und ihre ganz persönlichen ideologischen Planspiele zum eigenen Machterhalt betreiben und die immer dann, wenn ihnen dabei mal wieder das nötige Geld ausgeht, nochmals in die Tasche der Bürgerinnen und Bürger greifen. Diäten bekommen dabei übrigens einen seltsam doppelten Wortsinn. Dr. Karin Jäckel |
|
|