Frauen im Visier:
Dr. Karin Jäckel (51)
Mutter, Hausfrau und freie Autorin
aus Oberkirch
Leben zwischen Büchern und Familie

OG Mittelbadische Presse (ARZ)

Freitag, 28. Januar 2000

von Susanne Wagner-Köppel

Sie hat drei Söhne im Alter zwischen zwölf und 24.
Sie ist Mutter mit Leib und Seele, und sie verkörpert diese Mutter auch nach außen.
Sie strahlt Schutz, Geborgenheit und Zuwendung aus.
Ihren Schilderungen kann man stundenlang zuhören.
Die Rede ist von Dr. Karin Jäckel, Kunsthistorikerin, Hausfrau (sie lacht), natürlich Mutter und mit ganzem Herzen freie Autorin. Zusammen mit Mann und Kindern lebt sie in Oberkirch. Hier schätzt sie die gute Luft, die Beschaulichkeit des Ländlichen, von hier startet sie zu ihren Exkursionen als Autorin.

Schon als Kind hat sie geschrieben. Schon damals hat sie gesagt: "Wenn ich groß bin, schreibe ich mal Bücher." Und der Vater hat darauf geantwortet: "Und ich hole mal den Mond vom Himmel." Über 65 Bücher sind es mittlerweile, die sie verfasst hat. In der jüngsten Vergangenheit sind es vor allem sozialkritische Themen, die ihr Interesse wecken. Karin Jäckel ist sehr erfolgreich. Und sie widmet sich unerschrocken den Brennpunkten des Lebens. Ihr neuestes Buch wird sich mit der Situation der Familien in Deutschland befassen: "Deutschland frisst seine Kinder." Die Leserinnen und Leser dürfen sich freuen.

Kindergeschichten:

Nach dem Studium der Germanistik und Kunstgeschichte mit Sprecherziehung in Saarbrücken siedelte sie zusammen mit ihrem Mann nach Tübingen um. Dort promovierte sie und bekam ihren ersten Sohn. Schon während der Studienzeit hat sie fachbezogene Artikel für Feuilleton und Fachzeitschriften geschrieben. Es blieb Zeit für Gedichte und Kurzgeschichten. Mit der Geburt ihres ersten Sohnes wurden es vor allem Kinderkurzgeschichten, Comics und Kinderbücher, die sie veröffentlichte. "Mein ganzes Wesen war ausgefüllt mit diesem Muttersein," schildert Karin Jäckel ihr Glücksgefühl. Das Kind in fremde Hände zu geben, kam für sie nicht in Frage. "Das war emotional gar nicht möglich." Also wurde sie zunächst "Nur-Hausfrau und Mutter" mit der Option, ihre Werke daheim zu schreiben. Das tut sie heute noch. Sie schreibt vorwiegend nachts oder am Morgen, wenn die Buben in der Schule sind. Und wenn die Zeit drängt, arbeitet sie durch. "Ich kann ja dann nachschlafen," lacht sie.

Brennpunktthemen:

Während ihrer zweiten Schwangerschaft setzte sich die Autorin sehr intensiv mit Problemsituationen in Familien auseinander. Sie machte die Erfahrung, dass vor allem Mütter sich lebenslang Vorwürfe machen, wenn sie ein behindertes Kind bekommen, und zwar auch dann, wenn es kein Verschulden gibt. Erschwert wird die Situation, wenn Freunde das Weite suchen oder Hemmungen haben, sich dieser Probleme anzunehmen. Das Alleinlassen des anderen wertet die Autorin als einen der folgenschwersten Fehler in der heutigen Gesellschaft.

"Jeder sollte sich als Teil des Ganzen empfinden und das ihm selbst Bestmögliche in die Gesellschaft einbringen. Ich kann schreiben," schildert Karin Jäckel ihren Standpunkt. Zusätzlich zu den Kinderthemen widmete sie sich deshalb mehr und mehr den Brennpunkten. Eine Freundin hatte sich in einen Priester verliebt. Drei Jahre lang recherchierte die Autorin in Priesterkreisen und bringt es mit den Büchern "Sag keinem, wer dein Vater ist" und "...weil mein Vater Priester ist" auf den Punkt.

Neben dem Muttersein ist die Autorentätigkeit mehr und mehr in den Vordergrund gerückt. "Man kann es nur ganz machen oder lassen," betont die Autorin. Es ist schwieriger geworden, sich als Freiberuflerin durchzusetzen. "Ich habe keine Wahl, mein Pensum zu reduzieren, obwohl ich frei bin." Immer mehr Autoren aus den neuen deutschen Ländern drängen auf den Markt und das häufig zu Dumpingpreisen, berichtet Karin Jäckel. Die meisten Bücher werden als Lizenz aus dem Ausland gekauft. Nein sagen gibt es also nicht, zweimal Nein sagen bedeutet schon das Aus.

Zeichnen und singen:

Und was macht die Autorin in ihrer Freizeit? "Ich zeichne viel und singe sehr gern." Außerdem reist sie gern und viel, schon berufsbedingt. Aber am liebsten fährt sie mit der ganzen Familie ans Meer. Das Wasser gehört zu jedem Urlaub. Und dann wird gefaulenzt. Und alle finden es schön, Zeit füreinander zu haben. "Wir sind keine Sightseeing-Urlauber," lacht Karin Jäckel.

Noch eine Ausbildung:

Irgendwann, wenn auch der jüngste Sohn größer ist, will sie noch eine neue Ausbildung machen. "Ich habe Spaß am Lernen." Wahrscheinlich geht es in Richtung Psychologie. Da will sie noch mal investieren und eine Prüfung machen. Was sie sich sonst am meisten wünscht? Dass die Familie gesund und glücklich ist, dass es Friede bleibt im Land, und dass endlich mal die Steuern sinken.