copyright by http://www.karin-jaeckel-autorin.de |
Sind Männer und Väter einfach out? |
Vortrag von Dr. Karin Jäckel
|
|
Der Mensch von heute lebt in einer Zeit, in der sich die Erkenntnisse und das Wissen überschlagen. Nie zuvor waren wir näher daran, die Geheimnisse der Menschwerdung zu entschlüsseln und von der Vernichtungsmaschinerie bis hin zur Erschaffung menschlicher Ersatzteil-Klone symbolisch den Turmbau zu Babel neu zu erfinden. Selbstverständlich leiten wir davon ab, heute die beste Version des "homo sapiens" aller Zeiten zu sein. Tatsächlich aber sind wir heute als "Spezies Mensch" in unserem Tiefstinnersten kaum anders als zur Steinzeit, denn noch immer ist der Überlebenstrieb und das damit verbundene Streben nach Macht und Anerkennung das zentrale Motiv unseres Handelns und Wissensdrangs. Noch immer gibt es neben dem göttlichen Licht des Edelmuts, der Weisheit und Seelengröße auch die antipodische Finsternis der Kriege, barbarischste Foltern, Morde, und als Bindeglied zwischen beiden Polen die Kräfte der Liebe und Sexualität. Wie kein anderer Lebensfaktor steht die Sexualität im Brennpunkt unseres Überlebenstriebes und somit auch im Zentrum unseres Wissensdrangs. Folgerichtig prägt unser Wissen über das weibliche und männliche Geschlecht, über den Mechanismus der Sexualität und über die erfolgreiche Reproduktion des Fortpflanzungsvorgangs die allgemeine Auffassung von der Bedeutung respektive der Wichtigkeit von Frauen und Männern für den Fortbestand der Gesellschaft bzw. des Lebens schlechthin. Schauen wir uns die Entwicklung doch einmal im Zeitraffer an. In der Frühzeit wussten die Menschen nichts von Spermien und Eizellen. Sexualität diente nicht bewusst der Fortpflanzung sondern folgte der körperlichen Lust und den sozialen Ritualen des Gruppenlebens. Wenn eine Frau schwanger wurde, glaubte man, sie habe sich ein Kind gezaubert. Wegen des unerklärlichen, geheimnisvollen Heranreifens des Kindes als Leibesfrucht, erkannte man darin einen göttlichen Vorgang. Eine Frau, die sich kein Kind zaubern konnte oder wollte, wurde verachtet. Die Götter schienen sie verstoßen zu haben. Oft wurde sie deshalb auch aus der Gruppe verjagt. Ähnliche Phänomene fand man in jüngerer Vergangenheit noch bei Urvölkern in den Tiefen des Regenwaldes. Da Kinder als Gottesgeschenk oder Zaubergabe galten, zugleich aber auch als Arbeitskräfte und lebende Altersicherung für die Versorgung ihrer Eltern und Großeltern wichtig waren, wurden sie hoch geschätzt. Wer sie hervorbringen konnte, besaß die Macht über das Leben der Gegenwart und die Zukunft sowohl des Einzelnen wie auch der Gruppe, die das Überleben des Einzelnen erleichterte. Folglich wurden Frauen und besonders Mütter als die Leben spendenden Herrinnen verehrt und vergöttert. Auch das Erbe wurde in der weiblichen Linie weitergegeben. Männern waren damals hauptsächlich dazu da, die Lebensspenderinnen und ihre Kinder zu schützen und zu versorgen. Diese Zeit nannte man nach der Zentralfigur der Mutter das Matriarchat. Mit der Erkenntnis über die Bedeutung von Spermien und Eizelle kam das Patriarchat, denn nunmehr glaubte man zu wissen, dass nicht die Frau und Mutter sich aus alleiniger Kraft ein Kind zaubere, sondern dass der Vater es in sie einpflanze, indem er seinen Samen in ihren Bauch aussäe. Mit dem Wissen von der Bedeutung der Eizelle begann die zunächst eher heimliche Revolte der Frauen gegen das Patriarchat. Ihre traditionelle Kenntnis der Pflanzen und deren Wirkstoffe verlieh ihnen eine Männern unheimliche und unwillkommene Macht über Zeugung, Schwangerschaft und den Segen der Nachkommenschaft oder den Tod ohne Erben. Wie nie zuvor und danach wurden diejenigen unter