Diskussion im Forum der Bundeskanzlerin Dr. Merkel
12. April 2007
Re: Montag: KINDER, DIE IHRE VÄTER NICHT SEHEN
« Antwort #9 am: 12. April 2007 - 02:14 »
Dr. Karin Jäckel
Autorin von u.v.a. "Der gebrauchte Mann. Abgeliebt und abgezockt. Väter nach der Trennung."
www.karin-jaeckel.de
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,
in der BZ stand unter
>http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/meinung/643763.html<
zu lesen:
"Das hessische Justizministerium gibt bekannt: Ein guter Richter ist, wer von vielen Sachen viel versteht, ein besserer Richter, wer von seiner Sache alles versteht, der beste Richter aber ist derjenige, der alles zu seiner Sache macht, auch wenn er nichts von ihr verstanden hat."
Dieses Zitat entspricht dem Erfahrungswert unzähliger Menschen in Deutschland, die vor dem Familiengericht vergeblich um ihre Kinder kämpfen, obwohl ihnen als Eltern nichts vorzuwerfen ist als nur die Tatsache, dass sie sich als Eltern nicht mehr verstehen.
Nur zu oft überlassen in solchen Fällen verantwortliche Familienrichter/innen in Ermangelung der eigenen fachlichen Kompetenz dem Jugendamt die Beschlussfindung und degradieren sich selbst zu bloßen Verkündboten.
Schon vor 1997 gingen deshalb so viele Klagen einzelner Bürger über das Jugendamt als wahren und doch falschen Richter vor dem damals noch in Bonn angesiedelten Jugend- und Familienministerium ein, dass dieses sich genötigt sah, eine Tagung zum Rechtsgut "Kindeswohl" in Bad Boll einzuberufen, welche den im Volksmund auf die Institution Jugendamt angewandten Begriff der "Kinderklaubehörde" dokumentierte.
Tatsächlich solle, wie Dr. Wolfgang Raack anlässlich dieser Tagung vortrug, das Jugendamt "dem Richter als pädagogischem Laien" zuarbeiten und mitteilen, welche "Maßnahmen sinnvoll erscheinen." In der Realität zeigten rechtstatsächliche Untersuchungen aber, dass das Jugendamt 30 Prozent der betroffenen Eltern gar nicht beraten und auch keine Stellungnahme dazu vorgelegt habe und dass Richter folglich im "Schnellverfahren" zu Beschlüssen kämen, ohne zuvor elterliche Beratung anzuordnen.
Derartige Zustände seien letztlich das Ergebnis dessen, dass "die Ausbildung im Familienrecht hochgradig jämmerlich" sei, schalt Ernst Elmar Bergmann in seinem Tagungsvortrag. "Bei der Justiz ist es so, dass der Richter am meisten gilt, der schon einmal alle Rechtsgebiete bearbeitet hat. Ein wesentlicher Grundsatz in der Familiengerichtsbarkeit ist der Grundsatz von ‚Learning by doing'. Eine systematische Ausbildung und Fortbildung der Richter ist weitestgehend unbekannt." Aus diesem Grund, so Bergmann, hole der Richter Sachverständigengutachten ein, welche "eine so hohe Glaubwürdigkeit" genießen, "dass gegen dessen Rat eine gerichtliche Entscheidung nicht getroffen wird."
Bei dieser Praxis von Familiengericht und Jugendamt sah Christine Knappert: "Die Jugendhilfe ist gefährdet, weil sie ihre Sichtweise jahrzehntelang der Justiz anpasste und sich letztendlich kaum noch von ihr unterschied. Es haben sich Umgangsformen eingeschlichen, die beiden Institutionen mit Hilfe des Begriffes ‚Kindeswohl' zugute kommen, aber mit letzterem wenig zu tun haben."
Die größtes Leid Tragenden derartiger richterlicher Inkompetenz und der Übermachtstellung des ohne jegliche zentrale Fachaufsicht agierenden Jugendamts als Entscheidungsmacht sind die Kinder, die alljährlich durch Familiengerichtsbeschlüsse öfter einen Elternteil verlieren als im letzten Weltkrieg und ihren Eltern entrissen werden dürfen, weil ein dafür verantwortlicher Jugendamtsmitarbeiter dies vor dem eigenen Gewissen vertreten zu können meint.
Die seelische Grausamkeit, die Kindern im modernen Deutschland durch die Jugendhilfeinstitution Jugendamt im Verbund mit der Familiengerichtsbarkeit durch Elternentzug und Entwurzelung angetan wird, scheint juristisches und jugendhilfegerechtes "Kindeswohl".
Diese Definition gibt der im Gesetzbuch nie definierten Worthülse einen Sinn, der immer mehr junge Menschen davon abhält, Eltern zu werden.
Dennoch ließ mir die amtierende Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen auf meine Bitte um eine zentrale Kontrollinstanz für das Jugendamt hin durch ihren Mitarbeiter schriftlich mitteilen, sie sei mit ihren eigenen Kindern und ihrem Amt zu überlastet, als dass sie sich mit der Lektüre meiner e-Mails und Bücher befassen könne.
Bravo, Familiengericht! Bravo, Jugendamt! Und ein dreifach Vivat der Familienpolitik!
Werden Sie, Frau Bundeskanzlerin, dafür sorgen, dass eine dringend nötige zentrale Fachaufsichtsbehörde für das Jugendamt geschaffen und die Ausübung eines Familienrichteramtes an familienrechtliche Fachkompetenz gebunden wird?
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Karin Jäckel
Veröffentlicht siehe:
Montag: KINDER, DIE IHRE VÄTER NICHT SEHEN
Claudio Martinez
12.4. 2007 um 02:14 von Dr. Karin Jäckel
http://forum.direktzurkanzlerin.de/index.php/board,67.0.html St. 12.4.2007 (Antwort 9)
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