Expertin: Kinder brauchen Garantie auf beide Eltern - Väter einbeziehen

ddp

Interview: 22. Mai 2001

Oberkirch (ddp), Die Position von Vätern in Deutschland sollte nach Überzeugung von Familienexpertin Karin Jäckel gestärkt werden. "Kinder müssen eine Garantie auf beide Eltern erhalten", sagte die Autorin von Büchern wie "Der gebrauchte Mann" oder "Deutschland frißt seine Kinder" am Dienstag der Nachrichtenagentur ddp in Oberkirch. Viele Männer, die sich zuvor voll in die Erziehung ihrer Kinder eingebracht hätten, würden nach einer Trennung zu "Zahlvätern" degradiert. Während die Mutter ihren neuen Partner häufig ganz selbstverständlich in die Familienarbeit integriere, werde der leibliche Vater aus dem Leben der Kinder ausgegrenzt.

Diese Trennungserfahrung führt nach Einschätzung von Jäckel dazu, dass gerade junge Väter wieder verstärkt zu traditionellen Rollenmustern zurückkehren. Somit drohe der Trend der vergangenen 10 bis 15 Jahre wieder zu kippen:
Analog zur Frauenbewegung sei in den 80er Jahren die Väterbewegung entstanden und viele Männer würden sich mehr und mehr in die Erziehung ihrer Kinder einbringen. Während die Generation der Größväter noch meist ein klassisches, autoritäres Rollenverständnis habe, sei für jüngere Väter eine partnerschaftliche Familienarbeit selbstverständlich.

Das neue Kindschaftsgesetz appelliert Jäckel zufolge an die Vernunft der Eltern. Gerade diese aber fehle nach der Trennung in der Regel. Daher müsse der Gesetzgeber umdenken. Gleichzeitig plädiert die Autorin dafür, ein bischen "altmodischer zu werden":
Mann und Frau müssen sich wieder mehr Zeit nehmen, sich wirklich kennen zu lernen, bevor sie Kinder bekommen.
pje/ume