den Frauen zu Erzfeindinnen der Patriarchen erklärt, deren Wissen über Fortpflanzung und Geburt der patriarchalen Vorherrschaft gefährlich wurde. Als Hexen verteufelt, verrieten sie unter der Folter nicht nur ihre Kenntnisse über Heilpflanzen und Drogen. Sie brannten auch zu Tausenden auf den Scheiterhaufen der selbsternannten Stellvertreter Gott Vaters auf Erden und im Namen der von diesen inszenierten heiligen Inquisition. Mit ihnen starb das uralte Wissen der Kräuterfrauen und Hebammen. An ihre Stelle traten von nun an eher körperfeindliche, der Sexualität ablehnend gegenüberstehende und Frauen als minderwertige unreine Wesen missachtende Männer, häufig Kirchenmänner, als Alchimisten, Bader und Mediziner. Der Frauentod im Kindbett wurde, um mit Martin Luther zu sprechen, als völlig normales Schicksal angesehen, denn "zum Todtragen sind sie da." Es dauerte Jahrhunderte, bis sich die Frauen aus diesem Würgegriff des Patriarchats befreien konnten. Mit dem neusten Wissen von der Bedeutung der künstlichen Befruchtung, welche die Bedeutung der sexuellen Verschmelzung von Frau und Mann auf die Entnahme von Ei- und Spermazelle reduziert, begann der Radikalfeminismus mit der Zielsetzung "Powerfrauen an die Macht", der gegenwärtig immer deutlicher zu einer an die Staatsraison der Amazonen erinnernden Männerfeindlichkeit ausufert. Ein Vergleich übrigens, der in radikalfeministischen Kreisen, deren Vertreterinnen sich als Vorkämpferinnen und neue Amazonen verstehen, durchaus geliebt wird. "Erst wenn alle Wünsche der Frauen erfüllt sind, wenden wir uns Männerinteressen zu", hieß es unlängst anlässlich der radikalfeministischen Machtdemonstrationen in Österreich. "Frauenförderung heißt, Männern Privilegien zu entziehen", heißt es im deutschen Familienministerium. Oder auch, erst wenn auf jeden Spitzenmann eine Spitzenfrau in Politik und Wirtschaft komme, sei Gleichberechtigung erreicht. Sprüche, frei nach Simone de Beauvoir und Friedrich Engels, möchte man sagen. Verklärt de Beauvoir als erklärte Atheistin in ihren Büchern doch die weibliche Berufstätigkeit als einzige Chance, ein ebenso wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu werden wie Männer es für sie waren, da allein die Erwerbstätigkeit "Transzendenz" und somit eine Art ewiges Leben im Intellekt und Erfolg garantiere. Familienarbeit sei der Ballast am Fuß der Frau, die durch ihre Bindung an Kinder und Ehemann um die eigene kostbare "Transzendenz" gebracht werde, wenn sie sich nicht radikal und ohne Reue davon befreie. Ob diese "Privilegien" so erstrebenswert sind, ist den nicht radikalfeministischen Frauen allerdings äußerst suspekt. Studien und Statistiken führen eindeutig aus, dass derartige Privilegien nämlich nicht nur aus interessanten Jobs und Spitzenpositionen in der Wirtschaft nebst den damit verbundenen lukrativen Einkünften bestehen. Abgesehen davon, dass die große Mehrheit der Männer derartige "Privilegien" nicht genießt, sondern ihr Geld auf den unteren Rängen der Hierarchieleitern verdient. Passend zu dem Gezänk um derartige "Privilegien" nehmen sich Radikalfeministinnen alle die Frauen vor, die ihren Lebensplan an der Seite ihres Lebensgefährten und ihrer Kinder und nicht in der zusätzlichen Erwerbstätigkeit sehen. Die Beschimpfungen und Schmähungen reichen von der Sozialschmarotzerin bis zur Verballhornung als "das" asexuelle Mutti und enden bei der Forderung auf dem Pekinger Weltfrauentag, das als diskriminierend empfundene Wort "Mutter" durch den Begriff " Frauen in Zeiten der Kindererziehung" zu ersetzen. Wie wir sehen, ist der Lieblingsplatz dieses Geschlechterkampfes der feministischen Frauenbewegung unserer Gegenwart - wenig originell - die Familie sowie die Sexualität. In diesem Bereich strotzt es nur so vor Schlagworten und Feindbildern. Auf einer Psychologentagung in Berlin hieß es vor zwei Jahren, die Zeugung der Zukunft erfolge vorzugsweise per Samenbank. Sexuelle Lust erlebe die Frau demnächst am schönsten virtuell aus dem Internet. Und wenn sie doch einmal meine, ein Kind müsse nicht in der für Schafe bereits entwickelten künstlichen Gebärmutter reifen sondern in einem echten Bauch, miete sie sich eben eine professionelle Leihmutter im "rent-a-bauch"-Prinzip. Am besten geeignet ist dafür die eigene leibliche Mutter, die zu diesem Zeitpunkt noch im knackigen Alter ist, aber schon keine Angst mehr vor dem Verlust der Modelfigur haben muss, die für die Tochter als Business-Lady unerlässlich ist. Mag man diese Visionen noch als verrückt abtun, so muss man die scharfen politischen Klassenfeind-Campagnen doch bitter ernst nehmen. Ich denke hier an den Slogan "Gewalt ist männlich" oder an das Bestreben, Männer schon dann polizeilich aus der Familienwohnung entfernen zu lassen, wenn die Frau sich von ihnen bedroht fühlt. Weltweit existieren über 100 Expertinnen- und Expertenstudien, die nachweisen, dass Frauen fast ebenso oft Gewalt gegen Männer und besonders gegen Kinder und alte Menschen ausüben wie Männer. Dennoch werden diese Ergebnisse in der radikalfeministischen Politik schlicht ignoriert. Herangezogen werden statt dessen Schätzwerte regierungsnaher Frauenvereine und Frauenfördereinrichtungen, deren angegebene Schätzwerte erstaunlicherweise immer jedes 3. Kind als Opfer des sexuellen Kindesmissbrauchs, jede 3. Frau als Vergewaltigungsopfer, jede 3. Frau als Opfer häuslicher Gewalt ausweisen. Niemand will ernstlich bestreiten, dass Frauen und Kinder Opfer von Gewalt und auch männlicher Gewalt werden. Unbestreitbar ist auch, dass Männer weit öfter sexuelle Gewalt ausüben als Frauen. Aber sexuelle Gewalt ist nicht alles. Und das Leiden von Jungen und Männern unter den Tisch zu kehren, weil sie die Bevölkerungsschicht mit den "Privilegien" ist, die Frauen ihnen so dringend entziehen wollen, um Frauenförderung zu verwirklichen, halte ich für grauenhaft falsch. Eine Meinung, mit der ich übrigens keineswegs allein stehe. Der Mainzer Jura-Professor Dr. Michael Bock legte erst vor wenigen Wochen beredetes Zeugnis dafür ab, dass er das am 8. 11. 2001 in die Endphase kommende neue Gewaltschutzgesetz für einseitig, männerfeindlich und daher insgesamt als zu verwerfen erachtet. Eine Plakataktion des deutschen Bundesfamilienministeriums ist mir in diesem Zusammenhang besonders aufgefallen. Auf diesem Plakat gegen erzieherische Gewalt - die natürlich auch nur von Männern ausgeübt wird, nicht wahr? - sind zwei Kinder zu sehen. Ein Mädchen mit roten Schlagspuren im Gesicht, das hilflos leidend definiert wird. Ein Junge mit gesenktem Kopf, am Straßenrand sitzend. In der Unterzeile unter seinem Bild heißt es, aus geschlagenen Jungen werden Gewalttäter. Können Sie, meine Damen und Herrn, sich vorstellen, wie das auf Kinder wirkt, die geschlagen werden? Mädchen als ewig hilfloses Opfer, und Jungen dazu verdammt, selbst genau so zu werden, wie der Mensch, von dem sie gepeinigt werden und den sie oft qualvoll lieben, obwohl sie ihn hassen? Wer wie ich mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen arbeitet, die sexuell missbraucht und körperlich misshandelt, seelisch aufs grausamste gequält und verhöhnt wurden, - und zwar meist von ihrem Vater UND ihrer Mutter oder auch nur von ihrer Mutter oder nur von ihrem Vater - mit Menschen, die suizidal sind, weil sie zwar nicht wirklich sterben aber ein anderes Leben haben wollen und keine Chance mehr sehen, es