Leserbrief zu
1000x NEIN - Gründe gegen eine gewollte Vaterschaft

Karins Kommentar in
http://www.petitiononline.com/1000xno/petition-sign.html?

31. Oktober 2006

Kindesentzug ist eine Straftat gegen "Kindeswohl" und Elternrecht. Umgangsboykott ist eine ebensolche Straftat. Und obwohl das deutsche Gesetz spätestens seit der Neuregelung des Kindschaftsrechts alles bietet, was Jugendamtsmitarbeiter und Gerichte brauchen, um Kinderrechte und Elternrechte zu schützen, bleiben Kindesentzug und Umgangsboykott meist straffrei. Einer der wesentlichen Gründe ist, dass bis heute eine verbindliche Definition dessen, was das "Kindeswohl" ist, fehlt, denn somit kann und darf jeder Entscheidungsträger in Jugendamt und Familiengericht das "Kindeswohl" nach eigenem Ermessen und Dafürhalten interpretieren und mit ihm persönlich angemessenen Maßnahmen durchsetzen.

2005 entzogen Jugendamt und Familiengericht 25 400 Kinder ihren leiblichen Eltern. Hinzu kommen jährlich rund 100 000 Scheidungskinder, die einen Elternteil nicht mehr sehen dürfen. Ganz überwiegend ist dieser Verlust auf Umgangsverbote oder Umgangsboykott zurückzuführen, die vom Jugendamt und Familiengericht angeordnet oder geduldet werden. Zu einem hohen Prozentsatz dürfen die betroffenen Kinder ihre Eltern nur deshalb nie mehr sehen, weil Vertreter des Jugendamts nach eigenem "besten Wissen und Gewissen" glauben, das "Kindeswohl" werde geschädigt und deshalb die sofortige "Herausnahme" des Kindes aus der Familie veranlassen. Meist geschieht dies zunächst sogar ohne Gerichtsbeschluss. Und fast immer folgt das oft erst Wochen später hinzugezogene Gericht der vermeintlichen Fachlichkeit des dem Gericht zur Zuarbeit verpflichteten Jugendamts.

Im Gegensatz dazu kann es wegen der fehlenden gesetzlichen Definition des "Kindeswohls" ebenso passieren, dass Verantwortliche im Jugendamt das "Kindeswohl" nicht gefährdet glauben, obwohl zum Beispiel ein Lehrer anruft, weil ein Kind immer wieder mit blau unterlaufenen Wangen zur Schule kommt oder Nachbarn melden, dass über ihnen ein Pädophiler wohnt, der Kinder an sich lockt, oder ein Kind mehrfach mit Knochenbrüchen dem Kinderarzt auffällt.

In meinen Büchern wie "Monika B. Ich bin nicht mehr eure Tochter" oder "Der gebrauchte Mann. Abgeliebt und abgezockt. Väter nach der Trennung" oder "Deutschland frisst seine Kinder. Ausgebeutet, ausgebrannt. Familien heute" oder auch in meinem aktuellen authentischen Erfahrungsroman "Nicht ohne meine Kinder. Eine Mutter kämpft gegen das Jugendamt" setze ich mich seit Jahren vergeblich für eine zentrale Kontrollbehörde gegen Willkürentscheidungen des Jugendamts und für eine offizielle Definition des Begriffs "Kindeswohl" sowie für eigene Kinderrechte im Grundgesetz ein.

Aus der Bevölkerung erhalte ich täglich positive Reaktionen. Doch als ich im März des Jahres 2006 die CDU-Bundesfamilienministerin von der Leyen auf dieses für Kinder und Eltern so wichtige Anliegen aufmerksam machte, ließ sie mir schreiben, sie sei mit ihrem neuen Amt und ihren eigenen Kindern so ausgelastet, dass sie keine Briefe aus der Bevölkerung und keine ihr empfohlenen Bücher lesen könne. Nicht viel anders hatte mir schon die als Erziehungsratgeberin der Nation mit eigenem Büro im Kanzleramt aufgetretene Gattin des Altkanzlers Schröder mitteilen lassen, Jugendamtsmitarbeiter und aus gutem Grund unabhängige Richter wüssten genau, was sie tun. Selbst der amtierende Bundespräsident Köhler teilte mir 2006 mit, er wisse zwar um das Leid der ausgegrenzten Eltern, könne aber nichts dagegen unternehmen. Und auf den Nobelpreis, den Professor Willutzki als ehemaliger Vorsitzender des Vereins "Familiengerichtstag" demjenigen auszuloben empfahl, der den Begriff des "Kindeswohls" endlich verbindlich definiere, warten Eltern und Kinder bis heute.