in dieser Welt zu erreichen, - der weiß, wie viele Jungen lieber sterben wollen als Gewalttäter zu werden, und wie viele Mädchen lieber Gewalttäterin sein wollen als ewiges Opfer. Auch hier stehe ich mit meinem Protest nicht allein. Der Universitätsprofessor und Männerforscher Prof. Dr. Amendt schrieb wegen dieses Plakates einen offenen Brief an das Bundesfamilienministerium, auf dessen Initiative es erstellt und ausgehangen wurde. Dennoch sagte man mir im August des Jahres im Bundesjustizministerium, das sich an dieser Plakataktion zur Ächtung der erzieherischen Gewalt beteiligte, um Kindern Solidarität gegen Gewalt zu bezeugen, dass man dieses Plakat noch nie selbst gesehen habe. Überhaupt Kinder - rechne ich die letzten 10 Jahre zusammen, komme ich allein in Deutschland auf rund zwei Millionen Trennungskinder und Scheidungswaisen. Die überwältigende Mehrheit von ihnen wächst vaterlos auf. Und das nicht etwa, weil Väter ihre Kinder nicht lieben oder sich grundsätzlich einfach so abgeseilt haben. Das gibt es auch! Und jeder einzelne Vater dieser Art ist einer zuviel. Aber die meisten Kinder müssen vaterlos aufwachsen, weil es ihren Müttern so gefällt und weil das geltende Familienrecht von Richterinnen und Richtern nicht zur Anwendung gebracht oder nicht durchgesetzt wird. Das neue deutsche Kindschaftsrecht von 1998 sichert Kindern ein Recht auf beide Eltern, räumt diesen aber zugleich das Recht ein, den jeweils anderen Elternteil abzulehnen. Diese Ablehnung sollte nachvollziehbar begründet werden und die Erziehungsunfähigkeit des beklagten Elternteils nachweisen. Lehnt die Mutter den Vater ab, - dies kommt auch im ungekehrten Fall vor, geschieht aber weitaus seltener, so dass ich hier bei der üblicheren Ausgrenzung des Vaters bleiben möchte - obwohl es dafür keine überzeugende Basis gibt, und gelangen die Eltern zu keiner einvernehmlichen Lösung, regelt das Gericht den Umgang zwischen Vater und Kind. Kommt das Gericht zu dem Schluss, dass ein solcher Umgang für das Wohl des Kindes dienlich ist, werden feste Termine angeordnet, damit Vater und Kind sich sehen können. Boykottiert die allein sorge- und aufenthaltsbestimmungsberechtigte Mutter diese Umgangstermine, sieht der Vater sein Kind trotz des eindeutigen Gerichtsbeschlusses nicht und umgekehrt. Grund: das Gericht veranlasst die Durchsetzung des eigenen Beschlusses nicht. Und das nicht etwa, weil es keine Zwangsmaßnahmen gegen den Umgangsboykott gäbe, sondern weil diese erst gar nicht zur Anwendung kommen. Man könnte ein Zwangsgeld verhängen, sagte man mir im August 2001 im Bundesjustizministerium, aber Geld hätten alleinerziehende Mütter sowieso nicht. Man könnte Haft verhängen. Aber das treffe das Kind mit. Also sei es die ultima ratio. Man könnte dem bindungsintoleranten Elternteil, in diesem Fall der Mutter, das Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht entziehen und diese dem Vater übertragen. Aber auch das treffe das Kind mit, dem auf diese Weise der bei der Mutter liegende Lebensmittelpunkt entzogen werde. Und das sei gegen das Kindeswohl. Um einen Weg zu finden, dass bindungsintolerante Mütter die Würde des Gesetzes wissentlich und absichtlich verletzen und dennoch nicht bestraft werden können, wird nun Zuflucht beim Kindeswillen gesucht. Denn will ein Kind den Vater einfach nicht mehr sehen, darf dagegen keine erzieherische Gewalt angewandt werden. Sprich, - in strittigen Sorge- und Umgangsrechtsfällen entscheidet immer öfter der Kindeswille. Ignoriert wird hier, dass Kinder, die ihre beiden Elternteile erlebt haben, beide lieben. Und dass Kinder, die mit nur einem Elternteil aufwachsen, sich lebenslang nach dem verlorenen Elternteil sehnen.
Ignoriert wird auch, dass Kinder, die nach der elterlichen Trennung bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen müssen, nur zu oft gegen den abwesenden Elternteil manipuliert wurden. Oder dass sie aus Selbstschutz, weil der Verlust so ungeheuer schmerzhaft ist, vor der eigenen Seele einen Schutzwall aufrichten müssen, um diesen Schmerz nicht ständig neu erleiden zu müssen und daran zu verzweifeln. Oder dass sie eine so große Angst haben, auch den einzigen ihnen verbliebenden Elternteil zu verlieren, dass sie sich mit den Aversionen solidarisieren, die dieser eine Elternteil gegen den anderen zeigt.
Dennoch flüchtet sich die Familienrechtssprechung immer öfter in den Kindeswillen als Entscheidungsträger, um nur ja den Elternteil nicht bestrafen zu müssen, der das Kindesrecht schädigt. Meist sind es, wie schon gesagt, die Mütter, denen das deutsche Grundgesetz den ausdrücklichen Schutz der Solidargemeinschaft des Staates garantiert. Väter hingegen, - und das in Zeiten des gender-mainstreaming - genießen einen solchen Schutz nicht. Wozu auch, möchte man sarkastisch bilanzieren, sie sind ja schließlich privilegiert und müssen ihre "Privilegien" im Sinne radikalfeministischer Forderungen zugunsten von Frauen abgeben. Würde man Vätern dasselbe Recht wie Müttern zubilligen, müssten Frauen Männer in ihre ureigene Domäne, die Familie, weit stärker integrieren als bisher. Und da liegt meiner Meinung nach die Crux, denn Väter wollen nicht nur zahlen, sie wollen echte erzieherische Teilhabe an ihren Kindern. Wie viel leichter ist es da doch zu sagen: Ich würde es ja schon zulassen - aber mein Kind will nun mal nicht und das, was mein Kind will, muss ich schützen. Erinnern Sie sich an den Kaukasischen Kreidekreis Bertold Brechts, meine Damen und Herren? Und an den Schiedsspruch des weisen Königs Salomon aus der Bibel? Letztlich dominiert damit der Wille von Kleinkindern das Gesetz und die Rechtsprechung, werden Kleinkinder zu mündigen Bürgern pervertiert, die eine in die Zukunft reichende, folgenschwere Verantwortung für sich übernehmen müssen, obwohl sie dazu von ihrer geistigen und sittlichen Entwicklung her absolut nicht in der Lage sind. Was die zuständigen Richterinnen und Richter auch wissen. Kinderfeindlicher geht es kaum noch! Und doch erfolgen derartige Entscheidungen unter dem Deckmantel des Kindeswohls. Wenn wir nicht aufpassen, haben wir mit dieser Bewertung des Kindeswillens in kurzer Zeit die Tür zu amerikanischen und englischen Verhältnissen aufgestoßen, wo Minderjährige und sogar Kleinkinder bereits strafmündig und haftfähig sind. Erst jetzt kommt der Fall der beiden englischen Grundschulkinder, die gemeinsam einen kleinen Jungen aus einem Kaufhaus entführt und zu Tode gequält hatten, wieder in die Presse. Für ihre Tat waren die damals Achtjährigen zu je 15 Jahren Haft verurteilt wurden. Nun sollen sie als 18jährige unter extremen Auflagen vorzeitig frei kommen. Mit einer neuen Identität ausgestattet, sollen sie ihre Angehörigen nie wiedersehen, sich untereinander nie treffen, sich in regelmäßigen kurzen Abständen polizeilich melden, dürfen nie ohne polizeiliche Erlaubnis verreisen. Und wenn sie mal ein Mädchen kennen lernen, müssen sie es sofort auf die Polizeiwache mitnehmen, damit ihm dort erklärt wird, was für einen Menschen es sich da angelacht hat. Ein reduziertes Leben unter dem Richterschwert für zwei 18jährige Jugendliche, die als Kinder nicht