Dass politische Deutschland regt sich zwar über Menschenrechtsverletzungen im Ausland auf, zieht aber keine Konsequenzen daraus, dass Deutschland selbst bereits mehrfach wegen Kindesentzugs als Menschenrechtsverletzungen gegenüber Eltern und Kinder vor dem Europäischen Menschenrechtgerichtshof verurteilt wurde. So manche dieser Eltern warten trotzdem noch immer vergeblich auf die Heimkehr ihrer Kinder, die ihnen das Jugendamt weiterhin entzieht.

Nur manchmal geht ein Aufhorchen durchs Land. Vor ein paar Jahren zum Beispiel, als der französischen Premier Jacques Chirac das deutsche Familienrecht "das Gesetz des Dschungels" schimpfte oder Bill Clinton in Berlin gegen Umgangsboykott und Kidnapping wetterte. Nicht lange danach demonstrierte eine in der Presse viel beachtete Gruppe internationaler Eltern auf dem Alexanderplatz in Berlin mit einem öffentlichen Hungerstreik gegen Kindesentzug und Umgangsboykott. Inzwischen mehren sich die Verzweiflungstaten der durch Behördenbeschluss ihrer Kinder beraubten Eltern bis hin zum Suizid. Im Sommer 2006 erschoss sich ein polnischer Vater aus Verzweiflung im Jugendamt Berlin-Spandau vor den Augen einer Jugendamtsmitarbeiterin. Im Oktober 2006 nahm sich ein Vater in den USA das Leben, der jahrelang vergeblich um die Heimkehr seines Sohnes aus Baden-Württemberg gekämpft hatte. Ebenfalls im Oktober drohte ein anderer polnischer Vater sich öffentlich zu verbrennen, weil er seine Kinder nicht mehr sehen darf.

Hin und wider bricht sogar fast Hysterie in der Bevölkerung aus, wenn in der Regenbogenpresse ein entsetzlicher Skandal über Fehlentscheidungen aus dem Jugendamt den anderen jagt, wie dies momentan seit Wochen geschieht.

Als politische Konsequenz der Verantwortlichen in den entsprechenden Ministerien erleben wir als Bürger dennoch nicht, dass Jugendamtsmitarbeiter und Familierichter besser ausgebildet, überprüft und für Fehlentscheidungen haftbar gemacht würden und endlich die juristisch sinnleere Worthülse des "Kindeswohls" mit rechtstatsächlichen Inhalten gefüllt würde. Stattdessen erleben wir fassungslos, dass die Macht des Jugendamts weiter ausgebaut wird und Eltern unter Generalverdacht ihres erzieherischen und fürsorgenden Versagens geraten.

So folgenschwer falsch der Weg der Autoaggression ist, wenn Eltern und Kinder sich selbst Leid antun, um das ihnen von den Verantwortlichen in Politik und Familiengerichtsbarkeit angetane Leid zu überdecken und aus der Ohnmacht eine letzte vermeintliche Machthandlung zum Suizid auszuüben, so übergroß ist doch die Schuld derjenigen, die Familien seit Jahren in unverantwortlicher Weise für "out" erklären und sie nach dem Motto der amtierenden Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: "Familie ist, wenn alle aus demselben Kühlschrank essen.", kaputt regieren.

Dr.phil. Karin Jäckel
Autorin und Journalistin
Autorin von: "Deutschland frisst seine Kinder"
http://www.karin-jaeckel-autorin.de