wirklich wussten, was sie taten. Und doch läuft halb England Amok gegen diese Freilassung und den fast aussichtslosen Versuch eines Neustarts. Kinder sind keine zu kurz geratenen Erwachsenen. Und sie brauchen die Liebe ihrer BEIDEN Elternteile, die Liebe von Mutter UND Vater. Pestalozzi sagte, Kinder wachsen gesund und glücklich auf, wenn sie von ihren Eltern nach der Regel der drei großen "Z" erzogen werden, die da sind Zärtlichkeit, Zuwendung und Zeit. Sind wir als Mutter und Vater bereit dazu, diese drei großen "Z" aufzubringen? Ist es nicht viel mehr so, dass das Interesse von immer mehr Eltern nicht mehr die gemeinsame Sorge für Kinder ist? Dass statt elterlicher Einigkeit der Geschlechterkampf tobt? Dass Mütter wie Väter im Selbstverwirklichungswahn der beruflichen und freizeitgestalterischen "Transzendenz" durch Geld, Erfolg und Sex-Rausch alles für Kinder aufzubringen bereit oder imstande sind, nur nicht die drei großen "Z"? Der Trendforscher Matthias Horx hat uns in seinem Buch "Die acht Sphären des Universums" präsentiert, wohin der Geschlechterkampf führt: Männer landen als überflüssiges Geschlecht in der Gosse, Frauen werden zu Cyberbitches im Chefsessel, und Kinder sterben aus. Auf dem Weg dorthin sind wir bereits, denn um eine Gesellschaft zu regenerieren, braucht man ca. 3 Kinder pro Frau. Geboren wird durchschnittlich eines. Wer wie ich in historischen Zusammenhängen denkt, hat dennoch Hoffnung, denn, wie gesagt, hat der Mehrerwerb an Wissen stets zu Veränderungen zwischen den Geschlechtern geführt. Unser noch neues Mehrwissen ist dass wir aussterben, wenn wir so weitermachen wie bisher. In der Folge dieses noch sehr frischen und noch äußerst widerstrebend angenommenen Wissens der Bevölkerungswissenschaftlerinnen und Bevölkerungswissenschaftler zeichnet sich eine erste zaghafte Trendwende zurück zur Familie ab. Die neue Mütterlichkeit findet in Schauspielerinnen wie Cindy Crawford und Veronika Ferres, oder in TV-Journalistinnen wie Gabi Bauer und Petra Gerster oder in Sängerinnen wie Madonna ihre Supermütter, die den Mann an ihrer Seite öffentlich und mit Stolz als Vater vorführen. Madonna lässt sogar die neue Großfamilie ahnen, in der sich der Vater des Kindes aus erster Beziehung mit dem Rest der Familie trifft, die mit dem Vater des Kindes aus zweiter Beziehung lebt, so dass Ex-Mann und Noch-Mann mit der im Mittelpunkt stehenden Mutter ihrer Kinder Urlaub machen. Vielleicht sind sie die Trendsetter. Wie eine Umfrage der Zeitschrift "Journal für die Frau" ergab, suchen sich Frauen und Mütter von heute ihre dringend benötigten Vorbilder ja tatsächlich nicht mehr in der eigenen Familie sondern draußen im Leben der Glamour-Damen, denen sie nacheifern. In jedem Fall wäre es schön für unsere Kinder und gut für uns selbst, wenn wir als Individuen ebenso wie als Gesellschaft lernen würden, wie wir unseren hochstilisierten Selbstverwirklichungswahn kompromissfähiger und unsere persönlichen Rechte durch die Akzeptanz zugehöriger Pflichten vervollständigen und auf diese Weise wieder mehr heile Familien und glücklichere Kinder haben könnten. Ein Schritt in die richtige Richtung ist zu akzeptieren, dass Frauen anders sind als Männer und dass dieses Anderssein kein Bessersein impliziert, sondern in völliger Gleichwertigkeit nicht nur lustvoll sein kann sondern als ideale Ergänzung zum Ying und Yang des dualistischen Lebensprinzips auch gut und notwendig ist. |
|
|